Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

AGJ positioniert sich zur Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft halten einen Globus und lächeln dabei.
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Wodurch wird wirkungsvolle und spürbare Beteiligung für Kinder und Jugendliche ermöglicht? Welche verschiedenen Ebenen von Partizipation gibt es und wo liegen Spannungsfelder und Diskussionsfelder? Diesen Fragen widmet sich die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ in ihrem Positionspapier „Partizipation im Kontext von Kinder- und Jugendarbeit – Voraussetzungen, Ebenen, Spannungsfelder“, in dem es um die Umsetzung und Förderung von Beteiligung aus dem Blickwinkel der Kinder- und Jugendarbeit geht.

Das Recht auf Partizipation ist ein Menschenrecht. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben ein Recht auf Beteiligung und Mitgestaltung. Dies ist unter anderem in der UN-Kinderrechtskonvention, der EU-Grundrechtecharta, im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Baugesetz, im Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie in einzelnen Ländergesetzen verbindlich verbrieft. Die Gesetze stellen klar, dass Kinder und Jugendliche Expertinnen und Experten in eigener Sache sind und an allen sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen sind. Kinder und Jugendliche sind Subjekte, die ihre Rechte eigenständig ausüben können.

Das Recht auf Beteiligung ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass erwachsene Menschen in unserer Gesellschaft mehr Macht und Privilegien besitzen als junge Menschen. Erwachsene haben mehr Einfluss auf die Lebenswirklichkeit und die Möglichkeiten der Lebensgestaltung von Kindern und Jugendlichen als umgekehrt. Abgesehen vom formellen Recht der Beteiligung, welches Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben, ist es auch ihr Wunsch und Wille, in verschiedenen Kontexten beteiligt zu werden. Sie wollen ihre Umwelt und Lebensrealität mitgestalten und in gesellschaftlichen und politischen Prozessen mitentscheiden.  

Beteiligung aus dem Blickwinkel der Kinder- und Jugendarbeit

Der gesetzliche Auftrag der Partizipation gilt für die gesamte Kinder- und Jugendhilfe und wird insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit realisiert . In §11 SGB VIII heißt es: „Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zur gesellschaftlichen Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen“. Die Kinder- und Jugendarbeit ist dadurch in besonderer Weise kontinuierlich aufgefordert, Partizipation zu realisieren, Möglichkeiten der Entfaltung herzustellen und Freiräume zu schaffen. Dieser Partizipationsanspruch wird in der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit in unterschiedlichem Maße bzw. Umfang realisiert. Partizipation wird in diesem AGJ-Papier am Beispiel der Kinder- und Jugendarbeit diskutiert, ist jedoch in anderen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe von ebenso großer Bedeutung.

Kritische Revision eines Wohlfühlbegriffs

Beteiligung und Partizipation zählen nicht nur in der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch im politischen Diskurs zu den „sympathischen Begriffen“. Es ist die Rede von Teilhabe, im besten Falle gerechter Teilhabe, die hergestellt werden soll, und dem Ziel, Vertrauen in Demokratie (zurück) zugewinnen. Partizipation soll dazu beitragen, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen, das politische Interesse zu erhöhen und soll insbesondere junge Menschen ermutigen, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Es scheint fast, als sei „Partizipation“ eine Art Allzweckwaffe gegen jegliche Form von Ausschluss, Ungleichheit und damit einhergehender Unzufriedenheit, somit ein reichlich mit Hoffnung und Erwartung aufgeladener Begriff. Dabei ist der Weg nicht weit, Partizipation als „Geheimrezept“ für die Akzeptanz politischer Entscheidungen zu gebrauchen. Denn Personen, die an einem Entscheidungsprozess beteiligt waren, haben es später schwer, ihn infrage zu stellen. Doch wenn das Beteiligungsangebot als bloße Legitimationsmethode dienen soll, dann handelt es sich um „Scheinpartizipation“.

