Familienforschung / Inklusion

BW: Lebenssituation von Kindern mit Behinderungen

Ein behinderter Junge kuschelt mit seinem Schmusetier.
Bild: © Jaren Wicklund - Fotolia.com

Die FamilienForschung Baden-Württemberg hat eine neue Online-Ausgabe des Reports Familien in Baden-Württemberg zur Lebenssituation von Kindern mit Behinderungen veröffentlicht. Der Report wird im Rahmen der Familienberichterstattung des Landes im Auftrag des Sozialministeriums erstellt.

In Baden-Württemberg lebten 2011 rund 22 600 Kinder und Jugendliche mit amtlich anerkannter Schwerbehinderung. Darunter sind mit 57 Prozent mehr Jungen als Mädchen. 2001 lag die Zahl mit 19 400 um 3 200 Kinder und Jugendliche niedriger und ist seitdem um über 16 % angestiegen. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Menschen mit amtlich festgestellter Schwerbehinderung ist in diesem Zeitraum in Baden Württemberg von rund 680 000 Menschen auf 907 000 Menschen oder um 33 Prozent angestiegen.

Ein Schwerpunkt der Inklusion von Menschen mit Behinderungen liegt im Bildungsbereich. Wenn im Einzelfall ein Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot festgestellt wurde, sollten die Eltern entscheiden, ob ihr Kind an einer allgemeinen Schule oder an einer Sonderschule unterrichtet werden soll. Im vorschulischen Bereich besuchten 2012/13 rund 4 500 Kinder mit Behinderungen Schulkindergärten mit spezieller Förderung. Von den sonstigen Kindertageseinrichtungen waren 2011 rund ein Drittel der 8250 Einrichtungen in Baden-Württemberg integrativ ausgerichtet. Bei rund 6 % oder rund 75 000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg wurde im Schuljahr 2021/13 sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. 52 475 Schülerinnen und Schüler besuchten im Schuljahr 2012/13 eine der 426 öffentlichen und 156 privaten Sonderschulen, das sind etwa 70 % derjenigen, bei denen sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde. Die Klassengrößen der öffentlichen Sonderschulen lagen dabei im Durchschnitt bei 8,4 Kindern, in den privaten Sonderschulen bei 6,9 Kindern. Rund 30 % der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder rund 22 000 besuchten eine Regelschule. Der Anteil inklusiven Schulunterrichts ist im Primarbereich am höchsten und nimmt in Sekundarstufe I und II stark ab.

Was heißt Inklusion? Die 2009 von Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention schreibt als Ziel fest, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte Teilhabe und einen selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen. Baden-Württemberg hat eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Umsetzung von mehr Inklusion zu befördern. Hier sind zum Beispiel das Förderprogramm Inklusion oder der Landesinklusionspreis zu nennen. Unter breiter Beteiligung der Betroffenen wird zurzeit ein Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention erstellt. Inklusion ist aber nicht alleinig Aufgabe der Politik sondern aller gesellschaftlichen Ebenen.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg vom 16.07.2014

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