Sozialforschung

Neues Forschungsprojekt untersucht die politische Funktion von Sozialer Arbeit

Viele Notizen mit kurzen Statements hängen an einer Wand.
Bild: Kyle Glenn - unsplash.com

Im Forschungsprojekt „Sozialstaatsreform ,von unten‘: Vertretung schwacher Interessen durch die Soziale Arbeit als Demokratisierung von Sozialpolitik?“ untersucht die TH Köln zusammen mit der Universität Duisburg-Essen die politische Funktion von Sozialer Arbeit. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) NRW fördert das Projekt in der Förderlinie „Profilbildung 2020“ mit rund 1,8 Millionen Euro.

„Soziale Arbeit hat den Auftrag, sich in politische Diskurse einzumischen. Die Forschung zur Interessenvertretung sozial Benachteiligter in der Politik durch die Soziale Arbeit ist jedoch bislang ein blinder Fleck der Sozialpolitikforschung“, sagte Projektleiterin Prof. Dr. Sigrid Leitner vom Institut für Sozialpolitik und Sozialmanagement der TH Köln, die das Vorhaben gemeinsam mit Prof. Dr. Simone Leiber von der Universität Duisburg-Essen durchführt.  

Das Forschungsteam im Forschungsprojekt „Sozialstaatsreform ,von unten‘: Vertretung schwacher Interessen durch die Soziale Arbeit als Demokratisierung von Sozialpolitik?“ (DemSoz) untersucht, wie Akteurinnen und Akteure der Sozialen Arbeit, die unter anderem bei Wohlfahrtsverbänden, in Beratungsstellen und bei sozialen Diensten tätig sind, die Interessen sozial Benachteiligter in der Politik vertreten. Zu sozial benachteiligten Personen zählen zum Beispiel langzeitarbeitslose, drogenabhängige oder wohnungslose Personen, Menschen mit Langzeiterkrankungen oder Behinderung sowie Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf. Das nun geförderte Vorhaben konzentriert sich auf die Interessenlagen von langzeitarbeitslosen Menschen und deren Familien, etwa in Bezug auf die Grundsicherungsleistungen oder sozial- und bildungspolitische Unterstützungsmaßnahmen für Kinder.

Politische Einmischung in unterschiedlichen Phasen des Politikzyklus

Das Vorhaben besteht aus fünf Teilprojekten, die sich an den Phasen eines politischen Prozesses orientieren: Die Universität-Duisburg-Essen setzt sich mit der Definition eines politischen Problems und dem Agenda-Setting – dem Setzen von konkreten Themenschwerpunkten bei der Einführung von Gesetzen und politischen Maßnahmen – sowie mit der Implementierung von Politik auseinander. Die TH Köln widmet sich der Politikformulierung – dem informellen Austausch und den Verhandlungsprozessen bei politischen Entscheidungen. Zudem werden Berufspolitiker/-innen befragt, die einen beruflichen Hintergrund im Bereich der Sozialen Arbeit haben.

Damit möchte das Team der TH Köln herausfinden, in welchen Phasen eines Reformprozesses die Vertretung von Interessen sozial Benachteiligter als Aufgabe wahrgenommen wird, inwiefern sich Politiker/-innen auf Landes-, Bundes und -kommunaler Ebene für die Interessen von langzeitarbeitslosen Personen und ihrer Familienangehörigen einsetzen und wie die Soziale Arbeit die Durchsetzung der Interessen dieser Gruppen erfolgreich unterstützen kann.

Kommunikationsplattform und Nachwuchsförderprogramm

Eine eigene Plattform für Wissenschaftskommunikation, auf der die Materialien und Ergebnisse des Projekts dokumentiert und als Open Educational Resources frei zur Verfügung gestellt werden, ist ebenfalls im Vorhaben geplant. Zudem wird ein Promotionsprogramm mit dem Titel „Politisches Handeln Sozialer Arbeit“ in Kooperation mit der Abteilung „Soziales und Gesundheit“ des Promotionskollegs NRW organisiert. Dadurch sollen der Austausch mit Expert(inn)en sowie die Verankerung dieses Themenschwerpunktes in der Lehre gefördert werden.

Zur Förderlinie

Mit dem Förderinstrument „Profilbildung 2020“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW sollen Freiräume für die Entwicklung innovativer und zukunftsweisender Themen sowie die nachhaltige Steigerung der Sichtbarkeit, Anschluss- und Wettbewerbsfähigkeit in neuen Forschungsgebieten ermöglicht werden. Anknüpfend an vorhandene Stärken sollen Potentialbereiche ausgebaut werden, damit diese zur Weiterentwicklung der Forschungsprofile beitragen.

Das Projekt „Sozialstaatsreform ,von unten‘: Vertretung schwacher Interessen durch die Soziale Arbeit als Demokratisierung von Sozialpolitik?“ (DemSoz) der TH Köln in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen startet im November 2021 und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

Quelle: TH Köln vom 01.09.2021