Kinder- und Jugendarbeit

Denn sie wissen nicht, was mitbestimmen heißt

Wegweiser mit dem Text Mitbestimmung
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Woran liegt es, dass Partizipationsangebote von Politiker(inne)n an Kinder und Jugendliche in Berlin kaum genutzt werden? Politik und Verwaltung müssen die Sprache der Jugendlichen besser verstehen, statt Angebote in ihrer eigenen Sprache zu machen. Außerdem sollten sie sich mehr an den Lebensumständen der jungen Menschen orientieren. Das fordert der Landesjugendring vor der Abgeordnetenhauswahl im Rahmen seiner Kampagne "Jugend wählt Berlin".

Logisch – Im Wahlkampf der Parteien dreht sich alles um den Wähler. Dazu gehören Jugendliche unter 18 Jahren in Berlin weiterhin nicht. Für sie stellt die Politik stattdessen Beteiligungsformen wie Jugendparlamente, Stadtteilversammlungen, Jugendforen und Portale zur Verfügung, wo sie teilhaben und mitbestimmen sollen. Doch reicht das, um junge Menschen ernsthaft in politische Prozesse einzubeziehen und an Entscheidungen zu beteiligen? Derlei Angebote werden von Kindern und Jugendlichen selten genutzt, auch weil sie sich von den Erwachsenen nicht ausreichend ernst genommen fühlen.

Wann beteiligen sich junge Menschen an Politik?

„Junge Menschen beteiligen sich nur dann, wenn sie das Gefühl haben, dass es auch etwas für sie zu entscheiden gibt. Sie merken sehr schnell, wenn sie für repräsentative Zwecke instrumentalisiert werden sollen, die Entscheidungen aber woanders fallen“, sagt Tilmann Weickmann, Geschäftsführer beim Landesjugendring Berlin. „Will man Partizipation junger Menschen fördern, muss man sich stärker mit ihrer Lebensrealität auseinandersetzen und junge Menschen als Expert_innen ihres Lebensumfelds wahrnehmen, statt ihnen Angebote „von oben“ zu machen.“ Dazu gehört, dass sich Entscheidungsträger_innen bemühen müssen, die Sprache der Jugendlichen zu verstehen anstatt Jugendlichen Angebote in ihrer Sprache zu machen. „Was passiert, wenn sich Menschen nicht mehr von Politiker_innen verstanden fühlen, kann man ganz gut am Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern sehen“, so Weickmann.

Jugendverbände können der Politik helfen

Die 33 Berliner Jugendverbände, die im Landesjugendring Berlin zusammengeschlossen sind, bieten bei der „Übersetzung“ ihre Unterstützung an. Sie sind in vielen Stadtteilen mit ihrer Infrastruktur, ihren partizipativen Angeboten und ihrem Know-How präsent. Beteiligung von jungen Menschen wird hier ganz praktisch gelebt: In Eigenregie werden Projekte „von Jugendlichen für Jugendliche“ umgesetzt – sei es mit jungen Geflüchteten, für die Rechte von Lesben und Schwulen oder in Projekten gegen Rechtspopulismus. Erfolgreiche Partizipation junger Menschen sollte an dieser Basis ansetzen, statt öffentlichkeitswirksame Angebote von Politiker_innen an Jugendliche zu schaffen.

Über JUGEND WÄHLT BERLIN

Unter dem Motto „JUGEND WÄHLT BERLIN” hat der Landesjugendring eine Kampagne im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gestartet. Mit monatlichen Forderungen macht der Zusammenschluss der Berliner Jugendverbände bis zur Wahl deutlich, wo die Politik für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt dringend nachbessern muss. Alle Forderungen sind auf der Plattform www.jugend-wählt-berlin.de zu finden.

Quelle: Landesjugendring Berlin e.V. vom 07.09.2016

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