Familienforschung

Forschungsbericht zu Familien-Leitbildern in Deutschland

Eine vierköpfige Familie gemeinsam in der freien Natur
Bild: goodluz - Fotolia

Eine Repräsentativbefragung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt: In Deutschland bestehen hohe Erwartungen an die Rahmenbedingungen für Elternschaft, die auch Barriere für die Erfüllung des Kinderwunsches sein können, Kinderlosigkeit als Lebensentwurf ist sozial akzeptiert und verheiratete Paare mit Kind(ern) sind noch immer das dominierende Familienleitbild in Deutschland.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat in einer Repräsentativbefragung Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 39 Jahren nach ihren Vorstellungen über das Familienleben befragt: Wie stellen sich Menschen in Deutschland eine "normale" Familie und das "ideale" Familienleben vor? Was gilt als "normal" und wünschenswert und wie beeinflussen diese Vorstellungen die Familiengründung und das Familienleben? Die bundesweite Studie "Familienleitbilder in Deutschland" gibt Antworten und stellt folgende zentrale Erkenntnisse vor:

Leitbilder in Deutschland sind vielfältig

Zu vielen Aspekten des Familienlebens gibt es zwar vorherrschende, aber keine einheitlichen Leitbilder in der Gesellschaft. Es bestehen regionale (z. B. Ost-West/Stadt-Land) und sozial-strukturelle Unterschiede, z. B. hinsichtlich der Bildung oder auch des Geschlechts.

Elternleitbilder und Wirklichkeit klaffen auseinander

Leitbilder der Elternschaft und Alltagspraxis sind häufig widersprüchlich. So leben immerhin 28,5 Prozent der Befragten, die das komplementäre Elternschaftsleitbild (Vater=Ernährer, Mutter=Hausfrau) ablehnen, dennoch das männliche Alleinverdienermodell. Als Ursache wird die unzureichend ausgebaute Kinderbetreuungsinfrastruktur (besonders in Westdeutschland) gesehen.

Leitbild der Elternschaft ist überfrachtet

Es bestehen hohe Ansprüche an die Voraussetzungen und Bedingungen für Elternschaft. Über die Hälfte der jungen Erwachsenen setzen für die eigene Familiengründung sowohl die materielle Absicherung als auch die berufliche Etablierung der Frau voraus.

Kinderlosigkeit akzeptiert

Kinderlosigkeit ist in Deutschland sozial akzeptiert, obwohl ein erheblicher Teil der Befragten sagt, dass Kinderlose höhere Steuern zahlen sollten.

Leitbild der guten Mutter - Präsenzkultur zuhause, besonders im Westen

Es herrscht ein hoher Erwartungsdruck an Mütter, für die Kinder da zu sein: Über drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Mütter nachmittags Zeit haben sollten, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Der hohe individuelle und gesellschaftlich wahrgenommenen Qualitätsanspruch an Mütter herrscht besonders in Westdeutschland vor.

Krippenbetreuung akzeptiert, jedoch im Westen eher ältere Kinder und mit kürzerer Betreuungszeit als im Osten

Externe Betreuung von unter Dreijährigen ist prinzipiell akzeptiert, jedoch im Westen tendenziell erst, wenn Kinder älter sind und seltener ganztags. Offenbar gibt es in einigen Teilen der westdeutschen Gesellschaft ein Akzeptanzproblem gegenüber externer Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren.

Vatersein heißt ernähren und erziehen

Vor allem Männer glauben heute oft, beides sein zu müssen: Der "klassische" Vater, der das Familieneinkommen bestreitet, und der "aktive" Vater, der sich gleichberechtigt in die Betreuung und Erziehung der Kinder einschaltet. Die Vereinbarkeitsproblematik ist demnach auch für Männer ein wichtiges Thema geworden. Jedoch verändern sich durch die Familiengründung häufig die Vaterleitbilder, das heißt Väter und Mütter sehen im Vater dann wieder eher den Familienernährer.

Verantwortete Elternschaft als Barriere für Familiengründung bzw. -erweiterung

Die Ergebnisse verdeutlichen: Je höher das Anspruchsniveau an Elternschaft ist, desto niedriger ist der Kinderwunsch. Dabei erschwert der Wunsch nach Perfektion die Elternschaft. Insgesamt geht daher vom Leitbild der verantworteten Elternschaft ein ungünstiger Impuls für die Geburtenentwicklung in Deutschland aus.

Weiterführende Informationen zu der Studie

Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

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