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Kindheitsforschung

WSI: Fast jedes fünfte Kind ist arm

Fünf Kinder spielen auf einem Klettergerüst.

Das Wirrtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans Böckler Stiftung berichtet, dass in Ostdeutschland deutlich mehr Kinder von Armut bedroht sind als im Westen. Spitzenreiter ist allerdings das westdeutsche Bremen.

Bundesweit leben 18,9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter der Armutsschwelle, 17,4 Prozent im Westen und 26,3 Prozent im Osten. Erstmals haben die WSI-Forscher Helge Baumann und Eric Seils die Daten für 39 einzelne Regionen in der Bundesrepublik ausgewertet - und können damit ein differenziertes Bild über Kinderarmut liefern. Ihr Befund: Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, auch in Bremen ist der Anteil von Armut bedrohter Kinder besonders hoch. Im Nordosten sind es 33,5, im nördlichen Westen sogar 33,7 Prozent. Die mit 9,9 Prozent niedrigste Kinderarmutsquote findet sich in der Oberpfalz.

Seils und Baumann verwendeten für ihre Untersuchung eine Sonderauswertung des Mikrozensus aus dem Jahr 2012. So zeigt sich auch: Seit 2005 haben sich die Armutsquoten zwischen Ost und West insgesamt deutlich angenähert. In Bayern und Baden-Württemberg sind jedoch weiterhin vergleichsweise wenige Kinder von Armut betroffen. Teile Nordrhein-Westfalens weisen hingegen eine überdurchschnittlich hohe Quote auf - mit steigender Tendenz.

Als armutsgefährdet gilt nach gängiger wissenschaftlicher Definition, wer über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügt. Ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren rutscht zum Beispiel mit einem Monatseinkommen von 1.564 Euro unter diese Schwelle. Einkommensarmut geht nach Analyse der Wissenschaftler häufig mit gravierenden Mängeln bei der sozialen Teilhabe einher, oft auch bei der materiellen Ausstattung: Bundesweit können rund 70 Prozent der armutsgefährdeten Kinder keinen Urlaub machen. Ein gutes Viertel im Westen und ein Drittel im Osten hat zu Hause nicht genügend Platz. Jedes elfte West- und jedes siebte Ostkind lebt in einer Wohnung mit feuchten Wänden. Auch Winterkleidung fehlt: In Westdeutschland gilt das für knapp 10, in Ostdeutschland für 12 Prozent der armutsgefährdeten Kinder.

Weitere Informationen:

Quelle: Böckler Impuls Ausgabe 01/2014