20 Jahre AFS

Extremismus als Herausforderung für Jugend, Pädagogik und Forschung

Vier Schilder als Wegweiser mit den Wörtern Radikalisierung, Deradikalisierung, Beratung und Prävention weisen in unterschiedliche Richtungen.
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Zum 20-jährigen Jubiläum der Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention (AFS) des Deutschen Jugendinstituts fand eine multimediale Fachtagung statt. Sie gab Einblicke in Themen wie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, islamistischer Extremismus und linke Militanz.

Seit dem Start der Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention (AFS) im Jahr 2000 setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Phänomenen des Rechtsextremismus, des Linksextremismus, des Islamismus im Jugendalter und ihrer pädagogischen Bearbeitung auseinander. „Seit ihrer Gründung hat sich die AFS als feste Größe in der Forschung wie auch in der Präventionsarbeit etabliert“, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in ihrer Videobotschaft zur Veranstaltung.

Die Themen hätten nichts an Dringlichkeit verloren, betont der Soziologe und Leiter der DJI-Fachgruppe „Politische Sozialisation und Demokratieförderung“ Dr. Björn Milbradt, in dessen Fachgruppe die AFS organisatorisch angesiedelt ist. Sind die Herausforderungen durch Radikalisierung und Extremismus seit der Gründung gleichgeblieben, so haben sich die Phänomene jedoch im Laufe der Zeit gewandelt und somit auch die Forschungsthemen der Mitarbeitenden der AFS in Halle (Saale). „Unsere Alleinstellungsmerkmale sind nach wie vor, tiefgreifende Entwicklungs- und Umbruchsprozesse der Fachpraxis zu begleiten und zu erforschen, und die Funktion als Anlaufstelle für Politik, Fachpraxis und Öffentlichkeit, die Unterstützung der Fachpraxis mit der Aufarbeitung wissenschaftlicher Befunde und Expertisen“, erklärt Björn Milbradt.

Aktuell erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der AFS Prozesse der politischen Sozialisation, Hinwendungs- und Radikalisierungsverläufe junger Menschen sowie Maßnahmen und Ansätze der (sozial-)pädagogischen Präventions- und Förderpraxis. Hierbei steht die pädagogische Praxis vor der Aufgabe, sich immer wieder neu zu verorten, anzupassen, umzujustieren und Antworten auf neue Fragen zu finden.

Konflikte um Migration und Religion in Kommunen

Ein Beispiel ist die Bearbeitung lokaler Konflikte um Migration und Religion. Sally Hohnstein, wissenschaftliche Referentin, stellt erste Forschungsergebnisse vor: „Unsere Annahme war und ist, dass die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft auch in den kommenden Jahren, nicht nur in der Auseinandersetzung mit Fluchtzuwanderung, sich im lokalen Raum findet. Diese Konflikte um Migration und Religion sind Ausdruck von gesellschaftlicher Veränderung und sozialer Realität,“ erklärt die Expertin. Jedoch würden Konflikte von institutionellen Akteuren, kommunalen Entscheidungsträgern und Verwaltungen, Bewohnerinnen und Bewohnern häufig als emotionaler „Konflikt“ im Sinne eines Gegenpols von Harmonie, Ordnung und Sicherheit und damit als Problem dargestellt. Für Politik und Verwaltung bedeutet dieser Ansatz, die jeweilige Situation zu reflektieren und somit Konfliktbearbeitung als selbstverständliches Arbeitsfeld in der Kommune anzuerkennen und bei mangelnder Konfliktkompetenz zu unterstützen.

Islamismusprävention, Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit

Ein weiteres Forschungsbeispiel ist die pädagogische Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus. Mit dem Erstarken islamistischer Bewegungen und Terrororganisationen begann auch eine dynamische Entwicklung der islamismusbezogenen Präventions- und Ausstiegsarbeit. Die Bundesprogramme zur Demokratieförderung und Extremismusprävention legten dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf Rechtsextremismus sowie allgemeine Angebote zur Vorurteilsprävention und Stärkung demokratischer Kompetenzen. Mit der Auflage des ersten Bundesprogramms „Demokratie leben!“ im Jahr 2015 wurden zahlreiche Projekte der Islamismusprävention sowie Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit gefördert. In den Jahren 2017 und 2018 wurde diese Förderung unter dem Eindruck – oftmals von jungen Menschen begangener – islamistischer Gewalttaten verstärkt. In dieser Situation bearbeitete die AFS etwa die Frage, ob pädagogische Ansätze und Projektformate, die für die Prävention vor Rechtsextremismus gut funktionieren, entwickelt und etabliert sind, ohne große Anpassungen geeignet sind, zur Bearbeitung und Prävention islamistischer Radikalisierungstendenzen im Jugendalter beizutragen. Sie untersuchten auch, wie die Fachpraxis mit diesen Herausforderungen umgehen könnte.

Weitere Informationen zur Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention finden sich auf der Webseite des Deutschen Jugendinstituts.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut vom 25.11.2020

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