Sozialforschung / Familienpolitik

Report zur Armutsgefährdung von Familien in Baden-Württemberg veröffentlicht

Flagge des Landes Baden-Württemberg
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Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter hat heute in Stuttgart den Report zur Armutsgefährdung von Familien in Baden-Württemberg vorgestellt. Danach ist etwa jede siebte Familie im Land armutsgefährdet. Die Studie wurde im Auftrag des Sozialministeriums von der FamilienForschung (FaFo) im Statistischen Landesamt erstellt.

Nach den Worten von Ministerin Altpeter hat die FamilienForschung Armutsverläufe von Familien in dieser Tiefe erstmals untersucht, auch hinsichtlich der Dauer der Armutsgefährdung und der Armutsgefährdung in verschiedenen Phasen des Familienzyklus. Der Report sei damit ein erster bedeutender Baustein für die in der Koalitionsvereinbarung beschlossene Armuts- und Reichtumsberichterstattung. Sie soll abhängig von den Haushaltsmitteln gegen Ende der Legislatur erstmals vorliegen, sagte die Ministerin.

„Nachhaltige Politik zur Armutsprävention setzt fundiertes Wissen über die Lage der Familien in unserem Land voraus“, sagte Altpeter. Vorgesehen sei pro Legislaturperiode ein ausführlicher Armutsbericht, der jeweils durch aktuelle Studien wie den vorliegenden Report ergänzt werde. Die Ministerin teilte mit, dass alle wichtigen sozialen Akteure im Land zugesagt hätten, in einem Beirat zum ersten Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württemberg mitzuwirken. Die erste Sitzung des Beirats finde in genau einer Woche statt, so die Ministerin.

In aller Kürze berichtete Ministerin Altpeter über die wichtigsten Ergebnisse des FaFo-Reports, der von Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamtes, ausführlich erläutert wurde.

Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse des Reports

  • Die Armutsgefährdung von Familienim Land (siehe Hinweise am Ende des Textes) liegt mit 15 Prozent, etwas höher als von Personen, die ohne Kinder leben (12 Prozent)

  • Besonders häufig armutsgefährdet sind Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern sowie Familien mit Migrationshintergrund.

  • Familien sind öfter und auch häufiger dauerhaft armutsgefährdetals Haushalte ohne Kinder.

  • Im Verlauf des Familienzyklus steigt dieArmutsgefährdungerst an,erreicht ihren Höhepunkt in der mittleren Familienphase (ältestes Kind 10-17 Jahre) und sinkt dann wieder ab. Am geringsten ist das Armutsrisiko für Familien mit älteren Kindern.

  • Armutsgefährdung von Familien in Baden-Württemberg ist überwiegend von kurzer Dauer. Gleichzeitig gibt es jedoch unter den Familien einen Kern von 5 Prozent, die über 5 Jahre hinweg langfristig armutsgefährdet sind.

  • Bei armutsgefährdeten Paaren mit Kindern überwiegen maximal einjährige Armutsphasen .Dagegen sind Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern sowie Familien mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig dauerhaft armutsgefährdet.

  • Ereignisse, die zu Armutsgefährdung führen können, sind zum Beispiel eine Trennung bzw. Scheidung oder die Geburt eines Kindes. Ein Rückgang der Anzahl der Erwerbstätigen im Haushalt ist ebenfalls häufig mit dem Beginn einer Armutsgefährdung verbunden.

  • Umgekehrt ist eine Arbeitsaufnahmenach Arbeitslosigkeit oder Nichterwerbstätigkeithäufig mit einem Ausstieg aus einer Phase der Armutsgefährdung verknüpft.

Politische Schlussfolgerungen aus dem Report

Sozialministerin Altpeter zieht aus den Ergebnissen des Reports zur Armutsgefährdung von Familien im Land die Schlussfolgerung, dass eine nachhaltige Politik zur Armutsprävention und Armutsüberwindung aus einem Bündel an Maßnahmen bestehen muss. Neben finanziellen Transfers gehörten dazu in erster Linie die Arbeitsmarktintegration der Eltern, Bildung sowie Betreuungsangebote für Kinder. Dass Baden-Württemberg unter den Ländern bei der Armutsgefährdung einen hinteren Rang einnehme, sei für die betroffenen Familien kein Trost. Deshalb sei es erklärtes Ziel der Landesregierung, der Armut von Familien entgegenzuwirken.

Der Report weise nach, dass die Armutsgefährdung von Kindern ein Ergebnis verminderter Erwerbs- oder Einkommenschancen der Eltern ist. „Von zentraler Bedeutung zur Bekämpfung von Kinderarmut ist deshalb die Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt.“ Mit dem Konzept „Gute und sichere Arbeit“, dessen Umsetzung jetzt anlaufe, habe das Sozialministerium bereits eine gute Grundlage auch für die Armutsbekämpfung geschaffen. Es enthalte z.B. einen Baustein zur Förderung der Teilzeitausbildung von alleinerziehenden Frauen und unterstütze damit gerade jenen Personenkreis, der besonders armutsgefährdet ist. Der Report zeigt, dass jede dritte Alleinerziehende in Baden-Württemberg dauerhaft oder wiederkehrend armutsgefährdet ist.

Altpeter: „Der Armutsreport ist für mich auch eine Bestätigung dafür, dass unser neuer Kurs in der Arbeitsmarktpolitik richtig ist.“

Erwerbstätigkeit müsse aber auch ausreichend entlohnt werden, um eine Familie ernähren zu können. Sie habe dazu bereits eine Initiative im Bundesrat für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn eingebracht, so die Ministerin.

Der Arbeitsmarktintegration der Eltern diene auch der weitere Ausbau der Kinderbetreuung, der von der Landesregierung mit großem finanziellem Engagement vorangetrieben werde. Die Zuweisungen des Landes an die Kommunen würden allein in diesem und im kommenden Jahr um 640 Mio. Euro erhöht auf insgesamt 921 Mio. Euro.

Weitere politische Maßnahmen zur Armutsbekämpfung bei Familien und Kindern seien finanzielle Transferzahlungen. Die Sozialministerin nannte beispielhaft das Mehrlingsgeburtenprogramm oder das Landeserziehungsgeld. „Dass es richtig ist, junge und einkommensschwache Familien gerade in der finanziell schwierigen familiären Frühphase zu unterstützen, wird durch den Report bestätigt.“

Quelle: Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg