Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Durchführung eines Jugendbarcamps – Generelles

Ein orangefarbenes Banner mit der Aufschrift "Durchführung eines Jugendbarcamps" neben Zahnrad-Icons.
Bild: © jugend.beteiligen.jetzt

Nachdem im vorherigen Beitrag dieser Artikelserie die Kommunikation rund um ein Jugendbarcamp thematisiert wurde, soll es jetzt um die konkrete Durchführung der Veranstaltung gehen. In diesem Artikel wird der generelle Ablauf eines Jugendbarcamps beschrieben.

Einige Tage vorher

Einige Tage bevor das Jugendbarcamp startet, stehen letzte Vorbereitungen an. Es sollte eine Packliste geschrieben werden, auf der alle benötigten Materialien stehen, damit nichts vergessen wird. Außerdem sollten alle nötigen Dokumente gedruckt werden. Als Erinnerung ist eine Rundmail an alle Teilnehmenden sinnvoll, in der noch einmal letzte Informationen zur Veranstaltung stehen, wie z.B. Zeiten, Anfahrt und ggf. Informationen zur Unterkunft. Wenn die Planung und Organisation des Jugendbarcamps über den Camper läuft, sollte hier das Zeitraster schon einmal vorbereitet werden, das dann am Veranstaltungstag selbst vervollständigt wird. Wenn auch die Anmeldung über den Camper gelaufen ist, können die Teilnehmenden auch hierüber Infomails erhalten.

Kurz bevor es losgeht

Das Organisations- und Vorbereitungsteam sollte mindestens eine Stunde vor Beginn des Barcamps vor Ort sein, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Zum einen gilt es, die Räume entsprechend vorzubereiten, d.h. Tische und Stühle in die gewünschte Sitzordnung zu stellen und die Technik zu überprüfen. Ist alles vorhanden, was gebraucht wird? Üblicherweise befinden sich in jedem Session-Raum ein Laptop und Beamer sowie ein Flipchart und/oder eine Pinnwand mit Stiften und Pinnnadeln. Neben den Sessionräumen sollte das Plenum, der größte verfügbare Raum, und die Anmeldung vorbereitet werden. Außerdem darf auch die Deko nicht fehlen: Vielleicht gibt es Plakate, Roll-Ups des Veranstalters oder Luftballons und Blumen. Wichtig ist, das WLAN-Passwort sichtbar auszuhängen. Oft ist auch eine Ausschilderung zum Veranstaltungsort hilfreich, ganz besonders wenn die Teilnehmenden die Räumlichkeiten nicht kennen. Die Sessionräume sollten sichtbare Bezeichnungen haben, damit die Teilnehmenden ihre Räumen während des Barcamps schnell finden können. Die Räume können (vielleicht schon von der Location vorgegebene) Bezeichnungen wie 1.04 haben, oder auch völlig neu benannt werden, z.B. thematisch passend zur Veranstaltung (ein Beispiel sind Städtenamen). Diese Bezeichnungen können auch mit den Jugendlichen zusammen festgelegt werden. Allerdings sollten die Raumbezeichnungen nicht zu kompliziert sein, damit sie nicht mehr verwirren als helfen.

Das Ankommen

Wenn die Teilnehmenden ankommen, geht es erst einmal zur Registrierung. Hier wird meist mit einer Teilnehmer/ -innen-Liste gearbeitet. Auch sollten zu Beginn die Einverständniserklärungen eingesammelt werden, damit das Organisationsteam u.a. über Fotoerlaubnisse Bescheid weiß. Damit sich die Teilnehmenden gegenseitig anreden können, empfehlen sich Namensschilder, die die Teilnehmenden beim Ankommen selbst ausfüllen. Üblicherweise steht dort der Name sowie drei Stichworte, die die Person beschreiben, z.B. etwas über Interessen oder Hobbies. Die Schlüsselbänder für die Namensschilder bieten eine gute Möglichkeit, Teilnehmende mit und ohne Fotoerlaubnis mit zwei verschiedenen Farben zu unterscheiden. Die Anmeldung kann im weiteren Verlauf des Barcamps als zentraler Ort bei Fragen und auch Materialtisch dienen.

