Hilfen zur Erziehung

Bundesregierung und ostdeutsche Länder stellen Bericht zur Heimerziehung in der DDR vor

Drahtzaun

Für viele der Säuglinge, Kinder und Jugendlichen in den Heimen der DDR gehörten Zwang und Gewalt zum Alltag. Das ist das zentrale Ergebnis des heute in Berlin vorgestellten Berichts "Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR". Der Bund und die ostdeutschen Länder kündigten in diesem Zusamenhang die Bereitstellung konkreter Hilfeleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten für Opfer der DDR-Heimerziehung an.

Grundlage des Berichts sind die Ergebnisse von drei Expertisen zur Heimerziehung in der DDR ("Erziehungsvorstellungen in der Heimerziehung der DDR", "Was hilft ehemaligen Heimkindern der DDR bei der Bewältigung ihrere komplexen Traumatisierung?", "Rechtsfragen der Heimerziehung in der DDR"), die sich jeweils mit Rechtsfragen, den damaligen Erziehungsvorstellungen und der Bewältigung von Traumatisierungen beschäftigten. In die Erstellung des Berichtes haben Bund und Länder auch Betroffene der DDR-Heimerziehung einbezogen. Diese haben ihre Erfahrungen und Forderungen in einem eigenen Berichtsteil dargelegt.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Christoph Bergner, sagte, es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, mit den vom Bundesinnenministerium finanzierten Expertisen eine valide Grundlage zu schaffen, aus der ein klarer und dringenden Handlungsbedarf offenkundig werde. "Es ist gut, dass in zeitlicher Nähe zum Fonds Heimerziehung West auch den ehemaligen Heimkinder Ost eine Perspektive aufgezeigt werden kann", so Bergner.

"Ich bedauere zutiefst, dass viele Kinder und Jugendliche in Heimen in der DDR erhebliches Leid und Unrecht erfahren mussten und damit ihre Lebenschancen gravierend beeinträchtigt wurden", erklärte Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch. "In der Präambel zu diesem Bericht stellen das Bundesministerium und die Länderminister zu Recht fest, dass unsere Gesellschaft diese menschenrechtsverletzende Praxis stärker als bisher zur Kenntnis nehmen und sich damit auseinandersetzen muss."

Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischof bezeichnete den Bericht als einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses Kapitels der DDR-Geschichte.

Sachsens Sozialministerin Christine Clauß begrüßt den mit dem Bericht verbundenen Wissenszuwachs. Mit dem Bericht habe sich leider gezeigt, dass »die furchtbaren Geschehnisse im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau nur die Spitze des Eisberges waren«, konstatierte die Ministerin. Als Gesellschaft seien wir gefordert, nicht die Augen davor zu verschließen, was sich in den Heimen der DDR zugetragen hat.

"Das Leid der Betroffenen der Heimerziehung, ob in Ost oder West, berührt alle", erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Hermann Kues. "Nachdem wir den Fonds Heimerziehung West eingerichtet haben, ist es mir auch ein persönliches Anliegen, dass wir nun denjenigen helfen, die unter der Heimerziehung in der DDR gelitten haben. Der heute vorgestellte Bericht ist ein erster Schritt zur Aufarbeitung dieses Kapitels in der Geschichte der DDR. Der nächste wichtige Schritt ist die Einrichtung des Fonds 'Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 bis 1990' zum 1. Juli dieses Jahres. Damit können wir das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber beide Fonds können den Betroffenen helfen, die Folgen dessen, was sie in den Heimen erlebt und durchlitten haben, zu mildern oder zu überwinden."

Auf der Grundlage des Berichts "Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR" kommen die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder zu der Einschätzung, dass

  • Zwang und Gewalt für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen eine alltägliche Erfahrung waren

  • in den Spezialheimen der Jugendhilfe allgemein die Menschenrechte verletzt und den Betroffenen Bildung verweigert wurde. Außerdem wurden sie zur Arbeit gezwungen

  • die Erlebnisse in den Heimen zu massiven Beeinträchtigungen der Lebenschancen und Entwicklungspotentiale der Betroffenen geführt haben, die über den Heimaufenthalt hinaus bis heute nachwirken

  • viele Betroffene an den Spätfolgen, schlechten beruflichen Chancen, Stigmatisierungen und psychischen Traumatisierungen leiden.

Die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder wollen den Betroffenen Hilfe bei der Bewältigung von Folgen der Heimerziehung und deren Aufarbeitung anbieten. Dazu soll ein Hilfesystem nach dem Vorbild des Fonds Heimerziehung West geschaffen werden. Der Bund und die ostdeutschen Länder werden für den geplanten Fonds insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Damit sollen u. a. Anlauf- und Beratungsstellen in den ostdeutschen Ländern eingerichtet werden, die den Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte, bei der Suche nach ihren Akten und beim Zugang zu Hilfeleistungen und Rentenersatzleistungen aus dem Fonds helfen. Ein kostenloses Infotelefon gibt den Betroffenen zudem Auskunft über die zuständigen Informationsstellen in den Ländern (Tel. 0800 / 100 49 00).

Quellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg / Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt