Kinder- und Jugendarbeit / Europa

75 Jahre nach der Deportation: Erster Jugendaustausch Bremen – Murat

Sieben Papierfiguren in unterschiedlichen Farben stehen in einem Kreis und halten sich an der Hand.
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Die Bremische Bürgerschaft und der Bremer Senat haben einen Jugendaustausch mit Murat (Frankreich) gestartet. Hierfür haben sich Schülerinnen und Schüler aus Murat und Bremen auf die Spuren ihrer Großeltern begeben. Das Ziel: Eine neue Generation soll durch Austausch und Völkerverständigung zueinanderfinden.

Die Männer aus Murat wurden 1944 als Zwangsarbeiter zum Denkort Bunker Valentin deportiert. Zwei Drittel haben das nicht überlebt. Die Schülerinnen und Schüler im Jugendaustausch haben sich gemeinsam auf die Spuren ihrer Großeltern begeben. „Wir stellen die Verbindung zwischen unseren beiden Städten damit auf eine neue Grundlage“, hofft Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff.

„Das ist ganz schön krass.“

Sechs Jugendliche waren jetzt zum ersten Mal in Bremen. Sie wurden bei Familien von Schüler*innen des Schulzentrums Lerchenstraße aufgenommen und hatten volle Programmtage: Gedenken zur Reichspogromnacht, Besuch im KZ Neuengamme, am Bunker Valentin, dem Ort an dem die Großväter und Urgroßväter ihrer Heimatstadt ums Leben kamen. Erste Eindrücke: „Das ist bedrückend, aber auch spannend“, „Geschichte wird viel interessanter, wenn wir sehen, wofür wir sie brauchen.“ Und: „Das ist ganz schön krass. Ich bin froh in einer Zeit zu leben, in der wir nicht von solchen Zuständen bedroht sind.“

Geschichte und Erinnerung bewahren

Bis 1944 hatten Bremen und das kleine Städtchen Murat (Auvergne) mit knapp 2.000 Einwohnern im Grunde nichts miteinander zu tun. Dann wurden als Strafaktion der Nationalsozialisten fast alle Männer der Stadt nach Bremen deportiert. Sie wurden als Zwangsarbeiter im Bunker Valentin eingesetzt – die meisten von ihnen haben die grausamen Bedingungen nicht überlebt. Murat wurde zu einem „Dorf der schwarzen Witwen“.

Heute erinnern sich nicht mehr viele in Murat an diese Geschichte: „Jedes Jahr wird die Anzahl der Personen der zweiten Generation kleiner. Die dritte Generation sind längst Senioren. Viele (alte) Familien leben nicht mehr in Murat. Und die Neuankömmlinge kennen die Geschichte gar nicht“, sagte Marc Hivernat (Präsident des Verbandes der Deportierten) zu Gedenkveranstaltung. Es sei deshalb Aufgabe der lokalen Behörden, dieses historische und kulturelle Erbe der Stadt ins Gedächtnis zu rufen.

Zum Hintergrund

Zur Gedenkveranstaltung 75 Jahre nach der Deportation haben die frühere Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer sowie die frühere Bürgermeisterin Karoline Linnert den Jugendaustausch initiiert. Die Kosten teilen sich Bürgerschaft und Senat.

Quelle: Bremische Bürgerschaft vom 13.11.2019

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