Die Begrüßung und Einführung im Plenum

Jedes Jugendbarcamp braucht eine/-n Moderator/-in. Nachdem die Teilnehmenden sich angemeldet und im Plenum gesammelt haben, werden sie von dem/der Moderator/-in begrüßt. Es folgen eine Erwähnung der Organisator(inn)en und Ermöglicher/-innen, organisatorische Hinweise sowie ein Überblick über den zeitlichen Ablauf des Tages bzw. der Tage. Fester Bestandteil eines Jugendbarcamps ist die gemeinsame Vorstellungsrunde. Bei einem Barcamp verläuft die Vorstellungsrunde kurz und knapp, indem sich jede und jeder nach der Reihe mit dem Namen und den drei Stichworten (auch Hashtags genannt) vom Namensschild vorstellt. So erfahren die Teilnehmenden gegenseitig etwas übereinander. Jede und jeder ist auf diese Weise bereits einmal zu Wort gekommen und das erste Eis ist gebrochen. Auf diese Weise kann sich eine große Anzahl an Menschen in relativ kurzer Zeit vorstellen. Zur Orientierung: 70 Menschen können sich mit dieser Methode in ca. 15 Minuten vorstellen.

Nach der Vorstellungsrunde folgt eine kurze Einführung in das Format Barcamp. Diese kann im Vergleich zu einer gewöhnlichen Konferenz passieren, da dieses Format meist bekannt ist. Folgende Punkte können bei der Erklärung unterstützen:

 KonferenzUnkonferenz
RollenEs gibt Teilnehmende einerseits und Referenten andererseits.Alle sind Teilgebende.
PlanungProgramm wird vorab von einem Programmteam erstellt.Programm wird vor Ort gemeinsam erstellt.
FormenInput dominiert, Austausch ist ergänzend.Input ist möglich, Austausch dominiert.
InhalteMan erwartet Fertiges und Allgemeines. Es geht um Antworten.Man erwartet (auch) Offenes und Konkretes. Es geht um Fragen.
AtmosphäreDuzen ist die Ausnahme. Siezen ist der Standard.Duzen ist der Standard. Siezen die Ausnahme.

10 Barcampregeln

Trotz der Offenheit des Formates gibt es Regeln bei einem Jugendbarcamp, die beachtet und eingehalten werden müssen:

  • Was aus einem Barcamp wird, bestimmen die Teilgeber/-innen.
  • Es muss keinen Input geben. Eine Frage reicht.
  • Formuliere deinen Sessionvorschlag kurz und präzise.
  • Es kann so viele Sessions geben, wie Räume vorhanden sind.
  • Eine Session kann stattfinden, wenn sie mindestens zwei Personen interessiert.
  • Eine Person kann mehrere Sessions anbieten.
  • Nichts auf morgen schieben!
  • Jede Session wird dokumentiert.
  • Es ist okay, eine Session mittendrin zu verlassen.
  • Eine Session dauert nicht länger als 45 Minuten.

Die Auflistung Konferenz und Unkonferenz und die 10 Barcampregeln entstammen dem Buch „Barcamp & Co. Peer to Peer-Methoden für Fortbildungen“. Dieser Teil des Textes steht unter CC BY 4.0 Jöran Muuß-Merholz/OERcamp bei Beltz in der Verlagsgruppe Beltz.

Die Sessionplanung und der Camper

Nachdem alle mit dem Format vertraut gemacht wurden, kann das Jugendbarcamp auch thematisch mit der Planung des Programms, der Sessionplanung, beginnen. In der Sessionplanung werden die Inhalte des Tages festgelegt und in ein Raum-Zeit-Raster, den sogenannten Sessionplan eingeordnet. Grundsätzlich gilt: Alles was vorgeschlagen wird und räumlich und organisatorisch machbar ist, kann auch eine Session werden. Eine Session kann alles sein, was die Leute in einem Austausch zusammenbringt: ein Workshop, ein Vortrag, eine Projektvorstellung, eine Frage oder ein Problem, zu dem Antworten oder Lösungen gesucht werden.

