Sozialforschung / Digitalisierung und Medien

Medien und Meinungsmacht – Studie von TA-SWISS zum Wandel in der Medienlandschaft

Geschäftsmann hält eine leere Sprechblase aus Pappe
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com

Kritische Medien leisten mit ihrer Berichterstattung einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen Meinungsbildung und damit zur demokratischen Mitbestimmung. Doch die Medienlandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Für die Schweiz als direkte Demokratie ist es von deshalb von besonderer Bedeutung, sich mit den Folgen dieser Entwicklung auseinanderzusetzen.

Unabhängige Medien, die umfassend über das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen berichten und es nach Kriterien der journalistischen Relevanz gewichten und einordnen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung. Doch die Medienlandschaft befindet sich in einem tief greifenden Wandel – zu den Auslösern gehören die Digitalisierung und die Tatsache, dass zahlreiche Mediennutzerinnen und -nutzer sowie ein grosser Teil der Werbung ins Internet abgewandert sind. Dort übernehmen neue globale Plattformen – meist kostenlos – die Informationsvermittlung nach ihren eigenen Spielregeln. Die Folge ist ein Umbruch der traditionellen Medienstrukturen: Sparrunden, der Abbau publizistischer und personeller Ressourcen sowie eine wachsende Konzentration der Branche. Als plakatives Beispiel für die damit verbundene Verschiebung der Meinungsmacht von den traditionellen Leitmedien zu neuen Kanälen gelten die Präsidentschaftswahlen in den USA.

Für die Schweiz als direkte Demokratie ist es von großer gesellschaftlicher Bedeutung, sich mit den Folgen dieser Entwicklung auseinanderzusetzen – dies die Prämisse der Studie, die TA-SWISS vorlegt. Sie untersucht, wie alte und neue Medien in der digitalisierten Medienlandschaft zusammenspielen, welche Bedeutung ihnen in der Vermittlung von Information zukommt und wie die Themenschwerpunkte, die sie setzen, mit der politischen Agenda und den Anliegen der Bevölkerung zusammenhängen. Sie analysiert, mit welchen Strategien, Geschäftsmodellen und Investitionen die Medienhäuser die Entwicklung zu meistern versuchen, wie Mediennutzungsformen sich verändern, welche Bedeutung Online-Wahlhilfen wie Smartvote in der politischen Meinungsbildung zukommt und wie insbesondere junge Leute sich heute informieren. Und schliesslich gibt sie Empfehlungen dazu, was zu tun wäre, damit in der Schweiz weiterhin ein unabhängiges und vielfältiges Medienangebot bestehen kann.

Die wichtigsten Resultate und Empfehlungen der TA-SWISS-Studie

  • Demokratien sind auch im Zeitalter des Internets weiterhin auf die journalistischen Leistungen von Medienorganisationen angewiesen. Angesichts des Medienwandels ist ein "Infrastrukturprogramm für Journalismus" daher dringlich. Private Online- und Offline-Medien, die bereit sind, in ihre Redaktionen zu investieren, verdienen Unterstützung.
  • Festzuhalten ist zudem an einem unabhängigen Service-public-Anbieter. Um ein junges Publikum zu erreichen, soll dieser ohne Einschränkungen online tätig sein und innovative Video- wie auch Audioangebote produzieren und verbreiten dürfen. Im Gegenzug ist ein Verzicht auf Werbung und Sponsoring vertretbar.
  • Journalistische Medien müssen auf inhaltlicher und struktureller Ebene den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern verstärken.
  • Der Staat soll mit politischen Maßnahmen dafür sorgen, dass allen Medienorganisationen ein diskriminierungsfreier Zugang zu den notwendigen Technologien gewährt wird. Hier fällt insbesondere der mit öffentlichen Geldern finanzierten SRG SSR eine wichtige Rolle als Kooperationspartnerin zu.
  • Bildungsinstitutionen und Service-public-Anbieter müssen sich dafür engagieren, die Medienkompetenz der gesamten Bevölkerung zu stärken. Bürgerinnen und Bürger müssen über die nötige Medienkompetenz verfügen, um die Qualität und den Wert journalistischer Angebote beurteilen zu können.
  • Medien und insbesondere neue Medien sollen sich einem Verhaltenskodex unterstellen, der die Vermischung von publizistischen und kommerziellen Interessen ausschliesst und eine transparente Offenlegung von finanziellen Interessen und Eigentumsverhältnissen gewährleistet. Transparenz ist insbesondere bei der Erhebung, Sammlung und Verwendung von Daten zu fordern.

Erarbeitet wurde die Studie "Medien und Meinungsmacht" im Auftrag von TA-SWISS von einer Projektgruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Freiburg, Lausanne und Zürich unter der Leitung von Manuel Puppis und Michael Schenk. Das Bundesamt für Kommunikation BAKOM hat sich an der Finanzierung der Studie beteiligt und in der Begleitgruppe mitgewirkt.

Kurzfassung der Studie "Medien und Meinungsmacht"

Quelle: Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung Schweiz vom 09.01.2017

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