Kinder- und Jugendarbeit / Sozialpolitik

Antisemitismus beim Namen nennen – Deutschland übernimmt Arbeitsdefinition

Synagoge Warschau Judenstern
Bild: © nyiragongo - fotolia.com

In Deutschland ist die international anerkannte Definition von Antisemitismus gültig. Das hat die Bundesregierung in ihrer Kabinettssitzung beschlossen. Die Arbeitsdefinition soll insbesondere im Bildungsbereich und bei der Strafverfolgung berücksichtigt werden.

Die Bundesregierung hat im Rahmen der Kabinettssitzung vom 20.09.2017 die von der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) verabschiedete Arbeitsdefinition von Antisemitismus zur Kenntnis genommen. Damit unterstreicht sie ihr Engagement bei der Bekämpfung von Antisemitismus auf nationaler und internationaler Ebene. Die Arbeitsdefinition soll insbesondere in der Schul- und Erwachsenenbildung sowie bei der Ausbildung in den Bereichen der Justiz und Exekutive berücksichtigt werden.

Grundlage für die Antisemitismus-Prävention

Hierzu erklärt Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley: „Antisemitismus muss beim Namen genannt werden. Das beste Mittel gegen Hass und Intoleranz bleibt Bildung und Mitmenschlichkeit. Ich freue mich, dass es mit der Arbeitsdefinition nun eine gemeinsame Grundlage in der Arbeit gegen Antisemitismus gibt. Das ist auch ein gutes Signal für die vielen Verbände, die sich im Bereich der Antisemitismus-Prävention engagieren. Es ist ein Fundament gelegt, das wir gemeinsam im Dialog fortentwickeln können. Nicht zuletzt verleiht dies dem Engagement der Bundesregierung in der Antisemitismusprävention zusätzlichen Nachdruck. Es ist eine wichtige Aufgabe in der kommenden Legislaturperiode, die Forderungen des Expertenkreises zum Thema Antisemitismus umzusetzen.“

Expert(inn)engespräch über den Beschluss

Unter Anwesenheit von Botschafter Dr. Felix Klein, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismusfragen, sowie führenden Vertreterinnen und Vertretern der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit berichtete Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley im Rahmen eines presseöffentlichen Expert(inn)engesprächs über den Beschluss der Bundesregierung.

Im Rahmen der Veranstaltung, die im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stattfand, übergaben der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Dr. Meron Mendel, und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Dr. Andreas Eberhardt, Bundesministerin Dr. Barley den Sammelband „Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft.“ Die Publikation versammelt Beiträge der Tagungsreihe „Blickwinkel. Antisemitismuskritisches Forum für Bildung und Wissenschaft", die seit dem Jahr 2017 auch durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird.

Hintergrund

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert im Rahmen des Bundesprogramms über „Demokratie leben!" 40 Maßnahmen und Projekte von Trägern im Feld der Antisemitismus-Prävention. Darüber hinaus befassen sich zahlreiche im Bundesprogramm geförderte Projekte mit Fragen und Ansätzen der Antisemitismus-Prävention aus einer phänomenübergreifenden Perspektive.

Weitere Informationen (in englisch) finden sich auf der Webseite der International Holocaust Remembrance Alliance. 

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 20.09.2017

Info-Pool