Kindheitsforschung / Familienforschung

Vorlesestudie 2016: Kinder fordern "Lest uns mehr vor!"

Die Mutter liest ihrem Sohn etwas aus einem Buch vor
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Das Ergebnis ist eindeutig: 91 Prozent der Kinder in Deutschland gefällt es gut, wenn ihnen vorgelesen wird. Auch bei Kindern aus Haushalten mit mittlerer und niedriger Bildung liegt dieser Wert bei 90 bzw. 86 Prozent (hohe Bildung: 94 Prozent). Das ist das Ergebnis der 10. Vorlesestudie, durchgeführt von der Stiftung Lesen.

Fast jedes dritte Kind, dem vorgelesen wird, wünscht sich, dass dies öfter geschieht (30 Prozent). Bei Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wird, ist es jedes zweite (49 Prozent). Nach wie vor liest knapp ein Drittel der Eltern ihren Kindern zu selten vor. Das zeigt die Vorlesestudie 2016, für die die Kinder selbst befragt wurden.

Die Studienleiterin Dr. Ehmig, Leiterin Institut für Lese- und Medienforschung, wies darauf hin, dass jeder Kindern vorlesen kann. Tatsächlich seien es zwar meistens die Eltern und vor allem die Mütter, die diese Aufgabe übernehmen. Kinder schätzten die gemeinsame Zeit und vertraute Atmosphäre mit ihren Eltern. "Aber auch das Vorlesen außerhalb der Familie, zum Beispiel durch Ehrenamtliche, ist wertvoll. Denn gute Geschichten spielen ebenfalls eine große Rolle für die Kinder."

55 Prozent der Kinder gefällt die Gemütlichkeit beim Vorlesen, 46 Prozent schätzen tolle Geschichten. Für jüngere Kinder steht dabei der Humor im Mittelpunkt. Bei älteren rücken Spannung und die Identifikation mit den Hauptfiguren in den Vordergrund.

"In Deutschland müssten Kinder geradezu ein ‚Grundrecht‘ auf Vorlesen haben. Denn hier liegt der Schlüssel zu Bildung. Wer nicht lesen und schreiben kann, wird in unserer Gesellschaft durch das Raster fallen. Denn wie sollen sich Kinder oder Jugendliche sonst im Alltag, im Supermarkt, bei Behördengängen oder in den sozialen Netzwerken sicher bewegen? Deshalb muss das Vorlesen in Deutschland, wo die Bildung einen so hohen Stellenwert hat, selbstverständlich sein. Es gibt keinen Grund, den Kindern den Wunsch nach einer guten Vorlesegeschichte nicht jeden Tag neu zu erfüllen", so Antje Neubauer, , Vorsitzende Fachkuratorium Bildung Deutsche Bahn Stiftung, in ihrer Bewertung der Ergebnisse.

"Die Studie zeigt, dass fast alle Kinder das Bedürfnis haben, vorgelesen zu bekommen – und alle Eltern können es erfüllen, unabhängig von Bildung und Herkunft", ergänzte Manuel Hartung, Ressortleiter Chancen DIE ZEIT. "Das bedeutet: Vorlesen ist für alle da. Es erfordert in erster Linie ein wenig Zeit."

Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, formulierte abschließend das Ziel: "Wenn Leseförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen wird, können wir bis 2020 den Anteil der Eltern, die zu selten vorlesen, auf 20 Prozent senken, bis 2030 auf 10 Prozent. Dann verfügen neun von zehn Kindern über die Bildungs- und Entwicklungschancen, die ihnen gerechterweise zustehen."

Die Vorlesestudie ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH und wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2016 hat das Feld-institut Iconkids & Youth vom 14. Juni bis 8. Juli 521 repräsentativ ausgewählte Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren und ihre Mütter aus ganz Deutschland persönlich befragt.

Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2016 finden sich unter  www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Quelle: Stiftung Lesen vom 14.10.2016

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