Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

„ConFestival – Jugend gestaltet Sachsen“: Jugendliche sprechen mit Politikern über Ergebnisse

Mehrere Schülerinnen und Schüler melden sich während des Unterrichts.
Bild: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Die Ergebnisse der Regierung zu den Zukunftswünschen der Jugendlichen des „ConFestivals – Jugend gestaltet Sachsen“ liegen vor. Ministerpräsident Tillich sowie Kultusministerin Kurth und Jugendministerin Clauß haben mit 14 Jugendlichen die geplanten Schritte und die bereits umgesetzten Forderungen diskutiert.

Im Fokus der Jugendlichen standen die Themen Schule, Ausbildung, Gesellschaft, demokratische Mitwirkung, Kultur, Freizeit und Familie.

Schule, Ausbildung und politische Bildung

Im Bereich Schule und politische Bildung wünschten sich die Schüler vor allem mehr Demokratiekurse, mehr schulische Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen und mehr Unterstützung für Schülervertreter. Kultusministerin Brunhild Kurth freute sich über das große gesellschaftspolitische Interesse der Jugendlichen. „Demokratische Mitbestimmung setzt das Wissen über die eigenen Rechte und das nötige Interesse voraus. Deswegen wird Schule in Sachsen die Ausbildung von Schülermitwirkungsmoderatoren und Schülervertretern, den Wettbewerb „Jugend debattiert“, an dem schon jetzt rund 2.600 Schüler beteiligt sind, sowie Fortbildungen für Vertrauenslehrer fördern und weiter ausbauen. Außerdem planen wir die Wiedereinführung der Peer Trainer“, so Kultusministerin Brunhild Kurth im Gespräch mit den Jugendlichen. Peer Trainer sind engagierte Jugendliche, die auf Anfrage in Klassen gehen, um über Themen wie Zivilcourage, Extremismus, Vorurteile oder Diskriminierung zu diskutieren.

Die Ministerin machte die Jugendlichen zudem auf die Schülerkonferenz „Chemnitz13“ aufmerksam. Rund 300 Schüler tauschen sich im September in der TU Chemnitz darüber aus, wie für sie demokratische Schule aussieht. Auch der Ministerpräsident wird vor Ort sein. "Für mich ist der Austausch mit den Jugendlichen sehr wichtig. Sie gestalten mit ihren Ideen die Zukunft des Freistaates. Um weiter im Dialog zu bleiben, freue ich mich auch schon auf die nächste Möglichkeit der Diskussion bei der Veranstaltung ‚Chemnitz13‘ im September", so Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Lehrernachwuchsgewinnung

Beschäftigt hat die Teilnehmer des ConFestivals vor allem auch die Lehrernachwuchsgewinnung. Neben einer besseren Bezahlung der Lehrer forderten die Jugendlichen auch eine gesunde Altersstruktur in den Lehrerzimmern und eine bessere Information über die benötigten Fächerkombinationen und die freien Stellen. „Um junge Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen, sind für uns die Hinweise der Schüler und Studierenden überaus wichtig. Die Vorschläge über passgenaue Informationen zum Lehrerberuf setzen wir auf unserer Internetplattform www.lehrer-werden-in-sachsen.de um. Auch bei der Studien- und Berufsorientierung werden wir die Informationen zum Lehrerberuf verbessern und intensivieren, damit die jungen Menschen bei Ihrer Studienwahl den künftigen Bedarf hinsichtlich der Schularten und Fächer berücksichtigen“, versicherte Kurth. „Wir sind auf einem guten Weg. Jeden Lehrer, der aus Altersgründen ausscheidet, können wir neu ersetzen. Damit schreitet der Generationswechsel im Lehrerzimmer weiter voran. 2012 haben wir so viele Lehrer eingestellt wie noch nie. Ab diesem Jahr gibt es sogar zwei Einstellungstermine. So stehen bereits im zweiten Schulhalbjahr 108 neue Pädagogen in den Klassen. Außerdem haben wir die Studienplätze für den Lehramtsstudiengang von 1.000 auf 1.700 erhöht und zur Unterrichtsabsicherung bei Langzeiterkrankungen kann jetzt befristet eingestellt werden“, so Kurth weiter.

Freizeitmöglichkeiten im ländlichen Raum

Zum Thema Freizeit hatten die Jugendlichen unter anderem die Idee, eine Online-Plattform für Jugendfreizeitmöglichkeiten im ländlichen Raum (nach dem Mitfahrgelegenheitsprinzip) zu erstellen. Kultusministerin Brunhild Kurth begrüßte diesen Vorschlag und unterstützt die Jugendlichen dabei, diese Idee zum Leben zu erwecken. Ein solches Projekt könnte in den Ferienakademien durch die Schüler selbst umgesetzt werden. Eine finanzielle Förderung wäre über den Europäischen Sozialfonds (ESF) möglich.

