Jugendforschung

Studie untersucht Freundschaft und Gewalt im Jugendalter

Ein Junge ballt die Faust
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Wissenschaftler des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim erforschen in einer neuen Studie anhand von Freundschaftsnetzwerken die Ursachen für gewalttätiges Verhalten bei Jugendlichen.

Das Thema Gewalt ist nicht nur in den Medien stark präsent, sondern auch ein alltägliches Problem an Schulen. Immer wieder kommt es dabei auch zu schweren Zwischenfällen, bei denen Jugendliche ernsthaft verletzt werden. Warum werden manche Jugendliche zu Tätern oder zu Opfern von Gewalt? Wie lässt es sich erklären, dass manche Jugendliche nur sporadisch zu Gewalt greifen, während andere wieder und wieder auffällig werden? Wie können Schulen vorsorgen, damit ihre Schüler auf Provokationen nicht mit Gewalt reagieren? Diese Fragen möchte das Forschungsprojekt „Freundschaft und Gewalt im Jugendalter“ unter der Leitung des Soziologen Professor Dr. Clemens Kroneberg beantworten. Das Projekt wird am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) mit 420.000 Euro gefördert.

In ihrer Studie fokussieren sich die Forscher vor allem auf die bestehenden Beziehungen der Jugendlichen untereinander. Dieser Aspekt bei der Erforschung gewalttätigen Handelns ist neu und gewährleistet eine umfassende Betrachtung des Gewaltproblems an Schulen. Um herauszufinden, wie sich die Einstellung zu Gewalt bei Jugendlichen herausbildet, werden die kompletten Freundschaftsnetzwerke in einem Jahrgang erfasst. Wer ist mit wem in der Klasse befreundet? Welche Jugendlichen kommen nicht gut miteinander zurecht? Wird Gewalt in der Klasse als legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten betrachtet? „Anhand dieser Netzwerke wird es möglich sein, Aussagen darüber zu treffen, ob sich gewaltbereite Jugendliche Freunde mit ähnlichen Verhaltensmustern suchen und wie die Einstellungen von Freunden und an deren Mitschülern zu gewalttätigem Handeln die eigenen Überzeugungen beeinflussen“, erklärt Projektmitarbeiter Harald Beier. Auf diese Weise wollen die Mannheimer Forscher herausfinden, welche Ursachen es für die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen gibt. In einem zweiten Schritt wollen sie aus den Ergebnissen geeignete Präventionsmaßnahmen ableiten.

Die Wissenschaftler des MZES haben auch schon eine Vermutung, welche Faktoren für Gewalthandeln besonders wichtig sind. Ihre Theorie sagt vorher, dass die Entscheidung zu gewalttätigem Verhalten sehr stark durch die Werte und Normen der Individuen bestimmt ist.
„Wir erwarten daher, dass Jugendliche, die Gewalt von vorneherein als illegitime Handlungsalternative ansehen, weder durch rationale Anreize noch durch den Einfluss von Freunden zu gewalttätigem Handeln getrieben werden“, sagt Harald Beier. „Wie stark Gewalt normativ in den Jugendlichen verankert ist, hängt jedoch stark vom Jahrgangsklima ab.“
Herrsche in einem Jahrgang weitgehend die Auffassung, dass Gewalt ein geeignetes Mittel ist, um auf Provokationen zu antworten, könnten auch unauffällige Schüler zu gewalttätigem Handeln veranlasst werden. „Wenn ein Schüler in der Klasse der Einzige ist, der auf Konfliktsituationen nicht mit Gewalt reagiert, gilt er in der Klasse schnell als ‚Opfer‘“, fügt Projektmitarbeiterin Sonja Schulz hinzu. „Hier ist es wahrscheinlich, dass der Jugendliche seine Einstellung zu Gewalt im negativen Sinne ändert, um zu zeigen, dass er sich nichts gefallen lässt.“

Zur Untersuchung der genannten Fragestellungen sollen im kommenden Schuljahr in mehreren Städten des Ruhrgebiets rund 2200 Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe befragt werden. „Aus früheren Studien wissen wir, dass im Alter von 14 und 15 Jahren die höchste Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen herrscht ˗ um die Ursachen hierfür gut erfassen zu können, fangen wir schon bei den 12 bis 13-Jährigen mit der Befragung an“, sagt Sonja Schulz. Um die Entwicklungsprozesse der Jugendlichen adäquat abbilden zu können, sollen die Teilnehmer zunächst für zwei Jahre im Rahmen wiederholter Befragungen auf ihrem Lebensweg begleitet werden. Bei einer Verlängerung des Projektes durch die DFG über den aktuellen Bewilligungszeitraum hinaus sind Befragungen in insgesamt vier aufeinander folgenden Jahren angedacht.

Mehr Informationen: www.mzes.uni-mannheim.de

Quelle: Universität Mannheim

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