Die Sessiongebenden schreiben ihren Namen und den Titel der Session auf einen vorbereiteten Zettel und stellen ihren Vorschläge der Reihe nach vor, in dem sie kurz und knapp ihren Namen und den Session-Titel sagen sowie ihr Thema (2-3 Sätze) erklären. Direkt danach fragt die Moderation bei allen Anwesenden per Handzeichen das Interesse am Vorschlag ab. Diese Abfrage dient nur zur Orientierung sowie zur besseren Verteilung der Vorschläge auf die verfügbaren Räume. Jede und jeder kann sich so oft melden, wie er und sie möchte. Eine Meldung verpflichtet nicht zur Teilnahme an der Session. Als letzter Schritt wird der Vorschlagszettel mit der Sessionidee an das Planungsteam gegeben (am besten bestehend aus mindestens zwei bis drei Personen). Das Planungsteam ordnet die Session dann in das Raum-Zeitraster ein. Hierfür bietet es sich an, eine große Pinnwand aufzustellen und die Zettel dort anzuhängen. Somit entsteht auch gleich eine Anlaufstelle, an der sich die Teilnehmenden informieren können, wann welche Session stattfindet. Gleichzeitig ist es oft sinnvoll, den Sessionplan auch in den Camper zu übertragen. Auf diese Weise kann jede und jeder den Plan schnell auf dem eigenen Smartphone oder Laptop aufrufen und nachschauen. Wenn der Sessionplan steht, sind keine Extrawünsche und Änderungen mehr möglich. Allen recht machen kann man es nicht, da immer Sessions parallel stattfinden werden.

Die Sessions beginnen

Wenn der Plan des Tages feststeht, kann nichts mehr verändert werden und die Sessions beginnen. Ab hier läuft das Jugendbarcamp eigentlich von alleine. Anhand des Sessionplans können die Anwesenden selbst entscheiden, welche Session sie besuchen wollen. In den Sessions organisieren sich die Teilnehmer/-innen eigenständig in der Gruppe. Es ist jederzeit möglich, die Session zu wechseln. Das Orgateam sollte immer bereit sein, bei (technischen) Problemen auszuhelfen und Fragen der Teilnehmenden zu beantworten. Es ist üblich, dass es zwischen jedem Sessionslot eine 15-minütige Pause gibt, in der die Teilnehmenden die Räume wechseln können. Es bietet sich an, kurz vor Ende einer Session ein Signal zu geben, damit alle Bescheid wissen und die Session pünktlich endet. Denn Überziehen geht nicht – der nächste Sessiongeber/-in möchte den Raum nutzen.

Der Abschluss

Wenn alle Sessions gelaufen sind, kommen alle zu einer gemeinsamen Abschlussrunde noch einmal im Plenum zusammen. Die Moderation fragt nach Feedback und lässt den Tag Revue passieren. Am letzten Tag des Barcamps folgt noch ein Danke an alle Beteiligten und eine Verabschiedung. Geht das Jugendbarcamp über mehrere Tage, läuft der zweite Tag sehr ähnlich dem ersten ab: Ankommen, Anmeldung, Begrüßung, neue Sessionplanung für den Tag, Sessionslots und Abschlussrunde.

Im nächsten Artikel geht es um die Durchführung eines Jugendbarcamps im Detail.


Jugendbarcamps – Neue Artikelserie von jugend.beteiligen.jetzt

Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt startet eine Artikelserie rund um das Thema Jugendbarcamp, einem offenen Veranstaltungsformat für und mit Jugendlichen. Im regelmäßigen Rhythmus erscheinen insgesamt acht Beiträge mit allem Wissenswerten, um selbst ein Jugendbarcamp durchführen zu können. Die Artikel werden begleitet von spannenden Interviews mit Einblicken in die Praxis. Menschen, die bereits Jugendbarcamps durchgeführt haben, berichten von ihren Erfahrungen, Erfolgen wie auch von den Do’s and Don’ts der Barcamp-Welt.

Feedback – eine partizipative Broschüre

Zu jedem Artikel gibt es die Möglichkeit, eigene Ideen und Erfahrungen zu teilen und Verbesserungen oder Ergänzungen zu den Artikeln zu geben. Hierfür steht ein Padlet, eine digitale Pinnwand zur Verfügung. Zum Ende der Artikelserie entsteht eine Barcamp-Broschüre, in die die Kommentare und Anregungen einfließen werden.

Quelle: jugend.beteiligen.jetzt Für die Praxis digitaler Partizipation

DE 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

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