Partizipation ist mehr als nur ein methodischer Zugang

Partizipation ist das zentrale und leitende Prinzip der Kinder- und Jugendarbeit. Es ist daher notwendig, dass sich ihre Akteurinnen und Akteure selbstkritisch, mit ihren Strukturen und ihrer Praxis und die ihr zugrundeliegenden Ziele und Ansprüche, auseinandersetzen. Denn: Partizipation ist mehr als nur ein methodischer Zugang. Es ist daher auch notwendig, dass sich die Akteurinnen und Akteure der Kinder- und Jugendarbeit mit ihrem reflektierten Partizipationsverständnis und dem damit einhergehenden Anspruch politisch wirksam in gesellschaftliche Prozesse einbringen. Partizipation ist tatsächlich sowohl ein grundlegendes politisches Prinzip für eine demokratische Gesellschaft als auch ein pädagogisches Konzept. Partizipation als pädagogische Methode bewirkt nicht unmittelbar politische Mitgestaltung. Zugleich ist die Frage nach der Realisierung des Rechtes auf Partizipation eine zentrale gesellschaftspolitische Frage. Beteiligung muss jedoch erfahren und auch erlernt werden. Und hier kommt beides in eine Verbindung, denn hierfür braucht es Erfahrungsräume und Menschen mit entsprechenden Haltungen. Die Kinder- und Jugendarbeit ist ein solcher Raum.

Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit – ein Vorschlag zur Definition

Die häufige und selbstverständliche Verwendung des Begriffs Partizipation in Zusammenhang mit Kinder- und Jugendarbeit suggeriert, dass diese ihrem Wesen nach per se partizipativ ausgerichtet ist. Je nach Kontext und Akteur unterscheiden sich die Vorstellungen von und die Ansprüche an Partizipation jedoch erheblich: Der Begriffsgebrauch ist unscharf. Zudem lässt sich ein inflationärer Einsatz des Begriffs beobachten, wenn es darum geht, die Praxis zu begründen, etwa in der Formulierung von Förderanträgen etc. Es ist daher notwendig, die vielen Facetten des Begriffs näher zu betrachten.

Für die AGJ zielt Partizipation darauf ab, Entscheidungsräume für junge Menschen zu öffnen und transparente Strukturen zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten in sie betreffenden Themen ernst genommen werden und in denen ihnen Macht (ab)gegeben wird. Die Intensität der Beteiligung kann variieren und von Mitsprache und Mitwirkung bis zur Selbstbestimmung und Selbstorganisation reichen.

In der Kinder- und Jugendarbeit meint Partizipation somit zweierlei: zum einen Beteiligung im gemeinsamen Prozess als partizipativer Erfahrungs- und Erprobungsraum, zum anderen politische Partizipation, die ermöglicht bzw. unterstützt wird in und durch Kinder- und Jugendarbeit. Politische Partizipation zielt auf die Teilnahme an Entscheidungen oder die Einflussnahme auf Entscheidungen, die überindividuell sind – somit mehrere/alle betreffen. In der Praxis lässt sich häufig beobachten, dass beides miteinander verbunden ist.

„Partizipation“ bezeichnet einen Prozess, bei dem sich ein Subjekt in soziale, kulturelle, ökonomische und politische Gestaltungsprozesse aktiv einmischt. Sie hat zur Voraussetzung, dass junge Menschen Verantwortung und Entscheidungsspielräume übergeben bekommen. Sie müssen ihre eigenen Themen setzen können, und das, worum es geht, muss für sie Relevanz besitzen. So macht es einen Unterschied, ob Kinder und Jugendliche im Alltag der Kinder- und Jugendarbeit an Teilfragen bzw. im abgesteckten Rahmen mitbestimmen dürfen oder selbstverantwortlich größere Veränderungen in Einrichtungen bestimmen und zu verantworten haben.

