Sozialforschung

Ausbildungsmarkt: Hauptschüler werden durch doppelte Abiturjahrgänge nicht verdrängt

Auszubildendengruppe in Arbeitskleidung
Bild: © Bernd Geller - Fotolia.com

Auf dem Ausbildungsmarkt hat trotz doppelter Abiturjahrgänge kein Verdrängungsprozess zuungunsten von Bewerberinnen und Bewerbern mit maximal Hauptschulabschluss stattgefunden.

Im Vergleich der Jahre 2010 und 2012 haben die Aussichten auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz für Hauptschülerinnen und Hauptschüler nicht ab-, sondern zugenommen. Dies sind Ergebnisse eines Vergleichs der repräsentativen Bewerberbefragungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) der Jahre 2010 und 2012. In diesem Zeitraum gab es doppelte Abiturjahrgänge in Hamburg (2010), Bayern und Niedersachsen (2011) sowie Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Bremen (2012).

Demnach erhöhte sich der Anteil der Bewerber/-innen mit maximal Hauptschulabschluss, die im jeweiligen Vermittlungsjahr erfolgreich in eine betriebliche Ausbildung einmündeten, um 4,4 Prozentpunkte von 27,0 % im Jahr 2010 auf 31,4 % im Jahr 2012. Nach wie vor hatten Hauptschüler/-innen aber die mit Abstand geringsten Aussichten auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Für Bewerber/-innen mit Realschulabschluss veränderte sich die Einmündungsquote in eine betriebliche Ausbildung mit jeweils 43,7 % nicht.
Bei studienberechtigten Bewerberinnen und Bewerbern sank sie dagegen deutlich um 6,4 Prozentpunkte von 52,1 % auf 45,7 %. Insgesamt gesehen waren Abiturientinnen und Abiturienten bei der Ausbildungsplatzsuche im Jahr 2012 also nicht viel erfolgreicher als Realschüler/-innen. Betroffen waren hiervon insbesondere die Länder mit doppelten Abiturjahrgängen, in denen vor allem die studienberechtigten Bewerberinnen und Bewerber untereinander um die knappen Plätze in den von ihnen begehrten Berufen konkurrierten.

Zwischen 2010 und 2012 stieg die Zahl der bei der BA gemeldeten Ausbildungsplatzbewerber/-innen mit Studienberechtigung um 18,8 % von 108.296 auf 128.640. Da gleichzeitig die Zahl der nicht studienberechtigten Bewerber/-innen zurückging, veränderte sich die Gesamtbewerberzahl in diesem Zeitraum nur geringfügig. Sie nahm lediglich um knapp ein Prozent zu von 556.062 auf 559.877. Die Zahl der bei der BA gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen stieg um 12,4 % von 425.633 im Jahr 2010 auf 478.593 im Jahr 2012. Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebote nahm dagegen im selben Zeitraum um 33,5 % ab - von 57.886 auf 38.493.

In die Analysen der BA/BIBB-Bewerberbefragungen fließen nur die Daten der Jugendlichen ein, die bei der BA als ausbildungssuchend registriert sind und die über die notwendige Ausbildungsreife und Berufseignung verfügen. Eine Meldepflicht der Jugendlichen bei der BA gibt es nicht, und viele Ausbildungssuchende verzichten auch auf eine institutionelle Unterstützung. So gelang es nach Schätzungen des BIBB im Jahr 2012 insgesamt rund 265.000 Jugendlichen, ohne Einschaltung der BA einen Ausbildungsvertrag abzuschließen. 2010 lag diese Zahl schätzungsweise bei 289.000.

Weitere Informationen in der aktuellen Ausgabe der BIBB-Fachzeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis - BWP", Heft 6/2013, im Beitrag von Ursula Beicht: "Doppelte Abiturjahrgänge: Veränderte Chancen für Jugendliche am Ausbildungsmarkt". Der Beitrag kann im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/bwp-7171 kostenlos heruntergeladen werden.

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vom 19.12.2013