Jugendforschung / Kinder- und Jugendarbeit

Next Generation Germany: Genauso europäisch wie deutsch

Fünf junge Menschen stehen in einer Reihe auf einer Treppe
Bild: rawpixel.com

Junge Menschen in Deutschland identifizieren sich laut einer aktuellen Studie stärker mit ihrer Region oder Stadt als mit ihrem Land. Der Bericht ist Teil der globalen Next-Generation-Forschungsreihe des British Council, welche die Bedürfnisse, das tägliche Leben und die Perspektiven junger Menschen in Ländern untersucht, die einen bedeutenden Wandel erleben.

Die Studie zeigt, dass sich Deutsche im Alter von 18 bis 30 Jahren eher mit ihrer Stadt oder lokalen Umgebung identifizieren als mit ihrem Land und genauso als Europäer sehen wie als Deutsche. Nur 40 Prozent der Teilnehmer gaben an, stolz darauf zu sein, Deutsche/r zu sein, obwohl sie viele Dinge aufzählen konnten, auf die sie in ihrer örtlichen Umgebung stolz sind. Viele Teilnehmer führten dies auf historischen Ballast zurück, der mit dem Stolz auf ihr Land verbunden war, und auf das Gefühl, dass Nationalismus zunehmend mit spaltenden Ansichten verbunden ist.

Nationalismus ist zunehmend mit spaltenden Ansichten verbunden

Dies steht im Gegensatz zur Meinung von jungen Menschen in anderen Teilen der Welt: Next Generation UK hat herausgefunden, dass sich englische und schottische Jugendliche viel häufiger mit ihren jeweiligen Nationen identifizieren als mit ihrer lokalen Gemeinschaft oder mit Europa, während Next Generation Kenia feststellte, dass die meisten jungen Menschen auch dort ein starkes Gefühl von Nationalstolz verspüren.

Die Studie zeigt außerdem, dass deutsche Jugendliche zwar in der Regel mit ihrem Leben zufrieden sind, aber ähnliche Zukunftssorgen haben wie gleichaltrige Menschen auf der ganzen Welt.

Deutsche Jugend steht ihrem Leben generell positiv gegenüber

Der Studie zufolge steht die deutsche Jugend ihrem Leben generell positiv gegenüber, insbesondere in Bezug auf ihre aktuelle Jobsituation und Beschäftigungsaussichten. Wie auch gleichaltrige Befragte in Next-Generation-Studien weltweit äußerten sie jedoch Bedenken, dass das Bildungssystem nicht zweckdienlich sei und fragten sich, wie die deutsche Wirtschaft in Zukunft mit dem Bedarf an Innovation und Flexibilität umgehen werde. Während sie mit Stolz von deutscher Effizienz und guter Handwerkskunst sprechen, sagen sie auch voraus, dass dies nicht die Art und Weise sei, wie die Welt in Zukunft funktionieren werde und sie fürchten, dass sie zurückgelassen werden könnten.

Verglichen mit anderen Forschungen von Next Generation, einschließlich Studien in Großbritannien, der Türkei und Kolumbien, glauben nur 41 Prozent der jungen Deutschen, dass ihre Ausbildung sie auf die Arbeitswelt vorbereitet hat und nur 31 Prozent glauben, dass sie sie gut auf das Leben vorbereitet. Junge Deutsche finden viele lobenswerte Punkte über das Bildungssystem, wie seine Erschwinglichkeit und Zugänglichkeit und die jüngsten Regierungsreformen. Sie würden es jedoch vorziehen, würde es mehr Gewicht auf Finanzkompetenz und digitale Kompetenzen legen.

Wunsch nach digitalen Kompetenzen und Sorge über den Wohnungsbau

Junge Deutsche sind zudem besorgt über den Wohnungsbau – was ähnliche Ängste unter jungen Menschen in Irland und Nordirland widerspiegelt – und finanzielle Sicherheit. 65 Prozent gaben an, dass bezahlbarer Wohnraum eines der größten Probleme ist, mit denen junge Menschen heute konfrontiert sind.

