Hilfen zur Erziehung / Inobhutnahme

Diskussionspapier: Aktuelle Herausforderungen bei der Unterbringung von jungen Kindern unter 6 Jahren

Ein Kleinkind, das seine Hande an die Fensterscheibe einer Balkontür drückt, ist von oben zu sehen
Bild: Paul Hanaoka - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Der AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe sieht bei der Unterbringung von jungen Kindern im Alter von unter 6 Jahren in den stationären Hilfen aktuelle Herausforderungen und damit verbundenen Handlungsbedarfe. In dem Diskussionspapier des AFET- Vorstands wird zum einen die Situation skizziert und zum anderen werden vielfältige Fragestellungen benannt, die aus Sicht des Verbandes der Klärung bedürfen. Öffentliche und freie Träger sowie die Wissenschaft werden zu einem konstruktiven Dialog eingeladen, um die Aufgaben gemeinsam anzugehen.

Der Anteil der U6-Jährigen ist verglichen mit der Gesamtzahl der Kinder, die in den Erzieherischen Hilfen Unterstützung erfahren, zwar prozentual gering, aber ist die Relevanz der Unterbringung in der hochsensiblen Phase der ersten Lebensjahre von eminenter Wichtigkeit.

Zunehmende Unterbringungsprobleme

Es zeigt sich, dass die Unterbringung der Kinder mit einem Hilfebedarf in adäquaten Settings zunehmend schwieriger wird, weil sich die gestiegene Nachfrage durch die Jugendämter nicht mit dem Angebot der freien Träger und den Unterbringungsoptionen in Pflegefamilien und Erziehungsstellen deckt. Während die Unterbringung in kleineren Gemeinden und Städten offensichtlich vielerorts noch möglich scheint, gestaltet sich die Situation in den größeren und vor allem den Großstädten deutlich schwieriger.

Wohnortnahe Unterbringung ist z.T. nicht mehr möglich, was gerade bei Kleinkindern problematisch ist, da der Kontakt zu den leiblichen Eltern i.d.R. aufrechterhalten werden sollte. Als weiteres Problem erweist sich die oft zu lange Verweildauer der Unterbringungen in der Bereitschaftspflege, der Inobhutnahme und den stationären Hilfen. Letztlich erschweren aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen (wie die Abnahme traditioneller Lebensformen, steigende Mieten, veränderte Lebensentwürfe, hohe berufliche Flexibilität) sowie rechtliche und fachlich hohe Erfordernisse in Bezug auf stationäre Unterbringung (etwa das Arbeitszeitgesetz oder der hohe Personalschlüssel bei gleichzeitig zunehmendem Fachkräftemangel) das Finden von guten Lösungen bei Unterbringungsbedarfen.

Lösungsoptionen suchen

Es gilt daher, mit dem Wissen der hohen Vulnerabilität der kleinen Kinder, auf verschiedensten Ebenen nach Lösungsoptionen zu suchen, um ein bestmögliches Aufwachsen zu ermöglichen. So sind fachlich-pädagogische Fragestellungen ebenso zu klären wie rechtliche, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen der Unterbringung.

Diskussionspapier soll zum Dialog anregen

Das AFET-Diskussionspapier setzt sich nachdrücklich für die gemeinsame Klärung der aktuellen Herausforderungen ein und ruft alle beteiligten Akteure auf, sich an dem eröffneten Dialog zu beteiligen, ihn auf allen Ebenen zu führen und im Interesse der kleinen Kinder nach kreativen Lösungsoptionen zu suchen. Der AFET bietet sich als Plattform für einen Dialog!

Das Diskussionspapier „Aktuelle Herausforderungen bei der Unterbringung von jungen Kindern unter 6 Jahren in den Hilfen zur Erziehung nach dem SGB VIII“(PDF, 177 KB) steht beim AFET Bundesverband für Erziehungshilfe zur Verfügung.

Quelle: AFET Bundesverband für Erziehungshilfe e.V.

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