Bildungsforschung / Bildungspolitik

Was die Forschung über das deutsche Bildungswesen weiß – ein Überblick

In einem Klassenzimmer melden sich alle Schülerinnen und Schüler
Bild: © Jacob Lund - Fotolia.com

Unter dem Titel „Das Bildungswesen in Deutschland: Bestand und Potenziale“ steht jetzt ein neues Standardwerk zur Verfügung, das auf rund 1.000 Seiten den aktuellen Stand der diesbezüglichen wissenschaftlichen Forschung zusammenfasst. Das Buch stellt Strukturen und Entwicklungen dar. Zugleich bewertet es die größten Bildungsherausforderungen und Strategien, um diese zu bewältigen.

Herausgeber der neuen Publikation „Das Bildungswesen in Deutschland: Bestand und Potenziale“ ist der Leibniz-Forschungsverbund Bildungspotenziale. Er vereint das Fachwissen aus mehr als 20 Forschungseinrichtungen und aus zahlreichen mit Bildungsfragen befassten Disziplinen.

„Wir stellen in dem Buch nicht nur den aktuellen, wissenschaftlich erarbeiteten Sachstand dar, sondern geben auch fundierte Einschätzungen, welche Potenziale wir in den einzelnen Themen und Bildungsbereichen sehen“, betont Professor Dr. Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik und Erstherausgeber des Werks im Namen des Forschungsverbundes.

Das Buch gliedert sich in sieben Teilbereiche: Bereich 1 beschäftigt sich mit Bildungsstrukturen und Bildungsorten, der 2. Bereich ist den Aufgaben und Herausforderungen im Bildungswesen gewidmet. Es folgen vier Abschnitte über die Bildungsetappen im Lebenslauf: 3: Frühe Bildung: Kindertageseinrichtungen und Grundschule, 4: Sekundarbereich, 5: Hochschulbildung und 6: Fort- und Weiterbildung sowie die Bildung im höheren und hohen Alter. Der 7. Teilbereich befasst sich mit Bildungsmedien und digitalen Informationswelten.

Grundlegende Entwicklungen im Blick

Im Zuge dieser Darstellung beschreiben und analysieren die Autorinnen und Autoren zentrale Trends in den einzelnen Bildungsetappen und die damit verbundenen Reformen. Zu diesen Trends zählen:

  1. Demografische Herausforderungen, zum Beispiel die langfristig sinkenden Geburtenzahlen bei gleichzeitig steigenden Anteilen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit nicht-deutscher Herkunft
  2. Folgen der digitalen Durchdringung von Arbeits-, Lebens- und Bildungswelten, wozu die informationstechnische Grundbildung als Aufgabe für alle Schulfächer zählt
  3. Stärkung der frühen Bildung, zum Beispiel durch den Ausbau der Sprachförderung
  4. Veränderungen im allgemeinbildenden Schulsystem, etwa das Streben nach höherer Bildung und die Expansion des Gymnasiums
  5. Weiterentwicklungen im Hochschulbereich, darunter der fortlaufende Anstieg der Studierendenanzahl und die damit verbundenen Auswirkungen auf die duale Berufsausbildung
  6. Reformen der Lehramtsausbildung, beispielsweise die Etablierung von Schools of Education an den Universitäten als eigenständige Strukturen für die Lehramtsausbildung
  7. Modernisierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die sich unter anderem an die zunehmende Automatisierung von Fertigungsprozessen anpassen muss
  8. Fortschreitende Institutionalisierung der Erwachsenen- und Weiterbildung, die zu einer steigenden Beteiligung aber bislang nicht zum Abbau sozialer Ungleichheiten geführt hat
  9. Bildungsmonitoring, das die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems fortlaufend und systematisch überprüft, zum Beispiel über Schulleistungsstudien und Vergleichsarbeiten

Mit Fachwissen zur Bewältigung von Bildungsherausforderungen beitragen

Der Band ist als Nachschlagewerk für Expertinnen und Experten in Forschung, Politik und Verwaltung, in Kitas und an Schulen gedacht. Zugleich können die Texte auch als Grundlage von Lehrveranstaltungen dienen. „Das Buch verdeutlicht die Ausrichtung unseres Forschungsverbundes, der sich zum Ziel gesetzt hat, Potenziale von und für Bildung zu identifizieren und sie für eine bessere Nutzung zu erschließen. So sollen sich individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen im Kontext von Bildung besser bewältigen lassen“, erläutert Professor Dr. Marcus Hasselhorn vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Vorsitzende der Sprechergruppe des Forschungsverbundes.

Hintergrund

Der Leibniz-Forschungsverbund Bildungspotenziale (Leibniz Education Research Network – LERN) umfasst 16 Mitgliedsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft und wird durch sieben weitere universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Deutschland und Luxemburg ergänzt. In den Instituten arbeiten Forschende aus der Erziehungswissenschaft, den Fachdidaktiken, der Linguistik, den Medien- und Kulturwissenschaften, den Neurowissenschaften, der Ökonomie, der Politikwissenschaft, der Psychologie, der Soziologie sowie der Informationswissenschaft und der Informatik.

Das neue Werk steht in einer erfolgreichen Tradition: 1979 brachte das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erstmals das Handbuch „Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Strukturen und Entwicklungen im Überblick“ heraus. Es bot in mehreren Neuauflagen bis 2008 einen systematischen und umfassenden Überblick. Durch den in Deutschland einmaligen Zusammenschluss von Fachwissen im Forschungsverbund LERN ist es nun möglich, dieses Angebot wieder aufleben zu lassen.

Weitere Informationen zu dem Werk und seinen Inhalten stehen online zur Verfügung:
www.bildungswesen-deutschland.de

Quelle: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation vom 25.11.2019