Hilfen zur Erziehung / Qualifizierung

Fachkräftegewinnung und -entwicklung in turbulenten Zeiten: Fachforum in Kooperation mit der BAG ASD/KSD

Veranstaltungsraum an der FH Münster mit Veranstaltungshinweis auf blauem Schild im Vordergrund und Tischgruppen mit orangenen Stühlen
Bild: © BAG ASD/KSD

„Der ASD – ein guter Platz für Fachkräfte!?“ - mit diesem Titel war das jüngste Fachforum der BAG ASD/KSD überschrieben. Rund 100 Fach- und Leitungskräfte aus Jugendämtern, Sozialdezernaten und Personalämtern sowie aus Wissenschaft und Praxis diskutierten einen Tag lang engagiert aktuelle Herausforderungen der Personalgewinnung und -entwicklung.

Das bundesweite Fachforum der Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst/ Kommunaler Sozialer Dienst (BAG ASD/KSD) fand in Kooperation mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., den Landesjugendämtern Westfalen-Lippe und Hamburg und der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter am 26. September 2017 an der Fachhochschule Münster statt. 

Personalmanagement im ASD geht alle an

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kolleginnen und Kollegen neu waren“ – mit diesen Worten schilderte eingangs eine junge Sozialarbeiterin ihre Erfahrungen aus der mit vielen Unsicherheiten verbundenen beruflichen Einstiegsphase im ASD. Welche Anforderungen eine Personalsituation stellt, in der die Fluktuation und die Zahl der BerufseinsteigerInnen in den Teams wächst, beschrieb anschließend Carsten Bluhm, Stadt Essen, aus der Perspektive einer ASD-Leitungskraft. Aktive Kontaktpflege zu den Hochschulen, spezifische Konzepte zur Einarbeitung im ASD, attraktive Arbeitsbedingungen und Ideen für flexible Berufswegplanungen, Investitionen in Leitung und Anleitung sind aus seiner Sicht unverzichtbare Voraussetzungen, um diese Situation zu schultern. Dazu bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit den Personalämtern, aber auch den Rückhalt und die Unterstützung der Verwaltungsspitze und nicht zuletzt auch einer interkommunalen Abstimmung, denn so unterstrich er: Die Personalsituation ist eine Frage der kommunalen Daseinsvorsorge insgesamt und kann nur im Miteinander gelöst werden.

„Die Situation, die wir aktuell vorfinden, ist nur der Anfang“ – mit diesen Worten wagte Benjamin Landes, Direktor des ISS Frankfurt, vor dem Hintergrund aktueller Arbeitsmarktstudien einen Blick in die Zukunft. Bis 2030 werden ca. 350.000 Fachkräfte mehr im Sozialwesen – vor allem HochschulabsolventInnen - gebraucht als heute, damit wird für diese Branche die zweithöchste Wachstumsrate prognostiziert. Die Konkurrenz um Fachkräfte wird weiter steigen. Sein Fazit: Kluge Konzepte der Personalakquise und - entwicklung sind gefragt, die Chancen und Risiken der Digitalisierung gilt es besser auszuleuchten und die Kommunalverwaltungen müssen sich als Arbeitgeber stärker auf ausdiffererenzierte Anforderungen und Erwartungen der Berufstätigen an Arbeit einstellen. Angesichts der gleichzeitig wachsenden Arbeitsmarktrisiken für gering Qualifizierte wird sich aber auch die inhaltliche Arbeit im ASD zukünftig verändern müssen: Ein ganzheitlicher Blick auf Erziehung, Wohnen, Leben und Arbeiten ebenso wie die Erreichung formaler Bildungsabschlüsse als Eintrittskarte zum Arbeitsmarkt wird für die AdressatInnen sozialer Arbeit noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Personal ist die zentrale strategische Ressource, Personalmanagement damit heute längst zu einem „must have“ im Aufgabenspektrum der ASD-Leitungskräfte geworden, machte Dr. Hildegard Pamme, Fachberaterin im LWL-Landesjugendamt, deutlich. Neben fundierten Konzepten zur Gewinnung und Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen komme es ebenso darauf an, qualifizierte Fachkräfte zu halten und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Welche Ideen zur Personalgewinnung lassen sich entwickeln? Wie kann Einarbeitung gelingen? Was muss Leitung leisten und wie kann sie für diese Tätigkeit qualifiziert werden? Und was braucht es, um MitarbeiterInnen nachhaltig zu binden? Zu diesen Fragen tauschten sich die Teilnehmer/-innen am Nachmittag in vier Workshops aus.

Quelle: BAGLJÄ

Ohne Öffentlichkeitsarbeit geht es nicht!

Ob es gelingt, genügend Personal zu gewinnen, wird nicht zuletzt entscheidend auch davon abhängen, welches Bild das Jugendamt nach außen vermittelt. „In den Fachhochschulen gilt das Jugendamt immer noch als der Arbeitsplatz, wo man seinen beruflichen Lebensabend verbringt. Ich musste erst im ASD arbeiten, um zu erleben, welch spannendes und vielfältiges Arbeitsfeld diese „Königsdisziplin“ der sozialen Arbeit bietet!“ Mit diesen Worten hielt abschließend eine junge Kollegin den anwesenden Leitungskräfte und KollegInnen den Spiegel vor und forderte sie engagiert auf, stolz auf das eigene Berufsfeld zu sein und dieses auch selbstbewusst nach außen zu tragen. Ihre Empfehlung: „Die neuen Plakate für die Jugendamtskampagne vermitteln genau das und helfen dabei!“ Die diesjährigen Aktionswochen der Kampagne „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt“ zur Nachwuchsgewinnung starten gerade und bietenden Teilnehmenden die Möglichkeit, die vielen Ideen und Impulse aus der Tagung weiter zu verfolgen und aktiv umzusetzen. Auf geht’s!

Die Vorträge der Tagung und weitere Informationen stehen auf den Internetseiten der Fachhochschule Münster zum Download bereit. 

Die Plakate und Broschüren der Kampagne „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt“ stehen ebenso online zur Verfügung. Für Jugendämter gibt es die Möglichlichkeit die Materialien direkt im Print-Shop ab Druckerei zu bestellen. 

Quelle: LWL-Landesjugendamt Westfalen vom 11.10.2017

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