Kindheitsforschung / Sozialforschung

Das Moralverständnis von Kindern näher erforschen

Ein Sohn spielt mit seinem Vater mit Bauklötzen, greift ihm in den Bart und schaut ihn an
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„Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren“, behauptete die berühmte Reformpädagogin Maria Montessori einmal. Doch wie verhalten sich Kinder, wenn man ihnen klare Anweisungen gibt und wie beeinflusst dies deren Moralvorstellungen? Prof. Dr. Susanne Hardecker, Professorin für Methodenlehre in den Gesundheits- und Sozialwissenschaften an der SRH Hochschule für Gesundheit, beschäftigt sich in ihrer Forschung u.a. mit der Fragestellung, ob Kinder rigide in ihrer eigenen Moral werden, wenn sie Anweisung von Erwachsenen erhalten.

Im Journal of Experimental Child Psychology hat Prof. Dr. Susanne Hardecker eine Studie mit dem Titel „Adult instruction limits children's flexibility in moral decision-making“ veröffentlicht, die sich thematisch mit der moralischen Entwicklung von Kindern beschäftigt.

Testsituation im Spiel mit Bauklötzen

Zu diesem Zweck wurden 48 Paare aus jeweils zwei 5-jährigen Kindern bei einem gemeinsamen Spiel beobachtet, in dem sie gemeinsam durch Kooperation versuchen mussten, Bauklötze zu erspielen. Diese Bauklötze konnten sie später individuell gegen Überraschungen eintauschen, wobei ein Kind umso mehr Überraschungen erhielt, je mehr Bausteine es hatte. Die Paare wurden einer von drei Bedingungen zugeteilt: (a) entweder erhielten sie die Anweisung durch einen Erwachsenen die Bausteine, die sie durch das Spiel erzielt hatten, gleich aufzuteilen, oder (b) durften selbst Regeln bilden wie die Bausteine aufgeteilt werden oder (c) erhielten keinerlei Form der Instruktion. In allen Bedingungen teilten die Kinder die Bausteine jedoch immer gleich auf, es unterschied sich also lediglich der Weg, wie sie zur Gleichaufteilung kamen.

Anschließend wurde dieser Test mit den Kindern wiederholt, allerdings mit neuen Interaktionspartnern, die sich mehr im Spiel anstrengen mussten als die Kinder selbst und bedürftiger waren, da sie mehr Bausteine brauchten als das Kind, um eine Überraschung zu gewinnen. Die Studie untersuchte nun, wie sehr die Kinder bereit sein würden, von der vorangegangenen Gleichaufteilung abzuweichen, wenn es einen guten Grund, also mehr Leistung oder Bedürftigkeit, dafür gibt.

Kinder lassen sich durch Erwachsene in moralischen Entscheidungen einschränken

Prof. Dr. Susanne Hardecker und ihr Team fanden heraus, dass Kinder, die eine Instruktion durch einen Erwachsenen erhielten, dem bedürftigen bzw. schwerer arbeitenden Partner weniger Bausteine abgaben, als die Kinder, die keine Instruktion erhielten. Kinder ließen sich also durch das erwachsene Urteil in ihren moralischen Entscheidungen einschränken und blieben häufiger bei der Gleichaufteilung.

Diese Studie ist ein wichtiger Beitrag dahingehend, die Komplexität des moralischen Lernens von Kindern zu begreifen und die vielseitigen Rollen zu verstehen, die Erwachsene und Gleichaltrige dabei spielen.

Die Studie (in englischer Sprache) ist auf den Seiten von ScienceDirect einsehbar.

Quelle: SRH Hochschule für Gesundheit vom 23.07.2019

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