Hilfen zur Erziehung / Bildungsforschung

SOS-Kinderdorf: Bildung im Blick

Zwei junge Frauen sitzen an einem Holztisch und schreiben etwas auf
Bild: Alexis Brown - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Bildung dient in unserer Gesellschaft als Zugang zu beruflichen Perspektiven, finanzieller Unabhängigkeit und somit zu einem hohen Lebensstandard. Dabei ist insbesondere formaler Bildungserfolg die entscheidende Weiche auf dem Weg zu einer sicheren Erwerbstätigkeit und zu gesellschaftlicher Teilhabe. Erhebungen des SOS-Kinderdorf e.V. zeigen, dass Kinder und Jugendliche, die in der Heimerziehung aufwachsen, geringere Bildungschancen haben und insgesamt niedrigere Bildungsabschlüsse erreichen als Peers. Die Jugendhilfe steht in der Verantwortung, Bildungschancen für junge Menschen zu erschließen. Dies gilt für die Unterstützung an der Schnittstelle zwischen Heimerziehung und Schule ebenso wie für die Zugänge zu außerschulischen Bildungsorten.

„Wer über vielfältige Möglichkeiten zum Lernen im sozialen Kontext verfügt und wem individuelle Bildungszugänge offen stehen, der hat gute Entwicklungschancen. Wir fördern und stärken junge Menschen in allen Aspekten ihrer Persönlichkeit. Ganzheitliche Bildungsprozesse verstehen wir als günstige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.“ (Statement des SOS-Kinderdorf e.V.)

Bildung: eine zentrale Ressource für berufliche und finanzielle Eigenständigkeit

Bildung dient in unserer Gesellschaft als Zugang zu beruflichen Perspektiven, finanzieller Unabhängigkeit und somit zu einem hohen Lebensstandard. Sie eröffnet Spielräume für die Lebensgestaltung nach den eigenen Vorstellungen. Genau wie soziale Beziehungen, Partnerschaft und Familie nennen die meisten jungen Menschen auch das Erreichen beruflicher Sicherheit und Eigenständigkeit als wichtiges Ziel in ihrem Leben.

Neben der formalen Bildung – also dem strukturierten Lernen in Bildungsinstitutionen – spielen auch Bildungsprozesse im außerschulischen Kontext sowie kontinuierliches Erfahrungslernen im Alltag eine zentrale Rolle. Diese Lernorte und Erfahrungsräume haben Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen und auf ihre Fähigkeit zu einer selbstbestimmten, eigenständigen Lebensgestaltung. Nach wie vor ist in Deutschland formaler Bildungserfolg aber die entscheidende Weiche auf dem Weg zu einer sicheren Erwerbstätigkeit und zu gesellschaftlicher Teilhabe.

Bildungsbenachteiligung

Wissenschaftliche Studien beim SOS-Kinderdorf e.V. zeigen, dass Kinder und Jugendliche, die in einer Einrichtung der Heimerziehung aufwachsen, weniger gute Bildungschancen haben und insgesamt niedrigere Bildungsabschlüsse erreichen als Gleichaltrige aus der Gesamtbevölkerung. Häufig stammen sie aus sozioökonomisch prekären Familienverhältnissen mit einem eher bildungsfernen Hintergrund. Auf ihrem Bildungsweg stehen diese jungen Menschen vor dem Dilemma, dass sie meist mit weniger Ressourcen  ausgestattet sind und zugleich biografische Belastungen zu bewältigen haben. Entsprechend schwierig ist es für viele von ihnen, die Bildungsziele in der durch das Bildungssystem vorgegebenen Zeit zu erreichen. 

Bildungschancen erschließen 

Die Jugendhilfe steht in der Verantwortung, Bildungschancen für junge Menschen zu erschließen. Dies gilt für die Vermittlung und Unterstützung an der Schnittstelle zwischen Heimerziehung und Schule ebenso wie für die Zugänge zu außerschulischen Bildungsorten und -gelegenheiten, etwa im musischen und kreativen Bereich oder in Vereinen. Junge Menschen brauchen Erfahrungsräume für ihre individuelle und soziale Entwicklung, für Reflexion und Selbstvergewisserung.

Bei der Begleitung von Bildungsprozessen spielt auch die Beziehungsqualität eine zentrale Rolle: Kinder und Jugendliche können mit höherer Wahrscheinlichkeit Bildungschancen für sich nutzen, wenn sie von einer ihnen wichtigen Bezugsperson kontinuierlich motiviert und unterstützt werden. Oft sind es Schlüsselpersonen im schulischen oder außerschulischen Bereich, etwa Lehrkräfte oder Betreuer, die sich mit den jungen Menschen auseinandersetzen, die sie anregen und fördern, ihre Bildungserfolge anerkennen und auch bei Rückschlägen für sie da sind.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Einstieg in Ausbildung und Beruf. Hier sollte die Kinder- und Jugendhilfe die Betreuten gezielt dabei unterstützen, den für sie bestmöglichen Weg zu finden und auch tatsächlich einzuschlagen. Dies kann gelingen, wenn in der Erziehungs- und Hilfeplanung wie auch im pädagogischen Alltag der Fokus auf den individuellen bildungsbezogenen Zielen der jungen Menschen liegt, wenn eine Kultur des Bildungsaufstiegs besteht und die Heranwachsenden bei der Entwicklung einer positiven Bildungseinstellung gefördert werden.

Weiterführende Lektüre

Auf den Seiten des SOS-Kinderdorf e.V. steht zum Fachthema Bildung der ausführliche Artikel "Bildungswege junger Menschen verstehen und begleiten - Erkenntnisse aus der Forschung bei SOS-Kinderdorf" zur Verfügung.

Quelle: SOS-Kinderdorf e.V.

 

 

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