Hilfen zur Erziehung

Gehorsam – Ordnung – Religion: RUB-Studie über konfessionelle Heimerziehung als Buch erschienen

Gitterzaun

Die knapp 600 Seiten starke Studie der Bochumer Forscher Bernhard Frings und Uwe Kaminsky zur konfessionellen Heimerziehung in Deutschland von 1945 bis 1975 ist unter dem Titel „Gehorsam – Ordnung – Religion“ als Buch erschienen (Aschendorff Verlag Münster).

Mit der Pionierarbeit liegt erstmals ein Gesamtüberblick zum Leben in kirchlich geführten Heimen in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland vor. Die Ergebnisse stammen aus einem Forschungsprojekt an der evangelisch-theologischen und der katholisch-theologischen Fakultät der RUB, das von 2008 bis 2010 lief.

Statistiken und Mikrostudien in Musterregionen
Hunderttausende Kinder und Jugendlicher lebten während in der Frühzeit der BRD in Heimen – vielfach in katholischer und evangelischer Trägerschaft. Seitdem ehemalige Heimkinder über dort erlebte unwürdige Verhältnisse berichten, stehen vor allem die Rolle und Verantwortung der Kirchen in der Heimerziehung jener Zeit in der Diskussion. Das Buch rekonstruiert statistische Größenordnungen der Heimerziehung, ihre rechtlichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf Erziehungsziele und Strafen, den Heimalltag und seine kirchliche Prägung, Reformkonzepte und die Professionalisierung der Erziehungsbemühungen. Am Beispiel der Musterregionen Niedersachen, NRW und Bayern beschreiben die Autoren u.a. in neun Mikrostudien die Verhältnisse in unterschiedlichen Heimen. Zugrunde liegen sowohl Akten als auch Interviews mit ehemaligen Heimkindern und Erziehern.

Zentrale Ergebnisse der Studie
In den 1950/60er Jahren wurden Kinder und Jugendliche in Heimerziehung meist nur unzureichend gefördert, sie erlitten vielfach Demütigungen und wurden oft auch Opfer von Misshandlungen und Missbrauch. Mangelhafte äußere Bedingungen, der damals vorherrschende strenge Erziehungsstil und das Fehlverhalten der Heimleitungen und einzelner Mitarbeiter haben zu den traumatisierenden Erfahrungen vieler Heimkinder beigetragen. Besonders die religiöse Erziehung und die religiöse Legitimation rigider Strafpraktiken markierten dabei signifikante Unterschiede zwischen Heimen in kirchlicher und Heimen in anderer Trägerschaft. Kirchliche Heime spiegelten ansonsten weithin das Maß der seinerzeit geltenden Normalität wider, was allerdings den kirchlichen Selbstanspruch deutlich unterschritt. Das sind die zentralen Ergebnisse der RUB-Studie, die im Mai dieses Jahres erstmals öffentlich vorgestellt wurden. Die Studie leiteten Prof. Dr. Wilhelm Damberg (Katholisch-Theologische Fakultät der RUB) und Prof. Dr. Traugott Jähnichen (Evangelisch-Theologische Fakultät).

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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