Hilfen zur Erziehung / Kinderrechte

Junge Menschen aus Erziehungshilfe-Einrichtungen fordern mehr Vernetzung und Austausch über ihre Rechte

Jugendliche aus Erziehungshilfe-Einrichtungen sitzen auf Stuhlreihen und diskutieren im Plenum
Bild: © Dietrich Hackenberg/LVR Diskutierten über Mitwirkung und Beteiligung: Jugendliche aus Erziehungshilfe-Einrichtungen

In NRW leben etwa 35.000 Kinder und Jugendliche in rund 830 Einrichtungen der stationären Erziehungshilfe. Gut 90 dieser jungen Menschen haben sich in Duisburg gemeinsam mit Fachkräften aus ihren Einrichtungen und weiteren Fachleuten zu den Themen Kinderrechte und Beteiligung ausgetauscht.

In Workshops formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Wünsche nach mehr Partizipation. So forderten sie unter anderem freien WLAN-Zugang und mehr Mitbestimmung bei der Essenswahl in ihren Einrichtungen. Außerdem wünschen sich die Kinder und Jugendlichen mehr Privatsphäre und einen respektvollen Umgang. Die sogenannte 75 Prozent-Regelung, nach der der Jugendämter große Teile ihrer Ausbildungsvergütung einbehalten dürfen, kritisierten sie und forderten die Abschaffung.

Dreijähriges Projekt „Gehört werden!“ will landesweite Beteiligungsstrukturen in der Jugendhilfe etablieren

Bereits im Sommer 2015 hatten sich Bewohnerinnen und Bewohner aus der stationären Jugendhilfe für die Entwicklung landesweiter Beteiligungsstrukturen in NRW ausgesprochen. Die Umsetzung dieser Forderung ist das Ziel des dreijährigen Projekts „Gehört werden!“. Es wird von den beiden Landesjugendämtern der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) organisiert und durch das das NRW-Jugendministerium gefördert.

Kinder und Jugendliche sollen bei der Gestaltung dieser neuen Beteiligungsform mit ihren Wünschen und Interessen von Anfang an ernst genommen und einbezogen werden. Im Rahmen des Projekts werden sie bei der Entwicklung eigener Ideen und bei deren Umsetzung von zwei Mitarbeiterinnen der beiden Landesjugendämter unterstützt und begleitet.

Landesheimräte aus Bayern und Hessen stellen ihre Arbeit vor

Die zweitägige Veranstaltung in Duisburg stellte den Auftakt für das Vorhaben dar. Neben dem Austausch über ihre Rechte und Beteiligungsmöglichkeiten haben die Kinder und Jugendlichen konkrete Ideen für eine eigene Interessenvertretung in NRW gesammelt. Diese werden nun im Rahmen einer Arbeitsgruppe weiterentwickelt, konkretisiert und in ein Konzept gefasst. Wie die praktische Umsetzung gelingen kann, zeigten die Landesheimräte aus Bayern und Hessen. Junge Menschen aus den Gremien waren nach Duisburg gekommen, um ihre Arbeit vorzustellen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung machten deutlich, dass die Vernetzung und der Austausch über die Einrichtungen hinaus ein wichtiger Bestandteil des Projekts sein müssen. Tenor der Veranstaltung war, dass es zu wenig Vernetzung mit anderen Gruppen gibt und dass der Austausch untereinander wichtig ist.

Einigkeit bestand unter den Kindern und Jugendlichen darüber, dass die Veranstaltung wieder stattfinden und beim nächsten Mal länger dauern soll. Diesem Wunsch wird entsprochen. Bei jährlichen Fachtagen werden sich Jugendliche und Fachkräfte auch künftig austauschen. Wie es darüber hinaus konkret weitergeht, für welche Themen sie sich in welcher Form einsetzen möchten, werden die jungen Menschen im Rahmen des Projekts „Gehört werden!“ entscheiden.

Der Einladung der Landesjugendämter nach Duisburg waren rund 90 Jugendliche aus 46 Einrichtungen gefolgt. Mit dabei waren junge Menschen aus Bielefeld, Bonn, Bottrop, Brüggen, Dörentrup, Duisburg, Düsseldorf, Enneppetal, Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Hamminkeln, Herne, Herten, Iserlohn-Hagen, Köln, Königswinter, Krefeld, Leverkusen, Neunkirchen-Vluyn, Olsberg, Overath, Paderborn, Porta Westfalica, Reichshof, Siegburg, Siegen, Straelen, Tecklenburg, Viersen, Werl und Wülfrath.

Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 13.03.2018

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