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Jugendforschung / Gender

Vorstellung einer Studie über die Lebenswelten von LSBT*IQ-Jugendlichen

Fünf Paar bunte Kinderturnschuhe hängen an Nägeln an einer Holzwand
Bild: © Halfpoint - Fotolia.com

In Frankfurt wurden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, beauftragt vom Hessischen Landesjugendring, die sich mit den Lebenswelten von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans Jugendlichen beschäftigt.

"Der Landesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, dass alle Jugendlichen in Hessen bestmögliche Chancen haben, ihre Persönlichkeit zu entfalten und ihre Potentiale zu entwickeln", erklärte der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung der Hessischen Landesregierung, Staatssekretär Jo Dreiseitel, der die Tagung im Tagestreff der AIDS-Hilfe in Frankfurt eröffnete, auf der die Studie präsentiert wurde.

Auftraggeber der Studie ist der Hessische Jugendring. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss der hessischen Jugendverbände. Für die Studie mit dem Titel "Wie leben lesbische, schwule, bisexuelle und trans Jugendliche in Hessen?" wurden zehn junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren und fünf junge Erwachsene zwischen 22 und 27 Jahren befragt. Jeweils vier Teilnehmende der Studie bezeichnen sich als lesbisch oder schwul. Weitere sieben bezeichnen sich als trans, bi oder queer. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Stefan Timmermanns von der Frankfurt University of Applied Science.

"Wenn Kinder im Heranwachsen die Erfahrung machen, dass sie Erwartungen nicht entsprechen, die an ‚typische‘ Mädchen und ‚typische‘ Jungs gestellt werden, so findet das nach heutigem Wissensstand häufig lange vor der Pubertät statt. Themen wie ‚Geschlecht‘ oder ‚sexuelle Identität‘ werden in dieser Lebensphase oft noch gar nicht bewusst reflektiert", so Staatssekretär Dreiseitel. Das bestätigen auch die Studienergebnisse: Viele der befragten Jugendlichen haben schon früh in der Kindheit wahrgenommen, dass sie sich "anders" fühlen, als gleichaltrige Freundinnen und Freunde. Ausgehend von diesem Gefühl folgte eine intensive Phase, in der die geschlechtliche und sexuelle Orientierung entdeckt und entwickelt wurde.

Anfänglich herrschte bei den jungen Menschen eine große Unsicherheit, ob die eigenen Gefühle "wahr" sind. Auch deshalb wurden die Gedanken zunächst nicht mit anderen Menschen geteilt. So lange sich die Jugendlichen hinsichtlich ihrer geschlechtlichen und sexuellen Identität nicht sicher waren, wäre es für sie eine große Hürde gewesen, sich an Selbsthilfegruppen oder professionelle Anlaufstellen zu wenden. Im weiteren Verlauf der Identitätsentwicklung wurde es für die jungen Menschen allerdings immer wichtiger, sich mit anderen auszutauschen, z.B. im Internet. Besonders wichtig ist für LSBTQ-Jugendliche auch der Austausch mit anderen jungen Menschen der gleichen geschlechtlichen oder sexuellen Identität. Menschen in einer vergleichbaren Situation fungierten als Rollenvorbilder. Viele der befragten Jugendlichen konnten erfreulicherweise nach ihrem Coming-out von Akzeptanz im Freundeskreis und im sonstigen persönlichen Umfeld berichten.

Im Anschluss an die Präsentation der Studienergebnisse diskutierten die Teilnehmer der Fachtagung, welche Konsequenzen aus den Studienresultaten folgen sollten – und wie LSBT*IQ-Jugendliche noch besser bei der Entwicklung ihrer sexuellen und geschlechtlichen Orientierung unterstützt werden können.

Der Einladung des Jugendrings waren etwa 50 Teilnehmer gefolgt. Die Veranstaltung richtete sich vor allem an Mitarbeiter der Mitgliedsverbände des Jugendrings und der Jugendämter. Die vorgestellte Studie wurde mit 20.000 Euro aus dem Hessischen Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt unterstützt.

"Im Rahmen dieses Aktionsplanes hat die Hessische Landesregierung in den letzten beiden Jahren mit jeweils 200.000 Euro Projekte gefördert, die sich für die Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen und geschlechtlichen Identitäten einsetzen, die freie Entfaltung der Persönlichkeit fördern und sich für ein offenes und diskriminierungsfreies Leben aller Menschen in Hessen einsetzen. Diese Finanzmittel werden wir ab dem kommenden Jahr auf 500.000 Euro aufstocken", so der Staatssekretär. Der Aktionsplan wurde gemeinsam mit den Selbstvertretungsorganisationen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen erarbeitet.

Quelle: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration vom 09.12.2016

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