Hilfen zur Erziehung / Sozialforschung

Jugendhilfe greift bei jedem zweiten Straßenjugendlichen nicht – Praxis-Forschungsprojekt soll helfen

Eine Jugendliche im Kapuzenpullover sitzt allein auf dem Boden und schaut ernst
Bild: © Mr Korn Flakes - fotolia.com

Die Zahl junger Menschen, die weder sozial noch beruflich intergiert sind, ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Aktuelle Studienergebnisse belegen, dass in Deutschland etwa 37.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren als Straßenjugendliche und meist ohne festen Wohnsitz leben. Obwohl die Zahl der in Anspruch genommenen Erziehungshilfen einen Höchststand erreicht hat und fast zwei Drittel dieser Jugendlichen mit der Jugendhilfe in Kontakt stehen, greifen die Hilfemaßnahmen langfristig nur bei jedem zweiten Betroffenen.

Genau hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 500.000 Euro geförderte Praxis-Forschungsprojekt „Gesundheits- und Lebensorientierung für Jugendliche aus der Jugendhilfe" des Instituts für Forschung und Weiterbildung (IFW) der Hochschule Koblenz an. Ziel des Projektes ist es, künftig weniger junge Menschen aus der stationären Jugendhilfe in prekäre Lebenssituationen zu entlassen.

Verbesserung der sozialen Lebens- und Gesundheitssituation

„Es gilt, die Übergänge aus der Jugendhilfe in die Eigenständigkeit fachlich neu zu gestalten“, betont der Projektleiter und Professor am Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz, Prof. Dr. Robert Frietsch. Das Praxis-Forschungsprojekt ziele auf die Verbesserung der sozialen Lebens- und Gesundheitssituation der jungen Menschen aus der Jugendhilfe ab: „Ganz konkret möchten wir Methoden entwickeln und Fachkräfte in der stationären Jugendhilfe qualifizieren, um Probleme und Verhaltensauffälligkeiten von Jugendlichen schon weit im Vorfeld der Entlassung erkennen und darauf fachlich angemessen reagieren zu können.“ Hierbei sei auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Hilfeeinrichtungen wie Sucht- und Schuldnerberatung, Sozio- und Psychotherapie und medizinischen Diensten effektiver und niedrigschwelliger zu gestalten, so Frietsch.

Workshops für Fachkräfte der Jugendhilfe

„Um die Ziele umzusetzen, führen wir Workshops für Fachkräfte der Jugendhilfe durch, mit denen wir neue Methoden und Dokumentationsverfahren erarbeiten und einüben“, ergänzt der am Forschungsprojekt beteiligte Sozialwissenschaftler Dirk Holbach. Zudem sollen Fachtagungen zu verschiedenen Themenbereichen einer erfolgreichen Jugendhilfe dazu dienen, die Fachkenntnisse im Handlungsbereich der Jugendhilfe bundesweit einer breiteren Fachöffentlichkeit vorzustellen und zu diskutieren.

Gründe, warum Jugendliche und junge Erwachsene auf der Straße leben, gibt es viele. Mangelnde soziale Bindungen, vielfältige Gewalt- und Missbrauchserfahrungen sowie intensiver Drogengebrauch sind nur einige der Gründe, weshalb Kinder und Jugendliche den Kontakt zu ihren Familien abbrechen. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz dürfte es in Deutschland eigentlich keine obdachlosen Kinder und Jugendlichen geben. Danach sind die Jugendämter zur Hilfeleistung für Minderjährige verpflichtet und sollen den Jugendlichen über sozialpädagogische Hilfen eine schulische und berufliche Ausbildung sowie die Eingliederung in die Arbeitswelt und die Gesellschaft ermöglichen.

Mehr Informationen zur Studie unter www.hs-koblenz.de/ifw.

Das IFW der Hochschule Koblenz hat den Auftrag, Forschung und wissenschaftliche Weiterbildung in der Sozialen Arbeit durchzuführen und zu fördern.

Quelle: Hochschule Koblenz vom 26.04.2019

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