Sozialforschung / Digitalisierung und Medien

Umfrage zu Desinformation: Junge Menschen wollen Regulierung von politischer Online-Werbung

Eine junge Frau sitzt im Schneidersitz und liest etwas auf ihrem Laptop, der auf ihren Beinen steht
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82% der Befragten einer aktuellen forsa-Umfrage haben Sorge, dass durch politische Desinformationskampagnen Wahlergebnisse manipuliert werden. Die Befragung zeigt: Ein Drittel der der 14- bis 24-Jährigen informiert sich über soziale Medien über die anstehenden Wahlen. Die meisten von Ihnen haben dort bereits Wahlwerbung gesehen. Viele haben den Eindruck, sie enthielte irreführende Aussagen.

Bedeutung freier, pluralistischer und unabhängiger Medien

Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, spricht sich angesichts der Sorge vieler Menschen vor manipulativer politischer Desinformation für eine freie und starke Presse aus. Hintergrund ist eine aktuelle forsa-Umfrage zum Informationsverhalten bei Wahlen und zur Wahrnehmung von politischer Desinformation, die die Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegeben hat. Die Zahlen wurden anlässlich des Tags der Pressefreiheit erstmals veröffentlicht und machen die grundlegende Bedeutung freier und seriöser Berichterstattung für eine funktionierende Demokratie deutlich: 82% der Befragten haben Sorge vor der Manipulation von Wahlergebnissen durch politische Desinformationskampagnen, und 70% geben an, dass ihnen persönlich schon politisch motivierte Desinformation im Internet aufgefallen ist.

Wahrnehmung von Wahlwerbung in Social Media

Die repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW hat neben genutzten Informationsquellen zu Wahlen und Wahlkämpfen auch die Wahrnehmung von Wahlwerbung in Social Media abgefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass 74% der Befragten mindestens eine Onlinequelle (wie Partei-Webseiten, Online-Magazine, Social Media) zur Information zu anstehenden Wahlen nutzen. Nur 14% der Gesamtbevölkerung, aber rund ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen informiert sich über soziale Medien. Und hier ist auch die Wahrnehmung von politischer Werbung besonders hoch: Die überwiegende Mehrheit (89%) der Befragten, die sich über soziale Medien zu Wahlen und Wahlkämpfen informiert, hat bereits Wahlwerbung in sozialen Medien gesehen, und 44% davon geben außerdem an, diese sei auf ihre politischen Einstellungen zugeschnitten, also personalisiert. Dabei habe über die Hälfte der Befragten, die in sozialen Medien schon einmal Wahlwerbung wahrgenommen haben, den Eindruck, die Wahlwerbung enthielte irreführende Aussagen, um die politische Meinung bzw. die Wahlentscheidung zu manipulieren. 36% dieser Befragten konnten außerdem keinen klaren Absender der Wahlwerbung erkennen.

Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht auch online

„Besonders im Hinblick auf die anstehenden Europawahlen stärken diese aktuellen forsa-Zahlen die Bedeutung, die eine freie, pluralistische und unabhängige Presse für den Erhalt unserer Demokratie hat. Es ist daher dringend notwendig, dass die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nur in den klassischen Medien, sondern auch im Online-Bereich verpflichtend ist, um auf die große Verunsicherung der Bevölkerung hinsichtlich der Qualität von Online-Informationen zu reagieren. Wir müssen das Internet – und damit auch die sozialen Medien – als vertrauenswürdige Informationsquelle und Ort für die Verbreitung von gutem und freiem Journalismus zurückgewinnen“, bewertet Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die aktuellen Ergebnisse.

Befragte wünschen sich Transparenz

Der Wunsch nach vertrauenswürdigen Informationen und transparenten Quellen äußert sich auch in den folgenden Zahlen: 89% aller Befragten finden, dass politische Werbung deutlicher als solche gekennzeichnet werden sollte, und 80% aller befragten 14- bis 24-Jährigen sind der Meinung, es brauche eine Regulierung von politischer Online-Werbung (so wie z.B. im TV oder Radio). „Diese Ergebnisse machen den Bedarf nach einer Regelung zum Umgang mit politischer Werbung online deutlich. Dazu braucht es chancengleiche Möglichkeiten aller politisch Werbetreibenden und Transparenz gegenüber dem Nutzer. Hier muss der Gesetzgeber ran“, fordert Dr. Tobias Schmid.

Die Ergebnisse der forsa-Befragung „Informationsverhalten bei Wahlen und politische Desinformation“ finden sich auf der Webseite der Landesanstalt für Medien NRW in Form des Ergebnisberichts (PDF, 2 MB) sowie einer Präsentation (PDF, 303 KB).

Quelle: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen vom 02.05.2019

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