Familienforschung / Gender

Was Mütter stresst – DJI untersucht Auswirkungen der Erwerbstätigkeit

Eine Mutter arbeitet am Rechner mit der Tochter auf dem Schoß
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Die Erwerbstätigenquote unter Müttern hat zwar stark zugenommen, die Mehrheit arbeitet jedoch in Teilzeit und übernimmt zusätzlich den Hauptanteil an Kinderbetreuung und Hausarbeit. Wenn Väter sie bei diesen Aufgaben unterstützen, entlastet das Mütter aber nur bis zu einem gewissen Grad – zeigt eine Studie von Magdalena Gerum, Dr. Valerie Heintz-Martin und Dr. Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI).

Den Studienergebnissen nach wirkt sich das Engagement der Väter bei Hausarbeit und Kinderbetreuung nur solange ausgleichend auf das Stressempfinden der Mütter aus, bis eine egalitäre Aufgabenteilung erreicht ist: Sobald Väter einen größeren Anteil übernehmen als die Mütter, fühlen sie sich wiederum mehr gestresst. „Mütter scheinen sich von traditionellen Rollenbildern, die ihnen die Hauptzuständigkeit für Care-Arbeit zuweisen, offenbar noch nicht befreien zu können“, erklärt Dr. Claudia Zerle-Elsäßer. „Selbst dann nicht, wenn sie in höherem Umfang erwerbstätig sind als ihre Partner“. Ursache für dieses stärkere Stressempfinden sei möglicherweise, dass Modelle, bei denen der Vater den überwiegenden Anteil der Sorge-Arbeit übernimmt, häufig nicht auf Basis einer gemeinsamen Überzeugung, sondern aufgrund ökonomischer Zwänge gelebt werden. 

Die Soziologin Zerle-Elsäßer und ihre Kolleginnen analysierten Daten des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, kurz: AID:A. Die Stichprobe umfasst Datensätze aus dem Jahr 2014 von mehr als 12.000 Müttern mit Kindern zwischen 0 und 17 Jahren, die zusammen mit den Vätern in einem gemeinsamen Haushalt leben. Die subjektive Stressbelastung der Mütter wurde anhand des WHO-5-Wohlbefindens-Indexes gemessen, der einen Summenwert von 0 (geringes Stressempfinden) bis 25 (hohes Stressempfinden) annehmen kann.

Mehr als ein Viertel der Mütter fühlt sich gestresst

Den Forschungsergebnissen nach hat jede zweite Mutter (50 Prozent) ein mittleres Stresslevel mit Skalenwerten zwischen 9 und 14, rund 23 Prozent der Mütter schildert sogar eine eher hohe Stressbelastung und etwa 3 Prozent berichten von einem sehr hohen Stresslevel. Mithilfe eines statistischen Analyseverfahrens wurde im Rahmen der Studie untersucht, ob und inwiefern potenzielle Faktoren das mütterliche Stresslevel beeinflussen.

Der Umfang der Berufstätigkeit beeinflusst das Stresslevel kaum

Ein Vergleich der befragten Mütter nach Haushaltsnettoeinkommen zeigt, dass ihnen vor allem finanzielle Engpässe der Familie große Sorgen bereiten. Auch pflegebedürftige Familienmitglieder oder zu wenig Zeit für Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten erhöhen den Stress. Der Umfang der Erwerbsstunden wirkt sich den Ergebnissen nach hingegen kaum auf ihr Stressempfinden aus. „Um die Belastung beider Elternteile zu minimieren, sind nicht nur qualitativ gute Angebote der Kinderbetreuung und zusätzliche vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen in Unternehmen notwendig, sondern auch eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber nicht der Norm entsprechenden Modellen der Arbeitsteilung in Familien“, fordert Zerle-Elsäßer vor dem Hintergrund der Studienergebnisse.

Weitere Informationen zur Studie finden sich in dem Online-Artikel „Was Mütter stresst“ im Forschungsmagazin DJI Impulse.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut vom 06.08.2020

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