Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Dialogforum: In dieser Welt wollen wir leben!

Podiumsdiskussion beim Dialogforum "In welcher Welt wollen wir leben?" mit Eva Padberg, Sophie-Charlotte, Christella und Dirk Niebel
Bild: Anneli Starzinger   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0 Podiumsdiskussion beim Dialogforum "In welcher Welt wollen wir leben?" mit Eva Padberg, Sophie-Charlotte, Christella und Dirk Niebel

In Berlin diskutierten Jugendliche mit Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und übergaben ihre gemeinsamen erarbeiten Forderungen an die Politik für eine lebenswerte Zukunft.

Die Fotografen warteten vor dem Spreespeicher auf sie, aber diesmal stand Eva Padberg, UNICEF-Botschafterin, eigentlich nicht im Mittelpunkt. Es geht um Jugendliche und darum, wie sie sich die Welt vorstellen, in der sie leben wollen. Gemeinsam mit dem Top-Model und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel wollten sie diskutieren, über das, was sie in drei Monaten an Zukunftsvisionen- und forderungen erarbeitet haben.

Auf www.WorldWeWant.de waren von Januar bis März 2013 Jugendliche aus ganz Deutschland über ihre Prioritäten für eine neue globale Entwicklungsagenda befragt worden.

Nahezu einhellig erwarten Mädchen und Jungen, dass die Politik sich für eine gerechtere Welt einsetzt und halten Entwicklungszusammenarbeit für wichtig. Gleichzeitig blickt aber nur knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer auf der Onlineplattform www.WorldWeWant.de optimistisch in die Zukunft. Viele befürchten, dass die heutigen Kinder und Jugendlichen riesige Probleme erben: „Eine kaputte Umwelt, Staaten, die nicht funktionieren und eine Wirtschaft, in der vor allem das Recht des stärkeren zählt“, so ein Teilnehmer.

„Oft wird gesagt, junge Leute interessieren sich vor allem für Handys, schicke Kleidung und Partys. Das stimmt nicht. Sie wünschen sich eine gerechtere Welt und sind dafür auch bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihr eigenes Leben zu verändern“, sagte UNICEF-Botschafterin Eva Padberg bei der Übergabe der Ergebnisse.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sagte: „Die heutigen Weichenstellungen der Politik haben weitreichende Auswirkungen auf das Leben der jungen Generation. Sie erwartet zu Recht, dass die globalen Probleme im Sinne aller angepackt werden. Deshalb beteiligen wir junge Menschen bewusst in der Vorbereitung globaler Entwicklungsziele nach 2015 – und zwar auf ihren Kanälen.“

Die Jugendlichen forderten in der Podiumsdiskussion selbstbewusst ihre Rechte ein. Als sich der Moderator zu lange mit Eva Padberg beschäftigte, fuhr ihm die 18-jährige Christella dazwischen mit der Bemerkung, dass es schließlich um sie ginge. Sie wollte von Dirk Niebel wissen, ob es nicht möglich sei, Kinderberater in den Ministerien zu verankern. Dirk Niebel antwortete ausweichend, dass es schwierig sei, eine gerechte und repräsentative Auswahl an Jugendlichen zu treffen, die diese Funktion wahrnehmen könnten. Die Idee an sich finde er gut und schließlich habe er ja drei Kinderberater zu Hause in der eigenen Familie.

Einig waren sich die Jugendlichen im Schlussplädoyer, dass die Arbeit im Rahmen des Konsultationsprozesses viel Spaß gemacht habe, sie sie fortsetzen wollten und dass ihr Vertrauen in die Politik gewachsen sei.

Die Initiative www.WorldWeWant.de ist Teil der weltweiten Konsultationen über die neuen Ziele der Vereinten Nationen bei der Armutsbekämpfung und bei der ökonomischen, sozialen und ökologischen Entwicklung. Diese sollen nach 2015 die so genannten Millenniumsziele ablösen.

520 Mädchen und Jungen haben sich an der Umfrage beteiligt und in elf Foren zentrale Zukunftsthemen diskutiert. Die Ergebnisse fließen in die Diskussionen der Vereinten Nationen zur der „Post 2015-Agenda“ im September in New York ein. Zwei ausgewählte Teilnehmer von WorldWeWant.de werden als Teil der deutschen Delegation an den Gesprächen teilnehmen.  

Einige Ergebnisse der Umfrage

  • Zentral für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen weltweit sind aus der Sicht der Teilnehmer die Kinder- und Menschenrechte (14,5 %), gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen (11,4 %) und eine Gesundheitsversorgung für alle (8,9 %).
  • 48,5 % der Teilnehmer blickt ihrer Zukunft mit Optimismus entgegen – 12 % machen sich Sorgen und 37 % sind geteilter Meinung. Die Stimmung unter ihren Altersgenossen schätzen lediglich 23,1 % optimistisch ein.
  • 88,6 Prozent halten Entwicklungszusammenarbeit für wichtig. Zur Verbesserung der Situation in den ärmsten Ländern sehen die Jugendlichen als besonders wichtig an: Fairen Handel unterstützen (19 %), Experten zur Ausbildung schicken (17,3 %) und konkrete Projekte finanzieren (16,7 %).
  • Mit Blick auf die Situation der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind für die Teilnehmer gute Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten (15,5 %) sowie Gerechtigkeit und Chancengleichheit (10 %) am wichtigsten.

In den offenen Foren wurden komplexe Themen intensiv diskutiert – wie zum Beispiel die Frage nach einer gerechten Weltwirtschaftsordnung („Fairness“), die Bedeutung von Bildung und ökologischer Nachhaltigkeit, der Kampf gegen Korruption sowie die eigene persönliche Verantwortung.

Einige Aussagen aus den Diskussionsforen:

  • Ungerechtigkeit: „Damit Kinderarbeit nicht noch weiter unterstützt wird (…) sollte endlich jeder mal damit anfangen, sich mehr für die Produktion der eigenen Klamotten zu interessieren und den geliebten Marken mal auf den Zahn fühlen (…).“
  • Bildung: „Ohne Bildung funktioniert kein Staat. Sie ist der Schlüssel zu Arbeit und Beruf, zu Forschung und Entwicklung, zu Kreativität und Veränderung.“
  • Korruption: „Korruption ist nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern ein der Hauptursachen für Leid und Elend.“
  • Verantwortung: „Ich würde mir eine Welt mit mündigen Bürgern wünschen, die verantwortungsvolle Entscheidungen fällen, allen Lebewesen und der Natur Respekt entgegenbringen, ihren Egoismus und ihre Selbstbezogenheit beiseitelassen, sich engagieren und sich über die vorhandenen Missstände empören.“
  • Bei sich anfangen: „Wenn nur eine Person – also Du SELBST – ein bisschen macht, bringt das mehr als Du denkst: denn wenn jeder so denkt und nur ein kleines bisschen mithilft, können wir einiges erreichen.“

Der komplette Bericht zum Download

Quelle: UNICEF, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Anneli Starzinger

Info-Pool