Bremen

2. Förderphase für Langzeitstudie BRISE zur frühkindlichen Förderung

Ein Kleinkind mit einem Tshirt auf dem ein Panda abgebildet ist hält lachend einen roten Luftballon in der Hand
Bild: Alyssa Stevenson - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) ist im März in die zweite Förderphase gegangen. Das Forschungsprojekt untersucht erstmals in der Bundesrepublik systematisch, umfassend und über längere Zeiträume die Wirkung durchgängiger Förderung auf die Entwicklung von Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien. Das Projekt setzt in der Regel schon vor der Geburt des Kindes an und endet im Jahr der Einschulung. Eltern und Kinder werden bis Februar 2025 begleitet.

Neben der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport sind auch die Senatorin für Kinder und Bildung und die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz beteiligt. Der Bund und die Jacobs Foundation unterstützen das Forschungsprojekt mit Millionenbeträgen.

„Alle Großstädte stehen vor der Herausforderung, dass sie in sozial und kulturell benachteiligten Milieus exzellente Förderangebote bereithalten müssen, wenn sie die soziale Spaltung nicht zementieren wollen,“ sagte Senatorin Anja Stahmann. „Wir wollen nun wissen, ob wir spürbare Effekte erzielen, wenn wir Eltern und Kinder konsequent auf unsere vorschulischen Förderprogramme orientieren, sodass eine nahtlose Förderkette von der Geburt bis zur Einschulung entsteht.“ Davon verspreche sie sich Erkenntnisse, „die uns helfen, der sozialen Benachteiligung von Kindern in ihrem gesamten Bildungsweg schon in der entscheidenden Phase ihrer frühkindlichen Entwicklung entgegenzuwirken.“

„Kleine Kinder, Säuglinge, Krabbelkinder, Vorschulkinder entwickeln sich so rasant, sie brauchen immer wieder neue Herausforderungen, aber auch Bestätigung, Zuspruch und Hilfe, wenn nicht alles glatt läuft,“ sagte die langjährige Leiterin der Abteilung „Familie“ in der Sozialbehörde, Dr. Heidemarie Rose, die BRISE in den Grundstrukturen in Kooperation mit der Jacobs Foundation konzipiert und die Akteure an einen Tisch geholt hat. „Wir verknüpfen zum größten Teil bereits bestehende, erprobte und in Deutschland bekannte Maßnahmen zu einer Förderkette und untersuchen, inwiefern diese Förderkette Einzelmaßnahmen überlegen ist. Dabei geht es uns um die Förderung der kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern aus benachteiligten Familien.“

Projektphase bis 2025 gesichert

BRISE ist unter der Projektleitung der Sozialsenatorin mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Jahr 2017 in die erste Projektphase gestartet. Mit der jetzt erfolgten Zusage des Ministeriums, die Studie für weitere vier Jahre zu unterstützen, ist nun die zweite Projektphase bis 2025 gesichert. Derzeit nehmen 380 Familien aus 37 Ortsteilen teil, davon waren fast zwei Drittel bereits vor der Geburt der Kinder eingebunden, gut ein Drittel spätestens zehn Wochen nach der Geburt. Die Zahl der teilnehmenden Familien soll bis Jahresende 2021 weiter steigen. Die Familien werden in ihren Wohnquartieren eingebunden in die bestehenden Förderangebote und in der Kindertagesbetreuung begleitet.

„Die ersten Lebensjahre sind prägend in der Entwicklung eines Kindes und damit entscheidend für sein späteres Leben,“ betonte Simon Sommer, Mitgeschäftsführer der Jacobs Foundation. „Mit BRISE setzen die beteiligten Partner ein starkes Zeichen für die Bedeutung der frühkindlichen Bildung in Europa.“

„Die Frühen Hilfen setzen bereits in der vorgeburtlichen Umsorgung und in der Beratung über nachgeburtliche Sorge und Pflege an,“ sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard. „Über Programme des Gesundheitsamtes wie TippTapp, die Familienhebammen und Elternschulen an Krankenhäusern erreichen wir Familien von Anfang an und unterstützen sie in der ersten Zeit.“

