Kinder- und Jugendarbeit / Junge Flüchtlinge

BKJ: Ohne politische und ökonomische Teilhabe keine "Kulturelle Integration"

Jugendliche tanzen draußen in einem Kreis
Bild: © Dekanat Saarbrücken

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) begrüßt das klare Bekenntnis der "Initiative Kulturelle Integration" zu einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft. "Kulturelle Integration" kann nach Ansicht des Dachverbands der Kulturellen Bildung jedoch nur gelingen, wenn Chancen gerechter verteilt und strukturelle Diskriminierungen abgebaut werden.

Am 16. Mai stellte die "Initiative Kulturelle Integration" in Berlin 15 Thesen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt  vor und präsentierte sie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Angesichts aktueller Debatten, die Diversität und Vielfalt ablehnen und die demokratische Gesellschaftsordnung in Frage stellen, begrüßen die Mitglieder der BKJ diese Initiative ausdrücklich. Ein breites Bündnis aus Politik und Zivilgesellschaft bekennt sich damit zu einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft und zu einem friedlichen und einigen Europa.

Gerechte Bildungschancen essentiell für kulturelle Integration

"Dies kann nur der Anfang sein. Dem Bekenntnis müssen Taten folgen. Wir können mit den Angeboten der Träger Kultureller Bildung Räume gesellschaftlicher Aushandlung schaffen", sagt der BKJ-Vorsitzende Prof. Dr. Gerd Taube. "Doch die Möglichkeiten, Gesellschaft mitzugestalten und sich gute Zukunftsperspektiven zu erarbeiten, sind ungleich verteilt. Ohne politische und ökonomische Teilhabe, ohne gerechte Bildungschancen ist kulturelle Integration nicht zu haben."

"Kulturelle Bildung ist ein Schlüsselfaktor der Integration", heißt es in dem Thesenpapier. Denn sie schaffe Zugang zu Gesellschaft und ermögliche kulturelle Teilhabe. Diese Überzeugung teilt die BKJ. Wenn Bildung die Fähigkeit des einzelnen Menschen ausmacht, sich in der Welt zurecht zu finden, sein Leben zu gestalten und soziales Leben mit anderen zu verantworten – also die Zukunftsfähigkeit nicht nur des eigenen Lebens, sondern der Gesellschaft zu sichern –, dann ist Kulturelle Bildung die Art und Weise, dies mittels ästhetisch-kultureller Praxis und medialer Ausdrucksformen zu tun. Das Erkennen und Lesen kultureller Codes ebenso wie der souveräne Umgang damit, zählen zu den Grundbedingungen gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe. Die BKJ stellt klar: Daher gehört Kulturelle Bildung nicht nur in die Schule, wie es die Thesen fordern, sondern insbesondere auch in die Jugendarbeit und in Kultureinrichtungen.

Kulturelle Teilhabe und gerechte Bildungschancen für alle jungen Menschen in Deutschland – das ist das zentrale Ziel, für das die Akteur*innen der Kulturellen Bildung in einem vielfältigen Netzwerk im ganzen Land stehen.

Die Initiative Kulturelle Integration betont zentrale Punkte eines gelingenden gesellschaftlichen Zusammenhalts: zivilgesellschaftliches Engagement und ein subsidiäres Staatsverständnis als Basis sowie die Erkenntnis, dass Integration alle Menschen in Deutschland betrifft. Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke. Die BKJ betont ausdrücklich: Kulturelle Vielfalt umfasst jedoch mehr als die Vielfalt von Herkünften. Die Idee der Diversität, die das Fundament zukunftsfähiger Gesellschaften bildet, zielt auf eine inklusive Gesellschaft, in der Verschiedenheit zum Normalfall wird.

Die wichtigste Botschaft der Initiative Kulturelle Integration ist deshalb, dass die zentralen Regeln und Werte unseres Zusammenlebens, die sich auch in kulturellen Ausdrucksformen äußern, nicht festgelegt und starr sind. Sie müssen in einem lebendigen Prozess immer wieder neu ausgehandelt werden. Orte und Prozesse Kultureller Bildung haben sowohl das Potenzial als auch die Verantwortung, Gelegenheiten dafür zu bieten.

Strukturelle Diskriminierungen in Kultur und Kultureller Bildung überwinden

Dieser Aushandlungsprozess droht aber allzu oft, ungerecht und diskriminierend zu verlaufen. Machtverhältnisse sind ungleich verteilt und begrenzen die kulturelle Teilhabe. Mit Kunst und Kultur werden auch gesellschaftliche Disktinktionslinien markiert. Deshalb fordert die BKJ, dass gerade in Kultur und Kultureller Bildung strukturelle Diskriminierungen benannt und Wege gefunden werden, diese zu überwinden. Denn das Recht auf Kulturelle Teilhabe, Bildung und Mitgestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens gilt für alle in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen – unabhängig von Herkunft, individuellen Voraussetzungen und Aufenthaltsstatus.

Deshalb brauchen Einrichtungen, Initiativen und Netzwerke der Kulturellen Bildung Unterstützung zur Entwicklung inklusiver Konzepte. Sie stoßen jedoch dort an ihre Grenzen, wo andere Politikbereiche, wie Wirtschaftspolitik, Innenpolitik oder auch Bildungspolitik nicht ihren Beitrag leistet strukturelle Ungleichheit abzubauen.

Forderungen an die Bundespolitik

Die BKJ fordert daher die Bundespolitik auf:

  • den Wert zivilgesellschaftlicher Strukturen für Demokratie und Zusammenhalt anzuerkennen und zu fördern,
  • Kultureinrichtungen und andere Akteure Kultureller Bildung bei der diversitätsbewussten und inklusiven Öffnung zu unterstützen,
  • inklusive kulturelle Bildungslandschaften durch Strukturen und Programme zu ermöglichen,
  • kulturelle Bildungsangebote und Vernetzung vor Ort weiterzuentwickeln,
  • Infrastrukturen der Kulturellen Bildung zu sichern und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten,
  • Kulturelle Bildung von Anfang an zu ermöglichen,
  • Freiwilliges Engagement, FSJ und Bundesfreiwilligendienst im Kulturbereich zu stärken
  • und die internationale und europäische Dimension der kulturellen Jugendbildung zu fördern.

Weiterführende Informationen

Die vollständigen Forderungen der BKJ an die Jugend-, Bildungs- und Kulturpolitik:  Diversität anerkennen, Inklusion umsetzen, Zusammenhalt stärken – KULTURELLE BILDUNG FÖRDERN! Forderungen der Fachorganisationen Kultureller Bildung zur Bundestagswahl 2017 (PDF, 77 KB)

15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt

Quelle: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) vom16.05.2017

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