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Jugendforschung / Digitalisierung und Medien

Body-Shaming & Social Media – Studie befragt junge Wienerinnen

Mädchen wird im Internet gemobbt
Bild: © highwaystarz - fotolia.com

„Social Media“ sind heute fester Bestandteil des jugendlichen Alltags − als Trendsettermedien, aber auch als Vermittler fragwürdiger Schönheitsideale. Die bei Jugendlichen beliebten „Social Media” sorgen hier für neue und sehr spezielle Dynamiken. Eine aktuelle Studie des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung zeigt, wie 15- bis 19-jährige Mädchen und junge Frauen die damit verbundenen Problematiken wahrnehmen.

Auf Instagram kursieren problematische Trends wie Bikini Bridge, Thig Gap oder Collarbone Challenge, die Magermodel-Ästhetik jugendkulturell promoten. Und auch außerhalb dieser Trendnischen machen Mädchen und junge Frauen in ihrer Social-Media-Nutzung Erfahrung mit einem Körper- und Menschenbild, das nachdenklich stimmt: Wer nicht den gängigen Vorstellungen von Attraktivität entspricht, erntet dafür schnell „Disrespect”. In ExpertInnenkreisen wird dieses Phänomen unter dem Titel „Body-Shaming” beschrieben.

Wie Mädchen und junge Frauen social-media-basiertes Body-Shaming erleben, wie sie reagieren, wenn sie selbst zu Opfern von Body-Shaming werden, aber auch, welche Rahmenbedingungen es generell braucht, damit Mädchen und junge Frauen in kritischer Distanz zu gängigen Schönheitsidealen ein positives Körpergefühl entwickeln, hat das Institut für Jugendkulturforschung, beauftragt vom Wiener Programm für Frauengesundheit, im Rahmen von Fokusgruppen mit Schülerinnen sowie Lehrlingen, berufstätigen und erwerbsarbeitsuchenden jungen Frauen untersucht.

Studie „Body-Shaming & Social-Media” 

Das Thema „Body-Shaming in Social Media“ ist in den digitalen Lebenswelten der Mädchen und jungen Frauen sehr präsent. Social Media sind Teil des jugendlichen Alltags und negative Kommentare sind aus Sicht der 15- bis 19-jährigen hier „part of the game“; d.h. jede, die Content online stellt, muss damit rechnen, negatives Feedback zu bekommen. Body-Shaming wird dabei nicht als eigenständiges Phänomen, sondern als Teilaspekt von Cybermobbing wahrgenommen und beschrieben.

Körperbild, Schönheitsideale und die Rolle der Medien

Schönheitsideale variieren, wie die Fokusgruppen zeigen, milieuspezifisch: Das im Instagram-Trend #thiggap manifeste extreme Schlankheitsideal greift eher in den Bildungsschichten, im Lehrlingsmilieu wollen die Mädchen zwar nicht dick sein, bewerten weibliche Kurven aber positiver als Schülerinnen.

In beiden Milieus gilt, dass Selbstinszenierungen in Social Media den Gesetzmäßigkeiten des schönen Scheins folgen, d.h. Ziel ist immer, sich optimiert darzustellen, wobei Attraktivitätsstandards, die sozial akzeptiert und von Akteurinnen der Populärkultur vermittelt werden, zugleich Orientierungspunkt und Inspiration sind.

In Bezug auf Rollenmodelle zeigt sich in beiden Gruppen, dass „hübsch sein“ allein nicht ausreicht, um Identifikation zu bieten und als Vorbild zu funktionieren; Akteurinnen, die von den 15- bis 19-jährigen als „coole Frauen“ beschrieben werden, treten als Handlungsträgerinnen, die mit einer speziellen „Attitude“ und/oder speziellen „Skills“ punkten, in Erscheinung.

Negative Kommentare im Netz – Reaktionen und Folgen

Wer Content online stellt, muss mit negativen Kommentaren rechnen und daher lernen damit umzugehen, so die grundsätzliche Position der Mädchen und jungen Frauen. Als Selbstschutzmaßnahme bzw. Tipp, wie man am besten mit negativen Kommentaren umgeht, nennen sie: nicht alles ernst nehmen, was im Netz gepostet wird, und, sobald es zu untergriffig wird, den Täter oder die Täterin blockieren.

Wie negative Kommentare wirken, hängt sehr stark von der Tagesverfassung bzw. der Phase, in der sich die Mädchen/jungen Frauen gerade befinden, ab. Einen Schlag gegen das Selbstwertgefühl sehen sie für sich persönlich (nur) dann, wenn sie einen schlechten Tag haben. Negative Effekte vermuten sie generell eher in jüngeren Zielgruppen, bei 13- oder 14-jährigen, also in einem Alter, in dem sich der Körper verändert und im Zuge dessen viele verunsichert oder auch mit dem eigenen Aussehen unzufrieden sind.

Vorraussetzungen für ein positives Körpergefühl von Mädchen und jungen Frauen 

Mit gängigen Wellness-Konzepten, die im Erwachsenensegment greifen, ist die Zielgruppe der 15- bis 19-jährigen Mädchen und jungen Frauen nicht zu erreichen. Sie messen ihr persönliches Wohlbefinden vor allem an intakten Primärbeziehungen (FreundInnen, Familie, Paarbeziehung), die Sicherheit und soziales Eingebunden­sein garantieren, sowie an ihrer nach eigenen Bedürfnissen gestaltbaren Freizeit, die ihnen Ablenkung vom und Ausgleich zum Schul- und Berufsalltag bietet.

Erwartungen, die das soziale Umfeld an die Mädchen und jungen Frauen stellt, beeinflussen das persönliche Wohlbefinden negativ. Vor allem die Schülerinnen äußern sich diesbezüglich sehr kritisch: Durch Leistungserwartungen erwachsener Bezugspersonen fühlen sie sich unter Druck gesetzt.

Das von geschlechtssensibler Jugendarbeit seit langem verfolgte Anliegen, Mädchen stark zu machen, wird positiv bewertet. Dennoch sind vor allem die Schülerinnen von der Erwartung, dass Mädchen und junge Frauen selbstbewusst(er) auftreten und selbstbestimmt ihre eigenen Wege gehen sollten, in gewisser Weise auch überfordert. Die Botschaft, dass sie einfach sie selber sein und zu dem, wie sie sind, stehen sollten, wirkt auf 15- bis 19-jährige schwierig. Nicht zuletzt deshalb, weil sie in einer biographischen Phase sind, in der es für Mädchen und junge Frauen erst einmal darum geht, herauszufinden, wer sie sind und was sie eigentlich wollen, um ausgehend davon darüber nachzudenken, welche persönlichen Entwicklungsperspektiven sich für sie (sonst noch) auftun.

Weitere Informationen 

Die Studie „Body-Shaming & Social Media” (pdf 2,7 MB) steht als ausführlicher Textkommentar (Langfassung) auf den Webseiten der Stadt Wien zur Verfügung. 

Dort findet sich auch der Fachbeitrag der Studienleiterin Dr. Beate Großegger „Empowerment gegen fragwürdige Körperideale im Web 2.0: Wie 15- bis 19-jährige Wienerinnen darüber denken“ (pdf 1,7 MB) als Kurzfassung.  

Weitere Informationen und Kontakt finden sich außerdem auf den Seiten des Instituts für Jugendkulturforschung oder per Mail: bgrossegger@DontReadMejugendkultur.at.

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung, Dr. Beate Großegger 

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