Kinder brauchen Perspektiven und Chancen

Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung, betonte: „Kinder brauchen Perspektiven und Chancen. Die wollen wir ihnen durch ein umfassendes Bildungsangebot eröffnen. Dabei müssen die verschiedenen Herausforderungen und Belastungsfaktoren der jeweiligen Lebensumstände von früh auf berücksichtigt werden.“ Die Senatorin sieht in BRISE die Möglichkeit zur „Weiterentwicklung von ressortübergreifenden Arbeitsstrukturen, orientiert an den biografischen Entwicklungsverläufen von Kindern“. Weiter sagte sie: „Es geht auch darum, die weitere Entwicklung und Erprobung von Strukturen, die die Stärkung des Hilfe- und Bildungssystems für Kinder unterstützen, weiterzuentwickeln. BRISE soll die Wirksamkeit von nachhaltiger kognitiver und sozial-emotionaler Förderung von Kindern in einem sozial benachteiligten Umfeld erforschen. Aus den Erkenntnissen wollen wir möglichst konkretes Handlungswissen erzeugen und Standards im Hinblick auf Qualitätsanforderungen entwickeln. Es gibt bereits gute Ansätze in Bremen, die sind aber ausbaufähig.“

Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling betonte die „überregional große Bedeutung“ der Studie, „denn die Ergebnisse können auch auf andere Standorte in Deutschland übertragen werden“. Senatorin Schilling weiter: „Deshalb freue ich mich sehr, dass es gelungen ist, das ambitionierte Projekt BRISE mit Beteiligung der Universität Bremen durchzuführen.“ Es würden durch „ein großes Konsortium hochrangiger wissenschaftlicher Einrichtungen“ wichtige „Erkenntnisse über die optimale Förderung von Kindern ab der Geburt bis zur Einschulung gewonnen. Dadurch, dass die Ergebnisse der Studie auch auf andere Standorte in Deutschland übertragen werden können, hat die Studie zudem eine große überregionale Bedeutung.“

Prof. Dr. Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor am IPN und Leiter des Wissenschaftskonsortiums, sieht in BRISE „die einmalige Chance, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Förderpraxis zu transferieren und gleichzeitig neues Wissen darüber zu gewinnen, wie Förderprogramme weiter verbessert werden können, um soziale Ungerechtigkeiten zu reduzieren“. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung untersucht dabei auch die indirekten Kosten- und Nutzenströme, bezogen auf die finanziellen Investitionen und möglichen ökonomischen Renditen, die mit einer durchgängigen Förderkette verbunden sein können.

Hintergrund und Finanzierung

BRISE wird von einem interdisziplinären Wissenschaftskonsortium getragen, an dem folgende wissenschaftliche Institutionen beteiligt sind: die Universität Bremen, das IPN (Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, die Universität Bamberg, das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, die Universität Heidelberg, das DIPF (Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) sowie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Zu den BRISE-Projektpartnern gehören das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das die wissenschaftliche Begleitforschung über die Laufzeit von acht Jahren mit insgesamt rund 14,8 Millionen Euro fördert, sowie die Jacobs Foundation mit einem Fördervolumen von insgesamt drei Millionen Euro für den Ausbau der Förderprogramme Pro Kind, TippTapp, Opstapje, HIPPY, für Qualifizierungsinitiativen insbesondere in der Bildungsarbeit in Kitas, für den Aufbau von kommunalen Steuerungsverfahren und für die Forschungsausstattung der Universität Bremen für beide Projektphasen. Für die Bereitstellung und den Ausbau der Förderangebote wendet Bremen in beiden Projektphasen zusammen rund sechs Millionen Euro auf. „Mit diesen Mitteln wurde das bestehende Angebot abgesichert und weiter ausgebaut, besonders in Ortsteilen mit einer hohen Anzahl an Familien, die besonders von der Förderung profitieren,“ sagte Senatorin Stahmann.

Quelle: Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport der Freien Hansestadt Bremen vom 29.03.2021

Info-Pool