Sozialforschung / Im Fokus

20 Jahre KomDat: Ein Ende des Wachstums in der Jugendhilfe nicht in Sicht

Illustration die eine Lupe und unterschiedliche Icons zeigt wie beispielsweise ein Tortendiagramm
Bild: rawpixel.com

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) veröffentlicht seit 20 Jahren drei Mal jährlich „Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe“ (KomDat). Die Jubiläumsausgabe beschäftigt sich u.a. mit dem weiterhin hohen Personalbedarf und den Ausgaben der öffentlichen Haushalte für die Kinder- und Jugendhilfe. Außerdem stehen ausführliche Analysen aus den einzelnen Arbeitsbereichen zur Verfügung, wie immer auf Basis der amtlichen Statistik.

Seit Juni 1998 werden die Analysen der vom BMFSFJ und MKFFI NRW geförderten Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) in der Projektpublikation „Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe“ (KomDat) – veröffentlicht. Die Jubiläumsausgabe weist im Gegensatz zu regulären Heften einige Besonderheiten auf. Sie fällt mit 36 Seiten umfangreicher aus als jedes andere Heft vorher. Dies liegt einerseits an dem besonders breiten Themenspektrum – angefangen mit den Strukturen über die Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe bis hin zu einzelnen Arbeitsfeldern sowie Fragen des Kinderschutzes und der regionalen Unterschiede. Das hat andererseits aber auch damit zu tun, dass wir in den Beiträgen bis in die Anfänge des SGB VIII und von KomDat zurückschauen, aber jeweils die aktuellen Ergebnisse der amtlichen Statistik berücksichtigen.

800.000 Beschäftigte in der Kinder- und Jugendhilfe 

Die Autorinnen und Autoren zeichnen wesentliche Entwicklungen der Kinder- und Jugendhilfe nach. Die Kinder- und Jugendhilfe hat in diesem Jahrhundert, gemessen an ihrem Personal, geradezu einen Boom erlebt. Dieser wurde zwar vor allem durch das Wachstum der Kindertagesbetreuung ausgelöst, aber auch andere Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe haben – entgegen aller Befürchtungen – ihren Teil dazu beigetragen. Eng verwoben ist diese personelle Expansion mit sozialen und gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen. Mit mehr als 800.000 Beschäftigten ist die Kinder- und Jugendhilfe inzwischen einer der größten Teilarbeitsmärkte im Bereich der Sozial- und Erziehungsberufe. Und: Ein Ende dieses Wachstums ist noch nicht in Sicht.

Neben dem Personal waren auch die Ausgaben der öffentlichen Haushalte für die Kinder- und Jugendhilfe immer ein wichtiges Thema in KomDat. Es ist nicht nur ein Aufreger-Thema, sondern mithilfe der Ausgaben kann zugleich das gesamte und vielfältige Leistungs- und Angebotsspektrum der Kinder- und Jugendhilfe zusammenhängend dargestellt werden. Die Jubiläumsausgabe zeichnet zentrale Entwicklungen und Themen nach, die in einem Rückblick auf 25 Jahre aufbereitet werden. Zugleich werden erstmals die neuesten Entwicklungen der Ausgaben im Haushaltsjahr 2016 dargestellt und kommentiert. Im Vordergrund stehen: die Entwicklungsdynamik der Gesamtausgaben, die besondere Bedeutung der Kindertagesbetreuung, die Ausgabensituation für die verschiedenen Formen der Hilfen zur Erziehung sowie die finanziellen Herausforderungen durch die Betreuung der unbegleitet eingereisten ausländischen Minderjährigen.

Themenspektrum der Kinder- und Jugendhilfe 

Die Bedeutung der Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege hat seit Einführung des SGB VIII Anfang der 1990er-Jahre in einem Ausmaß zugenommen, das ohne Vergleich ist. Aufgrund der beiden Rechtsansprüche – zunächst für Kinder ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt und dann ab dem vollendeten ersten Lebensjahr – hat die Kindertagesbetreuung eine zuvor unbekannte Expansion erreicht.  Aber auch die Hilfen zur Erziehung haben sich nicht nur ausfifferenziert, sondern quantitaiv etabliert. An Bedeutung gewonnen haben im Zuge dessen insbesondere die ambulanten Hilfen, allen voran die Sozialpädagogische Familienhilfe. Nicht alle Veränderungen sind dabei auf mittelbare oder unmittelbare Auswirkungen des SGB VIII zurückzuführen. So prägten rückblickend diverse Fachdiskurse das zweitgrößte Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe – allen voran die Kinderschutzdebatte Mitte der 2000er-Jahre und die Diskussion um die Weiterentwicklung und Steuerung
der erzieherischen Hilfen ab 2011. Und auch gesellschaftliche Anforderungen hinterlassen ihre Spuren, wie jüngst
der Bedarf junger Menschen, die unbegleitet nach Deutschland eingereist sind.

Weitere Themen sind der Kinderschutz, die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Datenauswertungen.

Die vollständige Jubiläumsausgabe KomDat (PDF 4,7 MB) steht auf der Website der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik kostenlos zum Download zur Verfügung.

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) ist Teil des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund und wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 1997 analysiert die AKJStat die Ergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik und berücksichtig dabei insbesondere die verschiedenen Handlungsfelder, wie die Kindertagesbetreuung, die Hilfen zur Erziehung oder die Kinder- und Jugendarbeit. Darüber hinaus entwickelt sie im Dialog mit Statistischen Ämtern sowie der Fachpraxis, Politik und Wissenschaft Vorschläge zur Weiterentwicklung der Statistik.

Quelle: Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/ Technische Universität Dortmund 

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