Rachel Launay, Director Germany, British Council, sagt: „Die Forschung von Next Generation ist essenziell, um zu verstehen, wie der British Council sinnvoller mit jungen Menschen zusammenarbeiten kann. Die Studie zeigt einiges an Dingen, die Großbritannien und Deutschland gemeinsam haben, aber sie zeigt auch Unterschiede. Junge Deutsche definieren sich durch eine Vielzahl von Merkmalen und unterschiedlichen Identitäten – regionale und europäische – während junge Briten sich mehr mit ihrer britischen Nationalität identifizieren. Während wir uns in eine neue Ära der Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland begeben, war es noch nie so offensichtlich, wie wichtig es ist, einander in all unserer Vielfalt und Einzigartigkeit zu verstehen und zu schätzen, während wir gleichzeitig die Gleichheit gemeinsamer Geschichten und Ambitionen erkennen.“

Richard Pickering, Forschungsdirektor bei 2CV, sagt: „Wir haben mit einer Vielzahl junger Deutscher aus dem ganzen Land gesprochen, die uns geholfen haben zu verstehen, was es bedeutet, im heutigen Deutschland zu leben. Sie sind sich bewusst, dass sie Glück haben, in einem reichen und stabilen Land zu leben, aber wissen sehr wohl, dass sich die Welt um sie herum verändert. Wir sahen, dass sie sich stark mit ihrer Umgebung identifizierten und dass „deutsch“ nur ein Teil ihrer Identität war, da sie sich selbst genauso europäisch wie deutsch sahen.“ CV2 Research ist ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut, mit dem das British Council die Forschung durchgefüht hat.

Der vollständige Forschungsbericht „Next Generation Germany“ (PDF 3,1 MB) steht im englischsprachigen Original beim Britisch Council zum Download zur Verfügung. 

Weitere Informationen zur Next Generation-Reihe (in englischer Sprache) finden sich ebenfalls dort.

Hintergründe

Nach Informationen des British Council stellt der Bericht Ergebnisse aus einer Mixed-Method-Forschung dar, welche die Zusammenhänge, Einstellungen und Bestrebungen deutscher Jugendlicher im Alter von 18 bis 30 Jahren untersuchen. Die Ergebnisse stammen aus einem ersten qualitativen Online-Sprachpiloten, einer landesweit repräsentativen quantitativen Erhebung unter mehr als 2.000 Jugendlichen, einer Online-Ethnographie mit 24 Jugendlichen sowie sechs qualitativen Tiefeninterviews.

Der British Council ist die internationale Organisation für kulturelle Beziehungen und Bildungsmöglichkeiten des Vereinigten Königreichs. Sein Ziel ist „freundliches Wissen und Verständnis“ zwischen den Menschen im Vereinigten Königreich und anderen Ländern. Er tut dies, indem er einen positiven Beitrag für das Vereinigte Königreich und den Ländern leistet, mit denen er zusammenarbeitet; Leben verändern durch Chancen geben, Verbindungen aufbauen und Vertrauen schaffen.

Er arbeitet mit über 100 Ländern auf der ganzen Welt in den Bereichen Kunst und Kultur, englische Sprache, Bildung und Zivilgesellschaft zusammen. Im vergangenen Jahr wurden über 80 Millionen Menschen direkt und 791 Millionen Menschen insgesamt erreicht: in Publikationen, Ausstrahlungen und online. Der British Council wurde 1934 gegründet und ist eine britische Wohltätigkeitsorganisation, die vom Royal Charter und einer öffentlichen Einrichtung im Vereinigten Königreich verwaltet wird. Weitere Informationen zum British Council in Deutschland: www.britishcouncil.de

Die Forschungsagentur 2CV Research will Menschen eine Stimme geben, damit sie die Welt beinflussen können. 2CV entwirft Forschung, um Veränderungen zu ermöglichen. 2CV arbeitet mit NGOs und öffentlichen und privaten Organisationen zusammen, um Möglichkeiten für Veränderungen zu erkunden. Weitere Informationen: www.2cv.com

Quelle: British Council vom 06.12.2019

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