Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Die Europäische Idee stärken – Empfehlungen der AGJ

Die Hände von einem Jugendlichen halten einen kleinen Globus.
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Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ möchte mit dem Papier „Politisch und Engagiert: Für eine Stärkung der europäischen Idee in der Kinder- und Jugendhilfe“ dazu ermutigen, das Thema Europa stärker lokal zu verankern und Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen. Die Empfehlungen der AGJ sollen einerseits als Argumentationshilfe bei der Implementation europäischer Projekte dienen und andererseits konkrete Handlungsoptionen für eine stärkere europäische Ausrichtung aufzeigen.

Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wird vor allem auf lokaler Ebene das europäische Demokratie- und Politikverständnis über die Kinder- und Jugendarbeit als Instanz für politische Bildung vermittelt und in konkrete Bezüge übersetzt. Europäische Grundprinzipien und Werte, aber auch die Grenzen europäischen Handelns und die europäische Widersprüchlichkeit sind Themen einer politischen Bildung, die über Kinder- und Jugendarbeit eine Stärkung der europäischen Idee sowie eine Stärkung des demokratischen Politikverständnisses zur Folge hat. Junge Menschen können nur zu einem ganzheitlichen Verständnis von Europa mit all dessen Stärken und Schwächen kommen, wenn das abstrakte Bild der EU in konkrete und erfahrbare Bezüge übersetzt wird. Möglich ist dies vor allem auf der lokalen Ebene, auf der sich die Lebenswelt und der Alltag der Menschen abspielen und wo abstrakte politische Entscheidungen konkret werden. Der lokalen Kinder- und Jugendarbeit, aber auch den lokalen Trägern und kommunalen Entscheidungsträgern obliegt somit die Verantwortung und zugleich die Chance ein Aufwachsen junger Menschen als Europäerinnen und Europäer zu ermöglichen, die sich ihrer Gestaltungsmacht bewusst sind und sich aktiv für ihre Ziele einsetzen.

Heute in der Europäischen Union lebende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind als Europäerin und Europäer aufgewachsen. Dies äußert sich in weitaus höheren Zustimmungswerten zur EU und in einer deutlicheren Selbstwahrnehmung als Europäerinnen und Europäer im Vergleich zu anderen Altersgruppen. Das grenzüberschreitende Handeln in europäischen und globalen Netzwerken ist für viele junge Menschen längst selbstverständlich, wie zum Beispiel die soziale Bewegung „Fridays for Future“ auf beeindruckende Weise zeigt. Die lokale und kommunale Kinder- und Jugendarbeit kann wie kaum eine andere Ebene die europäische Idee auch für diejenigen erfahrbar machen, die bisher noch nicht in ausreichendem Maße daran teilhaben und so einen Beitrag für eine sozialere und demokratischere Europäische Union leisten.

Die europäische Idee stärken

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe - AGJ möchte mit dem Papier „Politisch und engagiert: Für eine Stärkung der europäischen Idee in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit“ (PDF, 96 KB) auf die vielfältigen Möglichkeiten der Integration europäischer Inhalte und Formate auf lokaler Ebene aufmerksam machen und Kommunen, lokale Einrichtungen, kommunale Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, hauptamtlich und freiwillig in der Kinder- und Jugendhilfe Engagierte sowie alle weiteren Akteurinnen und Akteure, die gestaltend auf lokaler Ebene tätig sind, dazu ermutigen, Europa als Lebenswelt junger Menschen stärker zu verankern und für ihre Arbeit zu nutzen.

Die Kinder- und Jugendarbeit sowie weitere lokale Strukturen bieten eine große Vielfalt an Möglichkeiten, um Europa den in der Kommune lebenden jungen Menschen nahezubringen und ihnen eine aktive Teilhabe daran zu ermöglichen. Die AGJ ist davon überzeugt, dass nicht nur die jungen Menschen von einer europäischen Ausrichtung der Kinder- und Jugendarbeit profitieren können, sondern dass in besonderem Maße die Kommunen selbst sowie die lokalen Einrichtungen und Organisationen einen erheblichen Mehrwert durch die Auseinandersetzung mit der europäischen Idee erfahren. Die Lebensqualität in der Kommune, die Teilhabechancen für junge Menschen und das europäische Lebensgefühl junger Menschen sind nach Meinung der AGJ die zentralen Dimensionen, die von einer europäischen Ausrichtung der Kommune und der lokalen Angebote positiv beeinflusst werden.

Dieser Artikel führt in das Positionspapier der AGJ ein und fasst einzelne Punkte verkürzt zusammen. Das vollständige Papier „Politisch und engagiert: Für eine Stärkung der europäischen Idee in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit“ steht als PDF (96 KB) zur Verfügung. steht

Allen jungen Menschen europäische Erfahrungen ermöglichen

Die AGJ sieht es als zentral für das chancengerechte Aufwachsen von jungen Menschen an, ihnen einen Zugang zu Europa zu verschaffen und europäische Erfahrungen zu ermöglichen. Lokale Kinder- und Jugendarbeit ist hierbei die wesentliche Instanz, die politische Bildung mit europapolitischer Bildung vereinen und so die Trennung zwischen nationaler und internationaler politischer Bildung überwinden kann. Europäische Erfahrungen lassen sich über vielfältige Wege erlangen, die von verschiedenen Akteurinnen und Akteuren angeboten und ausgeführt werden können. Kinder und Jugendliche haben unterschiedliche Startchancen und Bildungsmöglichkeiten, je nach ihren Herkunftsbedingungen oder persönlichen Einschränkungen. Die Kinder- und Jugendarbeit ist jedoch Anlaufpunkt für alle jungen Menschen und verfolgt das Ziel, Benachteiligung abzubauen. Allen jungen Menschen muss der Weg offen stehen für europäische Erfahrungen, sei es für Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen oder aber mit Behinderung. Der inklusive Grundansatz von Kinder- und Jugendarbeit gilt auch für internationale Erfahrungen und Maßnahmen.

Empfehlungen der AGJ

Aufbauend auf diesen Grundsätzen empfiehlt die AGJ Kommunen, lokalen Organisationen sowie Akteurinnen und Akteuren sich dem Thema Europa anzunehmen und die Etablierung europäischer Erfahrungsmöglichkeiten zugleich als Chance zur eigenen Entwicklung zu verstehen. Zur Stärkung der europäischen Idee in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit sind nach Auffassung der AGJ mehrere Aspekte zentral. Sie werden in den Empfehlungen ausführlich erläutert. Als Einblick in das Papier werden die Punkte in diesem Artikel nur stichwortartig aufgeführt:

  • Eine Bestandaufnahme als Voraussetzung zur Netzwerkbildung
  • Die strukturelle Verankerung der europäischen Ausrichtung in der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe
  • Die Positionierung der kommunalen Gremien und Entscheidungsträgerinnen und -trägern
  • Kommunikation und Information verbessern
  • Die Schaffung niedrigschwelliger Zugangswege für europäische Angebote
  • Die Weiterbildung und Qualifizierung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendarbeit
  • Die Nutzung und Erneuerung von bereits vorhandenen Strukturen
  • Den Einbezug von kommunalen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern
  • Die Beachtung und Nutzung von verschiedenen Fördermitteln
  • Die Zusammenarbeit mit der Landes-, Bundes- und Europäischen Ebene

Download des vollständigen Papiers „Politisch und engagiert: Für eine Stärkung der europäischen Idee in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit“ (PDF, 96 KB)

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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