Rente, Toleranz, Jugendbeteiligung und Berufsorientierung

Die Jugendlichen erarbeiteten in den Workshops Vorschläge und Fragen zur Rente, Toleranz, Jugendbeteiligung und Berufsorientierung. Staatsministerin Christine Clauß zeigt sich begeistert: „Der Tag  hat gezeigt: Sie haben Ihre eigene Meinung und setzen sich dafür auch ein. Sie übernehmen für sich und Ihre Freunde und Mitschüler Verantwortung. Dafür meinen ausdrücklichen Respekt. Beeindruckt haben Sie mich schon im letzten Herbst, weil Sie sich mit so vielen Themen beschäftigen. Und die meisten Ihrer Forderungen sprachen auch mir aus der Seele. In vielen Dingen sind wir uns sehr einig.“ Fünf Themen nahm die Ministerin noch einmal auf.

  • Erstens: Die Forderung nach mehr politischer Bildung. Die Staatsregierung unterstützt Projekte finanziell, die zum Beispiel Projekttage für Demokratie und Mitbestimmung oder U-18-Wahlen durchführen. Um nur einige Beispiele zu nennen. An dieser Finanzierung wird festgehalten, sie ist eine feste Größe im Haushalt.
  • Zweitens: Bei der Forderung nach Mitwirkungs- und Beteiligungsrechten für junge Menschen stellte die Ministerin das Rahmenkonzept ihres Hauses „Teilhabe ist mehr als Teilnahme“ in den Fokus. Denn Mitbestimmen und Mitgestalten gehören zusammen, wenn man Teilhabe ernst nimmt. Als Beispiele nannte sie das erfolgreiche Projekte „Hoch vom Sofa“ und das Jugendprogramm „Werte. Zusammen. Leben.“ der Stiftung Demokratische Jugend. Dieses Programm fördert den Dialog zwischen Jung und Alt über Werte. „Denn Ihre Meinung als junge Menschen interessiert auch in diesem Bereich. Verständigung miteinander ist ganz wichtig. So entsteht Verständnis füreinander.“ Außerdem erklärte sie den Jugendlichen ihr Mitspracherecht vor Ort über den Jugendhilfeausschuss.
  • Die dritte Forderung bezog sich auf die Stärkung der Schulsozialarbeit, um jungen Menschen bei Ausgrenzung und Intoleranz zu helfen. Schulsozialarbeit wird in Sachsen über die Jugendpauschale, das Konzept „Chancengerechte Bildung“ (2012 500.000 Euro für erste Projekte in 10 Gebietskörperschaften) und über den Europäischen Sozialfonds finanziert. Dazu gibt es eine Förderrichtlinie und in fast allen Landkreisen Koordinierungsstellen. „Ich setze mich dafür ein, dass diese Förderung auch über das Jahr 2014 bestehen bleibt und außerdem Projekte der Jugendberufshilfe und die Produktionsschulen weiterhin Bestandteil der ESF-Förderung bleiben.“
  • Für die vierte Forderung nach jugendgerechten Formaten bei der Berufsorientierung hatte die Ministerin eine besonders gute Nachricht. Im Juli findet in Leipzig die „Weltmeisterschaft der Berufe“ - die sogenannte „worldskills“ statt. Einen besseren Einblick in die Berufe kann es (fast) nicht geben.
  • Last but not least hatten die Jugendlichen Forderungen zum Thema Rente und Altersvorsorge. Um hier die Anregungen der jungen Menschen gezielt besprechen zu können, hat Frau Staatsministerin Clauß zu einem gesonderten Treffen in das Sozialministerium eingeladen.

Das ConFestival fand am 6. Oktober 2012 im Labortheater der Hochschule für Bildende Künste in Dresden unter dem Motto „Jugend gestaltet Sachsen“ statt. Teilgenommen haben über 120 Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren aus ganz Sachsen. Gemeinsam mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Kultusministerin Brunhild Kurth und Jugendministerin Christine Clauß haben sie ihre Wünsche und Vorstellungen über ein lebens-, liebens- und bleibenswertes Sachsen diskutiert. Ihre Ergebnisse haben die Jugendlichen in einer Festivalzeitung, in Karteikarten und Themenplakaten zusammengetragen und am Ende dem Ministerpräsidenten und den zwei Staatsministerinnen zur Prüfung und Bearbeitung überreicht.

Weitere Informationen und die wichtigsten Ergebnisse sind abrufbar unter:
www.jugend-gestaltet-sachsen.de

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Kultus vom 26.04.2013

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