Familienforschung

In der Familie fühlen sich Kinder wohl - Länderbericht Hessen zum LBS-Kinderbarometer 2009 vorgestellt

„Die Familie spielt die zentrale Rolle für eine glückliche Kindheit“, sagte Jürgen Banzer, Hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, bei der Vorstellung des Länderberichtes Hessen zum LBS-Kinderbarometer 2009.

Seit 1997 führt das ProKids-Institut für Sozialforschung der PROSOZ Herten GmbH das LBS-Kinderbarometer im Auftrag der LBS-Initiative „Junge Familie“ durch. Die Studie hat das Ziel, Kinder als Experten für ihre Lebenswelt zu befragen und ihnen so eine Stimme zu verleihen. Für das LBS-Kinderbarometer Deutschland 2009 wurden im Winter 2008/2009 über 10.000 Kinder befragt, darunter auch 728 hessische Kinder. Bereits zum zweiten Mal förderten die LBS Hessen-Thüringen und die hessenstiftung - familie hat zukunft einen für Hessen repräsentativen eigenen Länderbericht. Die Ergebnisse stellten die Förderer gemeinsam mit dem Familienministerium und dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) am 10. März in Frankfurt vor.

Jürgen Banzer: „Deshalb werden wir den Familien auch weiterhin den Rücken stärken und die Voraussetzungen für ein kinderfreundliches Familienland Hessen verbessern.“ Während Medien oft von Rabeneltern berichten, sieht die Realität in Hessen anders aus: Knapp drei Viertel der hessischen Kinder fühlen sich in ihren Familien gut bis sehr gut, und die meisten streiten sich eher selten mit ihren Eltern. Nach Einschätzung der 9- bis 14-Jährigen zeigen Mütter und Väter zumeist das richtige Maß an Interesse und Engagement für die Belange ihrer Kinder. Zu diesen Ergebnissen kommt das für Hessen repräsentative LBS-Kinderbarometer 2009.

Das Wohlbefinden der Kinder steht im Fokus

Im Zentrum der Untersuchung steht das Wohlbefinden, sowohl allgemein als auch in unterschiedlichen Lebensbereichen. Dabei werden auch die Zusammenhänge analysiert, die das Wohlbefinden positiv oder negativ beeinflussen. Die Antworten der hessischen Kinder zeichnen ein grundsätzlich positives Bild: 63 % der Befragten fühlen sich gut oder sehr gut. Das allgemeine Wohlbefinden liegt mit einem Mittelwert von 5,6 deutlich auf der positiven Seite der Skala von 1 bis 7. 

Probleme der Kinder ernst nehmen

Noch besser sind die Werte für das Wohlbefinden in der Familie: Fast drei Viertel der Kinder fühlt sich hier wohl, der Mittelwert liegt bei 5,9. Allerdings verspürt auch ein beträchtlicher Teil der Kinder Unbehagen: „Immerhin 7 % der Kinder fühlen sich im allgemeinen oder in der Familie gar nicht wohl, in der Schule sind es sogar doppelt so viele. Wir müssen die Probleme dieser Kinder ernst nehmen und alles dafür tun, damit auch sie eine ihrer Entwicklung förderliche Kindheit erleben können“, mahnte Verone Schöninger, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Hessen e.V.

Kinder geben Eltern gute Noten

Großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Kinder hat das Verhalten der Eltern - und hier geben die hessischen Kinder ihren Eltern überwiegend gute Noten: Mindestens drei Viertel der Kinder bescheinigen ihren Müttern genau das richtige Interesse an Schulleistungen, Problemen und Hobbys. Acht von zehn Kindern nehmen ihre Mütter als angemessen fürsorglich wahr. Knapp drei Viertel der Kinder attestieren den Müttern, dass sie von ihnen im richtigen Maß zum Lernen animiert werden. „Interesse, Fürsorge und Engagement der Eltern hängen mit dem Wohlbefinden der Kinder zusammen: Wenn Mütter beispielsweise zuwenig Fürsorge zeigen oder ihre Kinder nicht genügend zum Lernen ermuntern, dann ist das Wohlbefinden in der Familie schlechter“, erläutert Diplom-Psychologin Claudia L. Preißner vom ProKids-Institut, eine der Autorinnen der Studie.

Väter sind wichtig für das Wohlergehen der Kinder

Bei den Vätern fallen die Ergebnisse in diesen Kategorien meist einige Prozentpunkte geringer aus. Eine wichtige Rolle spielen die Väter besonders in der Freizeit: 63 % aller befragten Kinder geben an, ein Hobby mit ihrem Vater zu teilen, bei den Müttern ist dies deutlich seltener der Fall. „Diese Ergebnisse unterstreichen: Das traditionelle Bild, dass in erster Linie die Mutter für das Wohl der Kinder zuständig ist, trifft längst nicht mehr zu. Väter kümmern sich in fast ebenso starkem Maße um die Belange ihrer Kinder - und das ist den Kindern wichtig“, erklärte Dr. Ulrich Kuther, Geschäftsführer der hessenstiftung - familie hat zukunft.

Nicht alle Eltern achten auf gesunde und regelmäßige Ernährung

Auch die Ernährung ist in den meisten Familien in wichtiges Thema, aber hier gibt es große Unterschiede: Ein knappes Fünftel der Eltern achtet wenig oder gar nicht darauf, ob die Kinder regelmäßig essen; einem weiteren Fünftel gelingt das nur manchmal. Auf gesunde Ernährung legen drei Viertel der Eltern wert, auf täglich eine warme Mahlzeit für ihr Kind sogar noch mehr (79%). Diese Aufmerksamkeit hat auch für die Kinder selbst große Bedeutung: Wenn Eltern auf gesundes Essen und warme Mahlzeiten achten, dann fühlen sich Kinder in der Familie tendenziell wohler. 

Schulstress und Arbeitslosigkeit in der Familie belasten Kinder

Neben der Familie beeinflussen weitere Lebensbereiche das allgemeine Wohlbefinden der Kinder - allen voran die Schule. Immerhin 15 % der Kinder fühlen sich in diesem Lebensbereich nicht wohl. Insbesondere Schulstress, die Angst, für schlechte Noten Ärger zu bekommen oder vor dem Sitzen-bleiben beeinträchtigen das Wohlgefühl. Aber auch Arbeitslosigkeit in der Familie belastet die Kinder und trübt ihr Wohlbefinden sowohl allgemein als auch im Freundeskreis. 

Herausgeber: Ehemals: Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit

 

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