Gelingende Partizipation hat im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit angesichts der Subjektorientierung und der Ausrichtung auf Persönlichkeitsentwicklung eine hohe Bedeutung als zentrale Rahmenvoraussetzung für Identitätsentwicklung und gesellschaftliche Positionierung. Hier leistet die Praxis der Kinder- und Jugendarbeit einen wesentlichen Beitrag. Denn: Partizipation ist eine zentrale Voraussetzung für die gelingende Identitätsentwicklung junger Menschen in einer spätmodernen Gesellschaft. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Bezugspunkte für die individuelle Lebensführung weniger dauerhaft und instabiler werden. Identitätsentwicklung kann heute nicht als Übernahme von traditionellen kulturellen Entwurfsschablonen gelingen, sondern erfordert einen aktiven Prozess identitätsstiftender Passungsarbeit. Diese Passungsarbeit wird durch Partizipation und die dadurch stattfindende soziale Integration befördert.

Die AGJ stellt daher fest: Partizipation ist kein zeitlich begrenztes Projekt, sondern ein dauerhafter Anspruch, im Sinne eines Grundverständnisses und Prinzips, auf das Kinder und Jugendliche verlässlich vertrauen können müssen.

Partizipationsförderliche Strukturen schaffen

Partizipation als Handlungsprinzip schließt Transparenz und Offenheit ein. Diese muss auch für Institutionen und somit die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit gelten. Es geht darum, Institutionen zu gestalten, die Kindern und Jugendlichen aktive Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Auch hier braucht es eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Strukturen. Es gilt, das „Prinzip Partizipation“ und seine Realisierung kontinuierlich kritisch zu betrachten und zu überprüfen.

Es muss eine in den Alltag einer Institution verankerte Beteiligungskultur geben, die verschiedene Optionen eröffnet und Platz für Konsensfindung und Konfliktbearbeitung schafft. Ideal ist ein gemeinsamer Herstellungsprozess des institutionellen Gefüges, also der Zielfindung und der regelmäßigen Überprüfung der Ziele, der gemeinsamen Regeln für Interaktionen und Grenzüberschreitungen. Letztlich muss immer auch die Möglichkeit von Machtmissbrauch und Grenzverletzungen mitgedacht werden, auf die mit klar geregelten Beschwerdemöglichkeiten bzw. Präventionsstrukturen reagiert werden muss. So sollte es fest verankerte Verfahren zur Beschwerde geben, die auch in Situationen von (scheinbarer) Partizipation aller Kinder und Jugendlichen den Beteiligten die Möglichkeit eröffnen, Anliegen anzubringen und Beschwerden zu formulieren.

Fragen, die sich Verantwortliche im Vorfeld stellen müssen, sind: Besteht die Bereitschaft, Zeit und Mittel zu investieren? Eignet sich die gegenwärtige Förderpraxis für partizipative Projekte (gesetzte Themen, Output- und Ergebnisorientierung vs. Ergebnisoffenheit)? In welchem Maße besteht die Bereitschaft, auch unvorhergesehene Ergebnisse zu akzeptieren?

Die AGJ stellt fest: Beteiligungsprozesse erfordern Engagement, Zeit sowie personelle und finanzielle Ressourcen. Sie brauchen zudem Durchhaltevermögen und Risikobereitschaft der beteiligten Akteure und Akteurinnen. Wichtig in Beteiligungsprozessen ist Ergebnisoffenheit: Das Konzept und die Ziele müssen Raum für ausreichend Offenheit im Beteiligungsprozess lassen, auch im Hinblick auf die Ergebnisse.

Das Positionspapier gliedert sich im Weiteren in folgende Punkte:

  • Qualitätskriterien: Freiwilligkeit, Ernsthaftigkeit und Wirksamkeit
  • Rolle und Haltung der Fachkräfte
  • (Wie) Lässt sich Partizipation lernen?
  • Ebenen der Partizipation

Partizipation findet innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit auf verschiedenen Ebenen statt, die sich nach Abstraktions- und Organisationsgrad unterscheiden. Viele Kinder und Jugendliche sind im Laufe ihrer Zeit in der Kinder- und Jugendarbeit auf verschiedenen Ebenen beteiligt, oftmals gehen Partizipationserfahrungen auf einer konkreten Ebene der Partizipation auf einer abstrakteren Ebene voraus.

Aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive ist es erstrebenswert, dass Kinder und Jugendliche wirkungsvoll an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden, ihre Interessen gehört und politische Entscheidungen unter Berücksichtigung derselben getroffen werden. Daraus ist aber nicht abzuleiten, dass für die Einzelne oder den Einzelnen das Ziel der Partizipation unbedingt auf politischer Ebene anzustreben ist, sondern sich sehr vielfältig zeigen kann. Ein Partizipationszwang besteht nicht. Kinder und Jugendliche ernst nehmen, heißt immer auch, ihnen das Recht zur Verweigerung von Partizipation einzuräumen – mag dies für Erwachsene, die sich auf den Weg gemacht haben, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, auch im Einzelfall frustrierend sein.

Im AGJ-Papier werden die Ebenen näher erläutert, auf denen Partizipation im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit möglich ist, die an dieser Stelle nur gelistet folgende sind:

  • Als Teilnehmerin und Teilnehmer in Projekten/Angeboten/Veranstaltungen der Kinder- und Jugendarbeit
  • Als Mitglied und/oder ehrenamtliche Person innerhalb von Angebotsstrukturen
  • Als Interessensvertreterinnen und -vertreter über die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit hinaus
  • Als Funktionsträgerinnen und -träger innerhalb der staatlichen Strukturen und des politischen Systems

Spannungsfelder und offene Fragen

Das Positionspapier beleuchtet zudem die Spannungsfelder der Partizipation und offene Fragen, die hier genannt, jedoch bis auf das Kapitel zur Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen (Wer spricht für Jugend?)nicht weiter ausgeführt werden:

  • Wie zugänglich sind Partizipationsmöglichkeiten/-angebote?
  • Wer setzt Themen?
  • Wann ist der passende Zeitpunkt für Partizipation?
  • Ungleiche Machtverhältnisse und Voraussetzungen wirken subtil und stark
  • Wer spricht für Jugend?
    In der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen ist man immer wieder damit konfrontiert, dass das politische Gegenüber mit „echten“ Kindern und Jugendlichen sprechen will und nicht mit Vorständen oder hauptberuflichen Vertreterinnen bzw. Vertretern. Die durch Wahlen hergestellte politische Legitimation dieser Interessenvertreterinnen und Interessensvertreter muss auch von Politik anerkannt werden. Der gesetzliche Auftrag der Jugendverbände zur Interessenvertretung (in § 12 Abs. 2 Satz 3 SGB VIII) ist durch Politik zu berücksichtigen.
    Letztlich muss man festhalten, dass es drei Formen von Interessensvertretungen gibt, die alle ihre Legitimation haben: Zunächst gibt es gewählte Interessensvertretung, wie z.B. der Vorstand in Jugendverbänden. Sie vertreten die im Verband organisierten Jugendlichen und haben auch den Anspruch, die nicht organisierten (mit) zu vertreten. Eine weitere Interessensvertretung sind die Träger der Kinder- und Jugendhilfe, die in ihrem Handeln für Kinder und Jugendliche wirken und deren Interessen vertreten. Und natürlich sind es auch Jugendliche auf individueller Ebene, die ihre eigenen Interessen oder die ihrer Peers etc. vertreten und sich dafür einsetzen. Alle drei Formen haben ihre Berechtigung, allerdings müssen gerade bei der letzten Form Qualitätskriterien für Partizipation festgelegt werden und Jugendliche müssen die Chance haben, informiert und erfahren in Gespräche und Prozesse zu gehen und nicht bloßgestellt zu werden. Es muss sich somit die Frage gestellt werden, mit welcher Begleitung und Zuarbeit Kinder und Jugendliche in die Lage versetzt werden können, sich als gute und effektive Interessenvertreterinnen bzw. -vertreter für ihre Altersgruppe zu engagieren.
    Auf unterschiedlichen Ebenen ist zu beobachten, dass staatliche Stellen selbst über Beiräte, Jugendinitiativen und Ähnliches (oftmals mithilfe privatwirtschaftlich organisierter Agenturen) beginnen, Beteiligungsprozesse zu organisieren. Abgesehen davon, dass dabei das Subsidiaritäts-Prinzip missachtet wird, ist kritisch zu fragen: Unter welchen Bedingungen kann man dabei von gelungener Jugendbeteiligung reden, unter welchen Bedingungen sind solche Initiativen als Augenwischerei und Pseudo-Partizipation zu bewerten? Im Sinne einer starken Partizipationskultur wäre es erstrebenswert, die Rolle von Jugendringen, Jugendverbänden, Jugendhäusern, Jugendtreffs, Jugendgemeinderäten etc. für eine demokratische Kultur und gelingende Partizipation auf allen Ebenen klar zu konturieren und im politischen Alltag selbstverständlich zu verankern. Auf diese Weise hätten Kinder und Jugendliche klare Möglichkeiten, ihre Anliegen zu selbstgewählten Zeitpunkten und Themen zu artikulieren – nicht nur dann, wenn Politikerinnen und Politiker es für angemessen halten und entsprechende Partizipationsangebote machen.
  • Wer gibt Macht ab?
  • Barrieren der Partizipation
  • Wie gelingt Transmission in politische Entscheidungen?

