Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Ergebnisse des KLJB-Bundestreffens: Geballte Power für ländliche Räume

Jugendliche bilden das Wort Land.
Bild: KLJB   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Rund 1.000 deutsche und internationale Landjugendliche haben auf dem Bundestreffen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) in Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz) ihre Vorstellungen eines sozial und ökologisch nachhaltigen Lebens auf dem Land zur Sprache gebracht.

Das Treffen vom 4. bis 7. August 2011 ist am Sonntagmittag mit einem Gottesdienst mit dem Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters zu Ende gegangen.

„Der Aufwand hat sich gelohnt. Der Verband wird noch lange von diesem intensiven Austausch unter Gleichgesinnten zehren“, resümiert der KLJB-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner. Gemeinsam mit den Diözesanverbänden Mainz und Trier und der KLJB-Ortsgruppe Ochtendung hatte der Bundesverband das Treffen unter dem Motto „myland, mydorf, maifeld“ organisiert. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck war beim Gottesdienst zu Gast bei der KLJB: „Ich finde es vorbildlich, wie die KLJB sich für den ländlichen Raum, aber auch für eine lebendige Kirche einsetzt“, so Beck am Sonntag in Ochtendung.

In Ochtendung zu Gast waren rund 100 Mitglieder von internationalen Landjugendorganisationen aus Frankreich, Bulgarien, Portugal, Indien, Bolivien, Brasilien, Kenia, Sambia und Togo. Bei einer internationalen Konferenz am Freitagvormittag tauschten sie sich mit rund 100 deutschen Teilnehmenden in zweisprachigen Themenforen aus. Sie formulierten ihre Visionen für zukunftsfähige ländliche Räume weltweit, etwa zu den Themen „Weltagrarhandel und seine Auswirkungen“, „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Frieden und Konflikte“. „Es war toll, mit so vielen unterschiedlichen Leuten über die Landjugendarbeit ins Gespräch zu kommen“, findet Abraham von der kenianischen Landjugendorganisation CARYM. „So haben wir auch viele Projekte anderer Organisationen kennengelernt“, ergänzt die Bolivianerin Gisela. Die in den Themenforen erarbeiteten Wünsche und Visionen schrieben die Untergruppen auf lange Holzlatten, die am Ende der Konferenz zu einer Art Dach zusammengestellt wurden. Obendrauf platzierten die Teilnehmenden eine riesige aufblasbare Weltkugel. „Das war ein tolles Bild: Die Welt wird von unseren Visionen getragen“, sagt Lisa Eggert vom KLJB-Diözesanverband Mainz. Sie ergänzt: „Auch wenn die Bedürfnisse von Landjugendlichen in Ländern des Südens verglichen mit unseren Sorgen oft wesentlich existenzieller sind, eint uns der Wunsch nach vernünftigen Bleibeperspektiven auf dem Land“.

In weiteren Workshops und Konferenzen diskutierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter anderem darüber, wie die Dörfer der Zukunft aussehen sollen. So arbeiteten beispielsweise mehrere Kleingruppen in einem Regionalentwicklungs-Planspiel am Dorf ihrer Träume. Auch beim „Polittalk“ am Freitagabend standen die Wünsche junger Menschen für ein attraktives Leben auf dem Land im Mittelpunkt. Darüber diskutierten sie mit den Landtagsabgeordneten Arnold Schmitt (CDU) und Dietmar Johnen (Bündnis 90/Die Grünen), dem Sozialraumforscher Professor Ulrich Deinet und Christian Schärtl vom Bundesverband der Regionalbewegung. Für die KLJB saßen die Bundesvorsitzende Karin Silbe und Susanne Netzel vom KLJB-Diözesanverband Berlin auf dem Podium; durch eine interaktive Methode brachten Teilnehmende aus dem Publikum ihre Fragen und Meinungen in die Runde ein.

Die Podiumsgäste waren sich einig, dass alle gesellschaftlichen Gruppen an einem Strang ziehen müssten, um das Land fit für die Zukunft zu machen. Ein besonderes Interesse galt den Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen. „Es braucht ein stärkeres Bewusstsein für den Wert regionaler Wirtschafskreisläufe. Mittelständische Strukturen brauchen die Unterstützung von Politik und Zivilgesellschaft“. Damit das Leben auf dem Land auch für junge Menschen attraktiv ist, brauche es neben einem ausreichenden Nahverkehrsnetz unter anderem auch dezentrale Bildungseinrichtungen und Freizeitangebote in der Region, findet ein Landjugendlicher aus dem Münsterland. „Bei diesen wichtigen Infrastrukturthemen darf nicht über die Köpfe der Jugendlichen hinweg entschieden werden“, so die Bundesvorsitzende Karin Silbe weiter. „Die aktuellen politischen Entscheidungsträger sind so alt, dass sie die Auswirkungen ihrer Entscheidung gar nicht mehr mitbekommen werden. Sie tun so, als hätten sie alles im Griff. Das nehme ich denen aber nicht ab“, sagt der KLJBler Kaspar Hitzelberger aus Memmingen im Allgäu. Die engagierten jungen Menschen in der KLJB wünschten sich mehr echte Möglichkeiten der politischen Mitgestaltung – und keine Jugendparlamente oder ähnliche Formen der Pseudo-Partizipation.

Das nächste KLJB-Bundestreffen findet voraussichtlich in vier Jahren statt, der Ort steht noch nicht fest.

Das KLJB-Bundestreffen wurde unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor, vom Katholischen Fonds, vom Kreisjugendamt Mayen-Koblenz.

Mehr Informationen zum KLJB-Bundestreffen: www.kljb-bundestreffen.de

Quelle: Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) e. V., Pressemitteilung vom 07.08.2011

 

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