Inobhutnahme

7.056 Kinder und Jugendliche von hessischen Jugendämtern 2015 in Obhut genommen

Papier mit Balkendiagramm
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Die hessischen Jugendämter meldeten im Jahr 2015 knapp 80 Prozent mehr Schutzmaßnahmen als im Jahr 2014. Die hohe Zunahme erkläre sich durch unbegleitete Einreisen aus dem Ausland. In den anderen Fällen sei die Überforderung der Eltern der wichtigste Anlass.

Die hessischen Jugendämter meldeten im Jahr 2015 insgesamt 7.056 vorläufige Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Das waren 79 Prozent mehr als 2014. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, handelte es sich um die Inobhutnahme oder Herausnahme aus einem Heim, der eigenen Familie bzw. einer Pflegefamilie oder einer anderen Unterbringungsart aufgrund einer akuten Gefahr für das Wohl des Kindes oder Jugendlichen.

Die Zunahme der Gesamtzahl von vorläufigen Schutzmaßnahmen um 3.108 Kinder und Jugendliche war vor allem auf das Anwachsen der unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland um rund 3.168 (plus 286 Prozent) auf 4.568 Personen zurückzuführen. Ohne die unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland wären die vorläufigen Schutzmaßnahmen gegenüber 2014 sogar um 2,4 Prozent gesunken.

Anlass für Schutzmaßnahmen

Die am häufigsten genannten Anlässe für Schutzmaßnahmen waren die unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland (65 Prozent), gefolgt vom Anlass "Überforderung der Eltern oder eines Elternteils" (17 Prozent). Vernachlässigung, Misshandlungen und Beziehungsprobleme machten jeweils rund fünf Prozent aus. Die anderen Gründe spielten mit jeweils weniger als zwei Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Mehrfachnennungen waren möglich. Damit setzte sich die Entwicklung aus den Vorjahren fort. Im Jahr 2012 lag der Anteil der unbegleiteten Einreisen bei 18 Prozent, 2013 bei knapp 26 Prozent und 2014 bei 35 Prozent.

Wen betrafen die Schutzmaßnahmen?

Die Schutzmaßnahmen betrafen vor allem Jugendliche. Rund 8 von 10 (79 Prozent) der Kinder/Jugendlichen waren älter als 14 Jahre und 21 Prozent unter 14 Jahren. Der Anteil der Jugendlichen im Alter von über 14 Jahren stieg gegenüber 2013 um 13 Prozentpunkte. Der Anstieg war ebenfalls auf unbegleitete Einreisen zurückzuführen. Hier waren rund 95 Prozent der Betroffenen über 14 Jahren alt.

Mit acht von zehn wurden mehr männliche Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Bei den unbegleiteten Einreisen lag dieser Anteil bei 95 Prozent.
Neben den unbegleiteten Einreisen spielte bei den Schutzmaßnahmen die Familienkonstellation eine große Rolle. Kinder und Jugendliche, die in Familien Alleinerziehender oder in Patchworkfamilien lebten, waren deutlich häufiger von Inobhutnahmen betroffen.

Die Unterbringung erfolgte meist in einer Einrichtung (75 Prozent). 20 Prozent wurden in einer geeigneten Familie untergebracht und fünf Prozent in einer sonstigen betreuten Wohnform.

In 16 Prozent der Inobhutnahmen kehrte der junge Mensch nach der Maßnahme zu der bzw. dem Sorgeberechtigen, zur Pflegefamilie oder ins Heim zurück. 30 Prozent wurden außerhalb des Elternhauses, also im Heim, durch betreutes Wohnen oder in einer Pflegefamilie untergebracht; 13 Prozent erhielten eine sonstige stationäre Hilfe und fünf Prozent eine ambulante Erziehungshilfe. Bei gut 27 Prozent erfolgte keine anschließende Hilfe und 15 Prozent wurden von einem anderen Jugendamt übernommen. Mehrfachnennungen waren möglich. Durch die hohe Zahl der unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland ist ein Vergleich mit dem Vorjahr verzerrt.

Betrachtet man die Anlässe für die Kinder- und Jugendlichen, die nicht unbegleitet aus dem Ausland eingereist sind, zeigt sich ein anderes Bild. Hier gab zu fast der Hälfte (48 Prozent) die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils Anlass für die Intervention, gefolgt von Anzeichen von Misshandlungen und Vernachlässigung mit jeweils 15 Prozent sowie Beziehungsprobleme mit 13 Prozent. In vier von zehn Fällen endete die Maßnahme mit der Rückkehr zu dem Personensorgeberechtigten, in knapp vier von zehn Fällen wurde der junge Mensch außerhalb des Elternhauses untergebracht.

Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt vom 04.08.2016.

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