Kinder- und Jugendarbeit / Gender

Berlin: Konzept für queeres Jugendzentrum

Zwei junge Frauen sitzen eng beieinander
Bild: © Felix Mizioznikov - Fotolia.com

Ein landesweites Jugendzentrum für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche (kurz: LSBTTIQ*-Jugendliche) soll in Berlin entstehen. Ein Schwerpunkt der Einrichtung für Jugendliche im Alter von 12 bis 27 Jahren ist die Beratung und Unterstützung bei Coming-out-Prozessen sowie die Einbindung von Jugendliche selbst für die Gestaltung von Angeboten.

Der Berliner Senat hat in seiner Sitzung am 6. Februar 2018 auf Vorlage der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, einen Bericht an das Abgeordnetenhaus über ein Konzept zur Entwicklung eines landesweiten Jugendzentrums für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche (kurz: LSBTTIQ*-Jugendliche) beschlossen. Für die Umsetzung des Konzeptes stehen im Doppelhaushalt 2018/2019 Mittel in Höhe von 175.000 € zur Verfügung. Über den Träger des Projekts soll nach einer Interessenbekundung entschieden werden.

Senatorin Scheeres: „Das berlinweite Jugendzentrum soll Jugendlichen, die sich außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm definieren, Schutz- und Freiräume bieten. Viele von ihnen erleben Diskriminierung und Ablehnung. Die Suizidalität ist laut Studien viermal so hoch wie bei anderen Jugendlichen. Vor allem die Phase des Coming-outs ist für viele sehr belastend. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass es Orte gibt, wo sie andere Jugendliche in ähnlichen Lebenssituationen treffen können, gemeinsam Projekte und Ideen entwickeln können und durch pädagogische Fachkräfte unterstützt werden.“

Lebenssituation von LSBTTIQ*-Jugendlichen

Das vorgelegte Konzept berücksichtigt aktuelle Studienergebnisse zur Lebenssituation von LSBTTIQ*-Jugendlichen. Für die Erstellung wurden unter anderem die Bundesländer sowie die bezirklichen Jugendämter und freien Träger aus dem „Netzwerk Queere Jugendhilfe“ befragt. Es fand außerdem ein Fachgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern aus der queeren Jugendhilfe, queeren Selbstorganisationen, der Jugendämter sowie des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts Berlin statt.

Konzept des queeren Jugendzentrums

Aus all dem ergeben sich für das geplante Jugendzentrum für LSBTTIQ*-Jugendliche folgende Ziele und Aufgabenstellungen:

  • Zielgruppe sind alle LSBTTIQ*-Jugendlichen im Alter von 12 bis 27 Jahren.
  • Der Einsatz gegen alle Formen von Diskriminierung ist ein Grundsatz der Arbeit des Zentrums. Die Lebensrealitäten von mehrfachdiskriminierten Jugendlichen werden einbezogen.
  • Zum Angebot gehören der offene Bereich und Gruppenangebote sowie Veranstaltungen und Projekte. Zielgruppenspezifische Angebote und Öffnungszeiten sind nach Bedarf entsprechend zu gestalten, so zum Beispiel für Trans*- und Inter*-Jugendliche, für schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche der verschiedenen Altersgruppen (für Jüngere/für Ältere), HIV-positive LSBTTIQ*-Jugendliche, LSBTTIQ*-Jugendliche of Color und Jugendliche aus Regenbogenfamilien.
  • Ein besonderer Schwerpunkt der Einrichtung ist die Beratung und Unterstützung bei Coming-out-Prozessen.
  • Jugendliche beteiligen sich aktiv an der Gestaltung von Angeboten.
  • Mit dem Peer-to-Peer-Ansatz (von Jugendlichen initiierte Aktivitäten für Jugendliche) übernehmen LSBTTIQ*-Jugendliche Verantwortung und Gruppenleitung, unterstützen andere LSBTTIQ*-Jugendliche, indem sie von ihren eigenen Erfahrungen berichten.
  • Die Ansprache von Eltern und Angehörigen über Öffentlichkeitsarbeit ist Teil des Angebotes. Deren Einbeziehung in allgemeine Beratungsangebote erfolgt insbesondere auf Wunsch der Jugendlichen. Für trans- und intergeschlechtliche Jugendliche und ihre Familien wird ein qualifiziertes, vertieftes Beratungsangebot vorgehalten.
  • Die Einrichtung betreibt Öffentlichkeitsarbeit, um möglichst alle LSBTTIQ*-Jugendlichen zu erreichen, und ist mit anderen Angeboten für queere Jugendarbeit vernetzt. Sie gibt Impulse für Weiterbildung und strukturelle Prozesse in Verwaltung und Politik.

Quelle: Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie vom 06.02.2018

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