Bayern

Was schätzen Jugendliche am Landleben?

Ein verschneites Dorf in einer Mittelgebirgslandschaft
Bild: Wei Zhu – pixabay.com

Die Studie „Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt“ der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Bayern liefert Erkenntnisse über Motive junger Menschen zum Bleibe- und Rückkehrverhalten in ländlichen Kommunen Bayerns. Daraus gehen Vorschläge für Politik und Jugendarbeit hervor.

Seit vielen Jahren arbeit die KLJB Bayern zur Thematik der Entwicklung ländlicher Räume. Für die aktuelle Studie befragte sie von 2017 bis 2019 rund 600 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren. Die Befragten leben in drei Regionen Bayerns, die vorhandene strukturelle Unterschiede im Raum darstellen: vom Bayerischen Wald als „Teilraum mit besonderem Handlungsbedarf“ bis zum Regensburg Umland, das Merkmale eines Verdichtungsraumes aufweist.

Das Forschungsprojekt, das die KLJB in Zusammenarbeit mit dem Instituts für Stadt- und Regionalmanagement München durchführte, liefert Erkenntnisse, aus welchen Motiven junge Menschen in ländlichen Kommunen Bayerns bleiben oder dorthin zurückkehren. Es berücksichtigt dafür das Verhältnis von harten und weichen Standortfaktoren und gibt außerdem Handlungsempfehlungen für kommunale Akteure und die Jugendarbeit am Land zur Verbesserung der Bleibebereitschaft.

Großes Interesse an der Thematik

Fast 150 Teilnehmende kamen am Wochenende zur Vorstellung der Studie bei einer Online-Fachtagung zusammen. Zahlreiche Expert(inn)en besprachen die Ergebnisse der Studie und diskutierten aus verschiedenen Perspektiven Impulse für Jugendarbeit, Regionalmanagement und Kommunalpolitik.

Der Fachautor und Berater für Jugendpolitik Winfried Pletzer verwies auf Themen, die bei jungen Menschen auf dem Land vorherrschen: Verkehr, digitale Infrastruktur, Umwelt und mangelnde Jugendbeteiligung. Kommunale Jugendpolitik ist für ihn gerade auch Aufgabe kleiner Kommunen, die im Feld der Jugendarbeit am nächsten dran sind: „Jugendpolitik wird oft nur als ein Problemfeld gesehen, es ist aber eine elementare Standortfrage und Zukunftsfrage jeder Gemeinde!“

Dr. Stefan Detig, ebenfalls Fachautor zum Thema kommunaler Wohnungsbau und Altbürgermeister von Pullach, informierte detailliert über Möglichkeiten auch für günstigen und schnellen Mietwohnungsbau, der gerade junge Erwachsene in ihren Heimatorten halten könne.

Soziale Perspektiven auf dem Dorf

Für KLJB-Landesgeschäftsführerin Maria Stöckl ist die große Stärke des sozialen Miteinanders und des Lebens der Vereine und selbst organisierter Kultur auf dem Land zugleich immer verbunden mit der Aufgabe, junge Lebenswelten in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und alle mit einzubinden statt ausgrenzend zu wirken. Die KLJB leiste dazu ihren eigenen Beitrag und will dieses weiter verstärken.

Theresa Schäfer, Referentin für Ländliche Räume der KLJB-Landesstelle, erklärt, worauf es dem Jugendverband bei der Fachtagung ankam: „Wir wollen nach intensiver Forschung Impulse für Kirche, Politik und Gesellschaft geben, was die Jugend auf dem Land wirklich braucht. Dazu freuen wir uns auf den weiteren Austausch bei anderen Tagungen, wo wir das Forschungsprojekt vorstellen. Wichtig ist uns auch der Kontakt mit einigen sehr guten Beispielen für aktive Jugendprojekte auf dem Land.“

2021 für neue Impulse nutzen

Für Maria Stöckl, KLJB-Landesgeschäftsführerin, ist das zentrale Ergebnis: „Viele junge Menschen leben sehr gerne auf dem Land und meinen damit ihr eigenes Dorf, ihr Umfeld, soziale Netzwerke und das Zugehörigkeitsgefühl als große Stärken. Sie drücken aber auch klar aus, woran es mangelt wie bei den Themen Mobilität, Jugendbeteiligung und Vielfalt auf dem Land. Die letzten zwei Schwächen sind für uns als Jugendarbeit ein bekanntes Thema, die mangelnde Beteiligung an für die Jugend wichtigen Zukunftsfragen vor Ort und die Offenheit auch für schräge Lebensentwürfe und für die Vielfalt der Jugendkulturen. Hier muss die Politik gerade 2021, wenn wieder Lockerungen und öffentliches Leben nach Corona möglich werden, ansetzen, wenn sie die Jugend nicht verlieren will!“

KLJB-Landesvorsitzender Benedikt Brandstetter freute sich über die große Resonanz: „Das zeigt, wie wichtig Jugendforschung und Jugendarbeit auf dem Land ist und wie viele sich dafür engagieren. Wichtig ist uns auch die weitere Verbreitung der Studienergebnisse über die Jugendarbeit hinaus in die Politik, wo es schon einige Gespräche mit uns gibt, um mehr Jugendbeteiligung und eine eigenständige und vielfältige Jugendarbeit auch auf dem Land möglich zu machen.“

Manfred Miosga, Präsident der Akademie Ländlicher Raum Bayern, bewertete die Studie als sehr wichtigen Beitrag zur Debatte um nachhaltige Entwicklung auf dem Land, bei der eine aktive Jugendpolitik ein wichtiger Beitrag auch für kleine Gemeinden sei. Er bemerkte zudem, dass es in Bayern kaum vergleichbare Forschungen zum Stand der gleichwertigen Lebensverhältnisse von Stadt und Land als Verfassungsziel gebe.

Hintergrund

Zur Studie ist eine ausführliche, wissenschaftliche Fachpublikation der Ergebnisse und Bewertungen von beteiligten Fachleuten aus Sozialgeographie, Jugendarbeit und Politikberatung erschienen. Die Fachpublikation ist im Landjugendshop der KLJB Bayern als Druck und Download erhältlich.

Quelle: Katholische Landjugendbewegung Bayern vom 05.12.2020

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