Sozialforschung in Kommunen

Umwelt, Wohlbefinden und Entwicklung – Studie befragt junge Menschen

Zwei Jugendliche mit Rucksäcken und einer Gitarre
Bild: Austin Distel - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Auch in ärmeren Stadtvierteln geht es Kindern meist gut. Und Jungs fühlen sich im Allgemeinen wohler als Mädchen. Das zeigt die Studie „Umwelt, Wohlbefinden und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Kommunen“ (UWE-Studie), eine direkte Befragung von Kindern.

Wie es nach objektiven Maßstäben um die Bildung und den Wohlstand der Bevölkerung eines Stadtteils bestellt ist, lässt sich an der kleinräumigen Sozialberichterstattung ablesen. „Für das Wohlbefinden von Kindern im entsprechenden Stadtteil ist das aber nur bedingt aussagekräftig“, sagte Prof. Dr. Sören Petermann vom Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung, kurz ZEFIR. Das ZEFIR hat deswegen, gefördert vom Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung, der Bertelsmann Stiftung und dem Ministerium für Schule und Bildung NRW, die Befragung UWE gestartet, kurz für „Umwelt, Wohlbefinden und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Kommunen“. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Familie, Schule und lokale Gemeinschaft

Gefragt wird nach der allgemeinen Lebenszufriedenheit und fünf weiteren Zufriedenheiten in den Bereichen Familie, Freunde, Aussehen, Schule und Schularbeit. Weitere Fragen drehen sich um maßgeblich prägende Zusammenhänge, in denen Kinder sich bewegen: Familie, Schule und lokale Gemeinschaft. Wer lebt zusammen? Wie nehmen die Kinder subjektiv ihren Wohlstand wahr? Erhalten sie Unterstützung beim Lernen? Glauben die Eltern an ihren Erfolg? Wann gehen sie schlafen, wie ernähren sie sich? Mit Blick auf die Schule fragt UWE unter anderem nach Zugehörigkeitsgefühl, Beziehungen zu Gleichaltrigen, Respekt und Mobbing.

Die Pilotstudie fand 2017 in Herne statt, später kam Bottrop dazu. Die aktuell ausgewerteten, etwa 45-minütigen Befragungen fanden im Jahr 2019 in den siebten und neunten Klassen beider Städte statt. Insgesamt besuchen 2.711 Kinder die entsprechenden Klassen, davon nahmen 1.751 an der Befragung teil.

Wenig eindeutige Zusammenhänge mit dem Wohnviertel

Es zeigte sich, dass die Gymnasien sich für fast jede der betrachteten Dimensionen eher im oberen Wertebereich befinden, allerdings mit einer Ausnahme: Die Beziehungen zu Erwachsenen wurden unterdurchschnittlich bewertet. Die Gesamtschulen hingegen haben in den meisten anderen Dimensionen vergleichsweise niedrigere Werte, während es bei den anderen Schulformen eine relativ große Streuung gibt: Sowohl die Schule mit dem geringsten als auch die Schule mit dem höchsten Durchschnittswert des Wohlbefindens ist eine der sogenannten anderen Schulformen, also eine Haupt-, Real- oder Sekundarschule. Das gilt auch für Schlaf, Ernährung und subjektiven Wohlstand.

Bezogen auf das Wohnviertel konnten die Forschenden wenige eindeutige Zusammenhänge zum Wohlbefinden erkennen. „Wohlbefinden und stärkende Ressourcen von Kindern und Jugendlichen reihen sich nicht in die Systematik der üblichen kleinräumigen Sozialberichterstattung ein. Die Stadtteiltypen strukturieren das Bild weit weniger stark als die Schulformen“, resümierte Prof. Dr. Sören Petermann. So war das subjektive Wohlbefinden auch in von Armut geprägten Stadtteilen nicht weniger ausgeprägt als in wohlhabenderen.

Tipps für den Alltag

Mit Blick auf ein mögliches Eingreifen wertete das Forschungsteam aus, wem es eigentlich besonders schlecht geht. 18 Prozent der befragten Kinder gaben ein unterdurchschnittliches Wohlbefinden an. 69,7 Prozent von ihnen Mädchen. „Warum sich Mädchen weniger wohlfühlen, sollte weiter erforscht werden“, so Sören Petermann. Auch Kinder von Alleinerziehenden gaben häufiger ein geringes Wohlbefinden an als der Durchschnitt. Einige Gesamtschulen – aber nicht alle – weisen ebenfalls niedrigere Werte aus.

Als Tipps für den Alltag, die für mehr Wohlbefinden sorgen könnten, nennen die Forschenden zum Beispiel eine Kooperation mit einer Bäckerei für ein Frühstücksprogramm, gemeinsame Frühstücks- oder andere Pausen oder ein Tutorensystem an Schulen. Man könnte auch die Sportangebote anpassen oder zielgerichteter darüber informieren, was es alles an Angeboten gibt. „So können auf kommunaler Ebene gezielt lokale Angebote in Familienzentren, Jugendzentren oder in der Jugendarbeit platziert und mit Informationen zu den dort besonders ausgeprägten Problemlagen versorgt werden“, fasste Petermann zusammen.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum vom 02.11.2021

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