Weltarmutsbericht

Corona-Pandemie verschärft Hunger und Armut weltweit

Kindergruppe mit einem alten Holzkarren auf einem Schotterweg
Bild: Mohit Tomar - unsplash.com

Der von der Weltbank alle zwei Jahre veröffentlichte Weltarmutsbericht zeigt, dass die Corona-Krise dieses Jahr 115 Millionen Menschen in extreme Armut gestürzt hat – entgegen des Trends der letzten Jahrzehnte. Entwicklungsminister Müller fordert, dass vor allem Europa mehr tun müsse.

Anlässlich der neuen Weltbank-Zahlen erklärte Entwicklungsminister Gerd Müller: „Die Corona-Krise stoppt die langfristigen Erfolge bei der Armutsbekämpfung in der Welt. In diesem Jahr werden bis zu 115 Millionen Menschen in extreme Armut fallen. Das macht viele Fortschritte der letzten drei Jahrzehnte zunichte: Seit 1990 sank die extreme Armut von 1,9 Milliarden Menschen um fast zwei Drittel und das, obwohl im gleichen Zeitraum die Weltbevölkerung um 2,2 Milliarden Menschen gewachsen ist. Die Armutsrate konnte so von 36 auf neun Prozent gesenkt werden. Corona führt jetzt erstmals seit Jahren wieder zum Anstieg von Armut und Hunger in der Welt. Jetzt erst recht müssen wir am Ziel einer Welt ohne Hunger und Armut festhalten. In vielen Entwicklungsländern hat die Pandemie zu einer massiven Armuts-, Hunger- und Wirtschaftskrise geführt. Vor allem Europa muss mehr tun, um Entwicklungsländer mitten in der Krise zu stabilisieren."

Die ärmsten Länder werden am härtesten getroffen

David Malpass, Präsident der Weltbank-Gruppe, ergänzte: „Corona verbreitet sich weltweit rasant. Wir erleben eine globale Rezession von historischem Ausmaß. Die Krise trifft die Ärmsten der Welt am härtesten. Heute sind gute entwicklungspolitische Wirkungen sowohl schwieriger als auch entscheidender. Mir machen diejenigen Länder Mut, die bereits entschlossen handeln, schnell lernen und ihre Erfahrungen und Ergebnisse zum Nutzen anderer weitergeben. Wir brauchen eine klare Kommunikation und müssen zusammenarbeiten, um den coronabedingten Einbruch zu überwinden und eine bessere Welt zu schaffen, wenn diese Krise vorbei ist."

Nach dem Weltarmutsbericht lebt fast die Hälfte aller extrem armen Menschen in Afrika südlich der Sahara in nur fünf Ländern – Nigeria, Kongo, Tansania, Äthiopien und Madagaskar. Dort ist das Bevölkerungswachstum besonders hoch. Allein in Nigeria wird sich die Bevölkerung in 30 Jahren auf 400 Millionen Menschen verdoppeln und so die drittgrößte der Welt sein.

Corona-Sofortprogramm soll Entlastung bieten

Deutschland geht mit einem weltweiten Corona-Sofortprogramm für drei Milliarden Euro voran und setzt es in den folgenden Schwerpunkten um: Ernährungssicherung, Unterstützung von Flucht- und Krisenregionen, Stärkung der Gesundheitssysteme, Sicherung von Jobs und Unternehmen.

  • In Indien wird das Programm „Soziale Sicherung“ mit kurzfristig verfügbaren Krediten von 460 Millionen Euro unterstützt. So helfen wir gemeinsam, dass Nahrungsmittel an 800 Millionen Menschen verteilt und Überbrückungshilfen an 320 Millionen Menschen geleistet werden können, die in der Corona-Krise ihren Job verloren haben.
  • In Bangladesch werden entlassene und in Existenznot geratene Textilarbeiterinnen und -arbeiter über Lohnersatzleistungen unterstützt. Damit erhalten zusätzlich 215.000 Arbeiterinnen und Arbeiter für drei Monate eine Absicherung.
  • In Jordanien wird das nationale soziale Sicherungssystem mit 50 Millionen Euro unterstützt, um 100.000 Haushalten über einen Zeitraum von 12 Monaten zu helfen, die ihr Einkommen bisher aus informeller Arbeit bezogen haben und wegen Corona arbeitslos und ohne soziale Sicherung sind.
  • In Tunesien wird ein UNICEF-Sozialprogramm finanziert, das über 300.000 besonders betroffene Familie mit Kindern während der Pandemie mit kurzfristigen Transfers unterstützt.
  • Im südafrikanischen Malawi unterstützt das BMZ in der Krise 63.000 von rund 280.000 armen Haushalten mit kurzfristigen Überbrückungszahlungen.

Der Weltarmutsbericht 2020 ist auf der Webseite der Weltbank zum Download verfügbar: www.worldbank.org/en/publication/poverty-and-shared-prosperity 

Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vom 07.10.2020