Hilfen zur Erziehung

AGJ veröffentlicht Diskussionspapier zu freiheitsentziehenden Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe

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Im Fokus des Papiers "Freiheitsentziehende Maßnahmen im aktuellen Diskurs. Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung" steht die Frage, wie Abbrüche von stationären Hilfen und Verschiebebahnhöfe vermieden werden können.

Das Papier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe AGJ geht auf die Hilflosigkeit des Systems in Hinblick auf die Frage ein, wie auf manche "schwierige" Kinder und Jugendliche zu reagieren sei bzw. welche Konzepte hilfreich wären. In diesem Zusammenhang werden Weiterentwicklungsnotwendigkeiten, z.B. in Bezug auf die Qualifizierung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe und sinnvolle Kooperationen mit anderen Systemen, aufgewiesen.

Die Diskussion um Freiheitsentziehende Maßnahmen und Geschlossene Unterbringung (GU) in der Kinder- und Jugendhilfe ist geprägt durch zwei sich klar gegenüberstehenden Positionen:

  • Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe lehnen Freiheitsentziehende Maßnahmen im Rahmen der Leistungserbringung der Kinder- und Jugendhilfe prinzipiell ab;
  • Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe befürworten Freiheitsentziehende Maßnahmen und GU in der Kinder- und Jugendhilfe, da sie diese unter den gegebenen Umständen der Kinder- und Jugendhilfestruktur als eine geeignete Form für notwendig halten.

Einig sind sich die Vertreterinnen und Vertreter beider Ansichten in der Sorge, dass wenn stationäre Hilfen mit Freiheitsentziehenden Maßnahmen angeboten werden, diese auch mehr und mehr und immer selbstverständlicher nachgefragt werden. Etabliert sich hier eine Regelstruktur, wohin die öffentliche Debatte derzeit deutet, birgt diese die Gefahr, dass eine pädagogische Kapitulation zu schnell erfolgt. Der grundsätzliche Dissens zum rechtlichen und fachlichen Verständnis ist auch in der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ nicht auflösbar, er soll daher in diesem Papier nicht weiter vertieft werden. Gleichzeitig hält es die AGJ für notwendig, sich in den aktuellen Diskurs zu Freiheitsentziehenden Maßnahmen einzubringen, um eine Fachdebatte über das Selbstverständnis und die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe zu führen und Orientierung zu geben. Ansatzpunkt sind die strukturellen Möglichkeiten, die dabei insbesondere in den Hilfen zur Erziehung und ihrer Weiterentwicklung liegen.

Wenngleich sich die Mehrzahl der Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe nicht "pro GU" positionieren würde, sind sich alle Fachkräfte in der Forderung einig, dass sich das System der Kinder- und Jugendhilfe weiterentwickeln muss, um mehr Handlungsoptionen im Hinblick auf Kinder und Jugendliche zu entwickeln, für die derzeit die geschlossene Unterbringung erwogen wird.

Das Papier will einen Beitrag leisten, Antworten auf schwierige Fragen der Kinder- und Jugendhilfe zum Thema zu finden. Aus Sicht der AGJ muss es insbesondere darum gehen, Abbrüche von stationären Hilfen und Verschiebebahnhöfe zu vermeiden.

Das Diskussionspapier steht in voller Länge auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe unter "Material" zur Verfügung, kann aber auch über die Internetseiten der AGJ www.agj.de heruntergeladen werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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