Hilfen zur Erziehung

AWO fordert Aufrechterhaltung einer angemessenen HzE-Infrastruktur

„Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die in schwierigen Lebensverhältnissen groß werden, wächst leider stetig“, kommentierte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die am Montag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Zahl von 519.000 erzieherischen Unterstützungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die im vergangenen Jahr neu begannen.

Stadler betonte „die enorme Bedeutung der Hilfen zur Erziehung für die soziale Entwicklung der Kinder. Jeder Euro, der rechtzeitig und qualitativ ausreichend in Kinder und Jugendliche investiert wird, kann später vielfach eingespart werden.“

Die Gründe für den, in den letzten Jahren stetig steigenden Bedarf an Erziehungshilfen sind nach AWO-ANgaben vielseitig. Ganze Stadtviertel drohten zu verrohen, die Kinder und Jugendlichen würden mit Drogen, Gewalt und Alkohol konfrontiert. Die Hilfen zur Erziehung, wie zum Beispiel Erziehungsberatung, soziale Gruppenarbeit, aber auch Vollzeitpflege, Heimerziehung und Sozialpädagogische Familienhilfe seien in Deutschland eine staatliche bzw. kommunale Leistung, auf die im Bedarfsfall ein individueller Rechtsanspruch bestehe. In der Praxis werde es für die Betroffenen zusehends problematischer, die angemessen Hilfe zu erhalten, da die Kommunen einem enormen Spardruck unterworfen seien. Deshalb werde ihnen häufig nicht die hilfreichste, sondern die kostengünstigste Unterstützung bewilligt. „De facto entscheidet damit die Haushaltssituation der Kommune über die gewährte Erziehungshilfe“, bemängelte Stadler. „Dabei ist den Fachleuten klar, dass man zum Beispiel kostenintensivere stationäre Hilfen, wie Heimerziehung nicht einfach durch eine preiswertere ambulante sozialpädagogische Familienhilfe, austauschen kann“, erklärte Stadler.

Besonders wichtig sei es, eine inhaltliche Debatte über die Gründe des steigenden Bedarfes an Erziehungshilfen zu führen. Stattdessen aber machte Stadler einen gefährlichen Trend aus: „Leistungen werden stark in Frage gestellt und vielfach sogar trotz dringenden Hilfebedarfs reduziert.“ In den Kommunen muss vielerorts mit einer unverantwortlichen Personalknappheit in den Jungendämtern umgegangen werden, die nicht selten zu einer Überforderung der Mitarbeiter führt. Entscheidungen über Hilfen würden zum Teil nach Aktenlage und nicht nach individuellen Gesprächen mit den Eltern gefällt. Die AWO, deren Mitarbeiter sich nach eigenen Angaben Tag für Tag in mehr als 3.500 Einrichtungen um Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien bemühen, fordert deshalb, dass die Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe entsprechend den gesellschaftlichen Herausforderungen, wie Gewalt, Jugendarbeitslosigkeit und Armut der Eltern angemessen zur Verfügung gestellt werden muss. „Hilfen dürfen nicht allein nach Kostengesichtspunkten ausgewählt und angeboten werden. Das Wohl der Kinder muss im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen“, betonte Stadler.

Quelle: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband

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