Hilfen zur Erziehung / Qualifizierung

Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen

Junge Frau hält ihre Haare aus dem Gesicht
Bild: © SOS-Kinderdorf e.V.

Junge Menschen, die in Angebote der Kinder-, Jugend- und Berufshilfe kommen, sind häufig psychisch belastet. Aufgrund ihrer Erfahrungen haben sie Verhaltensweisen entwickelt, die zunächst schwer verständlich erscheinen und die Pädagoginnen und Pädagogen bisweilen auch an ihre Grenzen bringen. Mit dem Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen will der SOS-Kinderdorfverein seine Fachkräfte stärken und ihnen mehr Handlungssicherheit vermitteln.

Junge Menschen, die in Angebote der Kinder-, Jugend- und Berufshilfe kommen, sind häufig psychisch belastet. Laut der Ulmer Heimkinderstudie sind 70 Prozent der fremduntergebrachten Kinder und Jugendlichen traumatisiert und 80 Prozent bringen psychische Erkrankungen mit. Aufgrund ihrer Erfahrungen – etwa von Gewalt, Vernachlässigung oder psychischen Erkrankungen in ihrer Herkunftsfamilie – haben viele der Mädchen und Jungen Verhaltensweisen entwickelt, die zunächst schwer verständlich erscheinen. Nicht selten bringt das auffällige Verhalten der jungen Menschen die  Pädagoginnen und Pädagogen daher auch an ihre Grenzen. Mit dem Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen will der SOS-Kinderdorfverein seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese herausfordernde Aufgabe stärken und sie auf dem Weg zu mehr Handlungssicherheit begleiten. Der neue Themenschwerpunkt im SOS-Fachportal nimmt in den Blick, wie die Impulse und Methoden aus dem Qualifizierungsprogramm in die SOS-Praxis hineinwirken.

Handlungssicherheit für die pädagogische Praxis

Ziel des Programms ist es, psychisch belastete Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e.V. besser zu verstehen, sich den Beweggründen für ihr Verhalten zu nähern, sie zu stabilisieren und zur Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien zu befähigen. Dafür braucht es Pädagoginnen und Pädagogen, die ihnen mit einer verstehenden Haltung, Souveränität und Handlungssicherheit begegnen. Zur Stärkung dieser Kompetenzen bietet das Qualifizierungsprogramm Gelegenheiten, sich mit Fragen wie den folgenden auseinanderzusetzen: Warum verhält sich dieses Kind so und weshalb löst es bei mir so viel aus? Was macht mich so wütend, hilflos und ohnmächtig in der Gegenwart dieses jungen Menschen und wie kann ich besser mit diesen Gefühlen umgehen? Wie das Programm aufgebaut ist, auf welchen fachlichen Konzepten und Modellen es basiert und wie der Transfer in die Einrichtungen gelingt, vermitteln Andrea Kärcher und Wolfram Schneider-Arnoldi aus der Perspektive der Personalentwicklung bzw. der Angebots- und Qualitätsentwicklung. Auch die beteiligten Fach- und Führungskräfte kommen im aktuellen Themenschwerpunkt zu Wort: Aus verschiedenen Blickwinkeln – von der Teamleitung in einer Kinderdorffamilie bis zu multiprofessionellen Teams in berufsbildenden Einrichtungen – schildern sie, wie sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen in der Praxis zu einem gemeinsamen Verständnis und zu neuen Handlungsoptionen gelangen. Darüber hinaus reflektieren sie den Stellenwert gelingender Begegnungen und Kooperationen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Was wir gemeinsam tun können, um belastete Kinder und Jugendliche zu stärken

Wie sich eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe konkret gestalten lässt und welche systembedingten Grundhaltungen dafür zu überwinden sind, beschreibt auch Dr. Matthias Luther. Er ist Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel (UPK) und hat das SOS-Qualifizierungsprogramm fachlich begleitet und geprägt. Im Gespräch erläutert er, welche Herausforderungen psychiatrische Erkrankungen mit sich bringen und inwiefern traumapädagogisches Wissen wie auch strukturierte Fallberatungen die Sicherheit und das Selbstwirksamkeitserleben der Pädagoginnen und Pädagogen erhöhen.

Tragfähige pädagogische Beziehungen ermöglichen

Nicht zuletzt unterstützt das Programm das gemeinsame Ziel, Drehtüreffekte zwischen der Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu reduzieren und Beziehungsabbrüche zu vermeiden. So können die jungen Menschen die nötige Sicherheit erlangen, um verlässliche, tragfähige Beziehungen einzugehen.

Mehr über das SOS-Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen

Quelle: SOS-Kinderdorf e.V.

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