Kinder- und Jugendarbeit / Bildungspolitik

AGJ verabschiedet Positionspapier zu Formen der Anerkennung non-formalen Lernens

3 junge Erwachsene schauen lachend in die Kamera
Bild: © Matthias Enter- Fotolia.com

In aktuellen Fachdebatten zu non-formalem Lernen geht es insbesondere darum, wie Kompetenzen, die in non-formalen Lernsettings erworben werden, konkret sichtbar gemacht und anerkannt werden können. Mit diesem Positionspapier trägt die AGJ zu einer Differenzierung des Diskurses bei.

Im Sinne des Leitmotivs „Bildung ist mehr als Schule“  rückt das Thema des non-formalen Lernens immer weiter in den Fokus von Fachdebatten. Dabei geht es insbesondere darum, wie Kompetenzen, die in non-formalen Lernsettings erworben werden, konkret sichtbar gemacht und anerkannt werden können. Auf EU-Ebene wurde mit der Vorlage der Empfehlung des Rates der Europäischen Union zur Validierung non-formalen und informellen Lernens vom 20. Dezember 2012 eine langjährige Debatte zu einem vorläufigen Abschluss gebracht. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wurden darin angehalten, „im Einklang mit ihren nationalen Gegebenheiten und Besonderheiten“ Regelungen zur Validierung des non-formalen und informellen Lernens (NFIL) bis 2018 einzuführen. Bund und Länder haben den gemeinsamen Beschluss zur Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR) gefasst und bereits formale Qualifikationen des deutschen Bildungssystems in diesen eingeordnet. In einem nächsten Schritt sollen nun auch Lernergebnisse aus dem non-formalen Bereich in den DQR  einbezogen werden. Für die Akteure der deutschen Bildungslandschaft ist dies Teil eines langjährigen Paradigmenwechsels: weg von einer Input-Orientierung (Was wurde gelehrt?) hin zu einer Outcome-Orientierung (Was wurde gelernt?). Ausgangspunkt war der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), der Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen europaweit vergleichbar macht. Mit Hilfe des EQR sollen die erworbenen Kompetenzen, unabhängig von ihrem Lernarrangement, über acht unterschiedliche Referenzniveaus abgebildet werden. Denn die Wege, wie Kompetenzen erworben werden, sind europaweit sehr unterschiedlich: von überwiegend schulisch erworbenen Qualifikationen bis zu einer Anerkennungskultur eines sogenannten „Learning by doing“ (in non-formalen Kontexten).

Für die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland stellt diese Entwicklung eine ganz besondere Herausforderung dar. Spätestens seit dem „PISA-Schock“ im Jahr 2000 steht die Erwartung im Raum, die „andere Seite der Bildung“, für die auch die Kinder- und Jugendhilfe steht, sichtbar zu machen und ihre Wirkung anzuerkennen. Wenn es also im (fach-)politischen Diskurs um die Anerkennung non-formalen Lernens geht und damit auch diejenigen Lernsituationen gemeint sind, die sich in den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe wiederfinden, ist das zunächst einmal richtig und wichtig.

Der politische und fachpolitische Diskurs über die Anerkennung non-formalen Lernens beruht  jedoch häufig auf einer falschen Prämisse: während der formale Bildungsbereich über die allgemeinbildenden Schulen, die Berufsausbildung  und die Hochschulen definiert wird, wird die Kinder- und Jugendhilfe per se der non-formalen Bildung zugeordnet. Die Kinder- und Jugendhilfe umfasst jedoch ein differenziertes Feld von Maßnahmen, Einrichtungen und Programmen, das Bildung und Lernen in sehr unterschiedlichen Settings ermöglicht. Ebenfalls ist nicht alles, was in der Schule gelehrt bzw. gelernt wird, per se als formales Lernen zu verstehen. Denn auch in der Schule lernen junge Menschen selbstverständlich in non-formalen und informellen Lernsituationen.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ widerspricht deshalb der Auffassung, dass in der Kinder- und Jugendhilfe automatisch von Kompetenzerwerb unter non-formalen Bedingungen ausgegangen werden kann. Grundsätzlich sind alle Lernformen in allen Systemen, also sowohl dem formalen Bildungssystem, dem Weiterbildungssystem, der Kinder- und Jugendhilfe etc. möglich. Mit dem vorliegenden Positionspapier trägt die AGJ zu einer Differenzierung des Diskurses bei.

Das Positionspapier steht in voller Länge auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe unter "Material" zur Verfügung, kann aber auch über die Internetseiten der AGJ www.agj.de heruntergeladen werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ

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