Hilfen zur Erziehung / Ganztagsbildung

Beschwerdeverfahren in Jugendhilfe und Schule – Überflüssiger Mehraufwand oder pädagogische Notwendigkeit?

Ein Teenager im Gespräch mit einem Mann in einer Arztpraxis.
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Funktionierende Beschwerdeverfahren in pädagogischen Einrichtungen, egal ob in Schule oder Jugendhilfe, sind (noch) keine Selbstverständlichkeit. Dies liegt zum einen daran, dass Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte häufig Sorge um einen missbräuchlichen oder inflationären Nutzen von Beschwerdewegen haben. Zum anderen ist der hohe fachliche, qualitätssichernde und nicht zuletzt kinderschützende Nutzen, den Beschwerdeverfahren haben können, nicht allen Pädagoginnen und Pädagogen bekannt. Ein Beitrag der Reihe „Fachbeiträge zur Kooperation“, herausgegeben von der Landeskooperationsstelle Schule – Jugendhilfe (LSJ) beleuchtet das Thema und steht zum Download zur Verfügung.

Wenn Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe oder Lehrkräfte hören, dass den von ihnen betreuten oder unterrichteten Kindern und Jugendlichen das Recht zukommt, sich bei Unzufriedenheiten über ein leicht zugängliches formelles Verfahren zu beschweren, dann reagieren viele von ihnen zunächst mit Ablehnung.

Sorge um missbräuchliche Nutzung von Beschwerdeverfahren

Die Gründe für diese Ablehnung liegen zum einen in der Sorge um eine missbräuchliche Nutzung eines solches Beschwerdeverfahrens: Beschweren die Kinder und Jugendlichen sich dann nicht über Jeden und Alles, was ihnen nicht in den Kram passt? Werden damit nicht gezielt einzelne Pädagog(inn)en ‚fertig gemacht‘ oder an den Pranger gestellt?

Zum anderen sind die Ablehnungsgründe häufig auch in einem Gefühl von Unsicherheit und Ungerechtigkeit auf Seiten der Pädagog(inn)en begründet:

  • Was passiert denn dann genau, wenn sich jemand über mich beschwert?
  • Wie ist das Verfahren zur Bearbeitung von Beschwerden geregelt?
  • Haben Beschwerden von Kindern und Jugendlichen u.U. auch dienstrechtliche Konsequenzen?
  • Aber auch: Wo kann ich mich eigentlich beschweren, wenn ich mich in meiner Einrichtung oder Schule nicht wohl fühle oder mir meine Arbeitsbedingungen eine Umsetzung meines pädagogischen Auftrags erschweren?

Zugleich ist vielen Fach- und Lehrkräften in Schule und Jugendhilfe häufig nicht klar, worin der Nutzen eines geregelten Beschwerdeverfahrens bestehen soll: Einrichtungs- oder Schulleitungen gehen häufig davon aus, dass es ausreicht zu vermitteln, dass sich jeder beschweren könne, der dies wolle, dass ‚ihre Tür immer offen stehe‘. Warum also noch mehr Formalitäten und Umwege einführen, die die Kommunikation im Zweifel nur erschweren?

Worauf sollte bei der Einführung eines Beschwerdeverfahrens am Ort Schule geachtet werden?

All diese Fragen können, solange sie ungeklärt sind, zu einer ablehnenden Haltung von Pädagog(inn)en gegenüber Beschwerdeverfahren führen. Das Ziel dieses Fachbeitrages ist es, einige der aufgeworfenen Fragestellungen zu beantworten und zugleich aufzuzeigen, worauf bei der Einführung eines Beschwerdeverfahrens am Ort Schule geachtet werden sollte.

Der Vollständige Fachbeitrag "Beschwerdeverfahren für junge Menschen in Jugendhilfe und Schule – Überflüssiger Mehraufwand oder pädagogische Notwendigkeit?" (PDF, 263 KB) von Julian von Oppen steht als Download zur Verfügung.

Landeskooperationsstelle Schule – Jugendhilfe (LSJ)

Der Beitrag ist Teil der Reihe Fachbeiträge zur Kooperation, die von der Landeskooperationsstelle Schule – Jugendhilfe (LSJ) in Potsdam herausgegeben wird. Die LSJ arbeitet in Trägerschaft der kobra.net, Kooperation in Brandenburg, gemeinnützigen GmbH. Der Projektverbund kobra.net hat zum Ziel, durch das Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Akteure die Bildungsqualität und Partizipationschancen für junge Menschen im Land Brandenburg zu verbessern. Mit den regelmäßig erscheinenden Fachbeiträgen zur Kooperation soll der Praxis- Theorie-Praxis-Transfer erhöht und Erfahrungswissen aus 20 Jahren Kooperationsberatung weitergegeben werden.

In der Reihe Fachbeiträge werden aktuelle Themen an der Schnittstelle Schule – Jugendhilfe aufgegriffen. Die  Fachbeiträge erscheinen drei- bis viermal jährlich und sind auf der Internetseite der LSJ frei herunterladbar.

Autoren: Nina Jann, Julian von Oppen
Quelle: kobra.net, Kooperation in Brandenburg, gemeinnützige GmbH

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