Das vollständige und die Spannungsfelder und Fragen ausführlich beschreibende Positionspapier „Partizipation im Kontext von Kinder- und Jugendarbeit – Voraussetzungen, Ebenen, Spannungsfelder“ (PDF, 216 KB) steht zum Download auf den Seiten der AGJ zur Verfügung.

Schlaglichter für gelingende Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit

Zum Abschluss gibt die AGJ in ihrem Papier einige Schlaglichter für gelingende Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit mit auf den Weg geben:

  • Partizipation ist ein Recht. Dieses steht Kindern und Jugendlichen zu und muss nicht erst von ihnen eingefordert werden.
  • Partizipation muss ernsthaft gemeint und gewollt sein. Partizipation zum Schein wird schnell entlarvt und ist gegenüber Kindern und Jugendlichen unfair und zudem demotivierend für deren weiteres Engagement.
  • Partizipation ist kein Projekt, sondern ein dauerhafter Anspruch. Für die Kinder- und Jugendarbeit ist es das zentrale und leitende Prinzip.
  • Der Gedanke/das Recht, dass Kinder und Jugendliche sich bei allen Themen, die sie betreffen, einbringen können, sollte handlungsleitend in der Praxis sein und sich in der Haltung der Fachkräfte widerspiegeln.
  • Kinder und Jugendliche müssen Klarheit über die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Einflussnahme erhalten und somit ein klares Rollenverständnis entwickeln können.
  • Die Kinder- und Jugendarbeit muss kritisch hinterfragen, welche Hürden der Teilnahme für bestimmte Personen und einzelne Zielgruppen bestehen. Die unterschiedlichen Lebenslagen von jungen Menschen müssen berücksichtigt und die Hürden abgebaut bzw. bedarfsgerechte Zugänge ermöglicht werden.
  • Kreative Wege müssen beschritten werden, um alle Jugendlichen und ihre Themen zu berücksichtigen und einzubinden. Es braucht daher eine Vielfalt (in Themen, Formen und Methoden) der Partizipationsmöglichkeiten.
  • Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht von der Kinder- und Jugendarbeit allein umgesetzt werden.
  • Partizipation steht immer im Verhältnis zu Macht und Machtabgabe, deshalb müssen die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit sich dahingehend stetig überprüfen.
  • Formen der Partizipation müssen Qualitätskriterien aufweisen und erfordern eine positive Grundhaltung von den beteiligten Fachkräften und beteiligten Akteuren und Akteurinnen.
  • Partizipation erfordert Zeit, Ressourcen, Engagement und eine auskömmliche Finanzierung der Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit. Diese Erfordernisse müssen von den Verantwortlichen auf allen politischen Ebenen gesehen und verbessert werden.
  • Junge Menschen wollen bei ihren Beteiligungsbestrebungen unterstützt werden. Das Erreichen einer starken Partizipationskultur kann nur gelingen, wenn Kinder- und Jugendarbeit als Motor von Partizipation gestärkt wird.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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