Kinder- und Jugendarbeit / Bildungspolitik

Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2018: Beweis für die Bedeutung außerschulischer Bildung

Eine Geigerin
Bild: © Peter Heckmeier - Fotolia.com

2.600 junge Musikerinnen und Musiker musizierten vom 17. bis 23. Mai in 1.700 Wertungsspielen in Lübeck. In diesem Rahmen formulierte Bundesjugendministerin Franziska Giffey ein Bekenntnis zum Schulfach Musik, während sich Karin Prien, Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein, außerdem für eine höhere Anerkennung von Leistungen im Kontext außerschulischer Jugendbildung aussprach.

Für acht Tage hatte die Sonne gleich die gesamte Hansestadt Lübeck in strahlendes Bühnenlicht getaucht, denn vom 17. bis 23. Mai fand hier der 55. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" mit 2.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Mit der Sonne um die Wette strahlten 573 erste, 722 zweite und 763 dritte Bundespreisträgerinnen und -preisträger. Im Laufe der Wettbewerbstage hatten an 30 Orten im gesamten Stadtgebiet 1.700 Wertungsspiele stattgefunden, umgerechnet beinahe 600 Stunden Musik. Bewertet wurden die Nachwuchsmusiker von rund 160 Fachjurorinnen und -juroren. Insgesamt 21 Ergebnisbekanntgaben fanden im Laufe der Wettbewerbstage statt, die Jugendlichen wurden dort mit Urkunden des preisstiftenden Bundesjugendministeriums ausgezeichnet und erhielten das Exemplar einer eigens für sie geschaffenen Druckgrafik von Armin Mueller-Stahl. Zu den Highlights des Bundeswettbewerbs 2018 zählten die Orgelwertungen, die in vier der bedeutenden Kirchen Lübecks stattfanden, der Besuch von Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey beim 2. Preisträgerkonzert und ihr Bekenntnis zur Bedeutung außerschulischer Bildung.

Punktgenaue und individuelle Förderung

Neben der Auszeichnung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, erlaubten die rund 30 Stiftungen und Institutionen, im Fahrwasser von „Jugend musiziert", mit ihren vielfältigen Stiftungszwecken und Förderprofilen eine punktgenaue und individuelle Förderung herausragender Musikerinnen und Musiker. Sie erhöhen die Attraktivität der Teilnahme am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ zusätzlich. Sonderpreise im Gesamtwert von 110.000 Euro standen dieses Jahr bereit, beispielsweise der mit 5.000 Euro dotierte Sonderpreis für Familienensembles der Sparkassen-Finanzgruppe, die attraktiven Jahresstipendien der Jürgen-Ponto-Stiftung oder der Eduard-Söring-Preis in Höhe von 6.000 Euro, den die Deutsche Stiftung Musikleben auslobt.

Höchstleistungen trotz schulischer Belastung

Zu den Aufsehen erregenden Kategorien gehörte in diesem Jahr „Besondere Ensembles mit Werken der Klassik. Romantik und Klassischen Moderne“: Nicht nur erlebte die Kategorie eine besonders hohe Beteiligung, die Ensembles mit Besetzungen zwischen fünf und zwölf Musikern wagten sich an berühmte Werke der Kammermusik und präsentierten sie auf überragendem Niveau. Die Ensembleleistungen verdienen nicht zuletzt vor dem Hintergrund hoher schulischer Belastung Bewunderung, denn sie sind das Zeichen dafür, dass die jungen Leute dem Musizieren Priorität vor allen anderen Angeboten einräumen. Sie lassen gleichzeitig ahnen, welche Leistung zu erwarten wäre, wenn der Schulalltag mehr Freiräume zuließe.

Prof. Ulrich Rademacher, der Vorsitzende von „Jugend musiziert“, forderte in diesem Zusammenhang neben diesen Freiräumen für die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland und auch für die Deutschen Schulen im Ausland, Noten-, versetzungs- und Abiturrelevante Formen der Anerkennung für musikalische Leistungen.

Anerkennung außerschulischer Jugendbildung

So war es besonders erfreulich, dass das musikalische Engagement aller am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ beteiligten Musikerinnen und Musiker prominente Unterstützung aus der Bundes- und Landespolitik erhielt: Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey formulierte in ihrer Rede im 2. Preisträgerkonzert am 22. Mai in der Musik- und Kongresshalle Lübeck ein glühendes Bekenntnis zum Schulfach Musik in allen Schulformen. Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein schloss sich dieser Forderung an und sprach sich für mehr Freiräume und höhere Anerkennung von Leistungen im Kontext außerschulischer Jugendbildung aus.

Bedeutung des Musikunterrichts

Prof. Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, hatte in seiner Begrüßung auf die grundlegende Bedeutung des Musikunterrichts an Schulen hingewiesen und die Grundschulen hervorgehoben. Angesichts des vorgesehenen Staatsvertrags aller Länderhatte er an Bildungsministerin Prien appelliert, im Rahmen der Kultusministerkonferenz die Festschreibung von Musik als verpflichtenden Bestandteil des Fächerkanons zu sichern. An Bundesministerin Dr. Giffay hatte er den Appell gerichtet, über den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Nationalen Bildungsrat diese Forderung zu unterstützen.

Hintergrund

Aufmerksame Zuhörer in großer Zahl verzeichnete nicht nur jener Abend mit Bundesjugendministerin Giffey, sondern auch die beiden anderen Preisträgerkonzerte. Alle wurden sie von NDR Kultur, dem Medienpartner von „Jugend musiziert" 2018, aufgezeichnet und im Falle des 2. Preisträgerkonzerts live gesendet. Auch die Orgel-Soiree in der Kirche St. Marien zählte zu den Attraktionen des Bundeswettbewerbs: Die erhabene Atmosphäre der schönen Kirchenräume in Lübecks Innenstadt mit ihrem Angebot prachtvoller Orgeln, ermöglichte den jungen Organisten und dem zahlreich erschienenen Publikum ein unvergessliches Erlebnis.

Der Großteil der Förderung wurde von den beiden ständigen Förderern Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Sparkassen-Finanzgruppe aufgebracht. Ergänzt wurde diese Grundsicherung durch die Unterstützung aus dem gastgebenden Bundeslandes Schleswig-Holstein, der Hansestadt Lübeck und den beteiligten Lübecker Stiftungen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert darüber hinaus ganzjährig die Bundesgeschäftsstelle „Jugend musiziert“ zu 100%.

Quelle: Deutscher Musikrat e.V. vom 23.05.2018

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