Bildungsforschung / Flucht und Migration

PISA-Sonderauswertung: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund

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Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund brauchen mehr Unterstützung, um in Schule und Gesellschaft erfolgreich zu sein. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der OECD auf Basis der PISA-Daten von 2015. In Deutschland liegt der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund mit 26 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Geringe formale Bildung und niedriger beruflicher Status der Eltern sowie Schwierigkeiten mit der Unterrichtssprache sind die größten Hindernisse für den Schulerfolg von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Die Bildungs- und Sozialpolitik muss sich deshalb effektiver und gezielter dieser Gruppe annehmen und den Jugendlichen helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Zu diesem Schluss kommt eine Sonderauswertung der PISA-Daten von 2015, die heute veröffentlicht wurde.

Der Studie zufolge ist in den vergangenen zehn Jahren in fast allen OECD-Ländern der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund deutlich gestiegen. Mittlerweile ist fast jeder vierte 15-jährige Schüler in OECD- und EU-Ländern entweder im Ausland geboren oder hat mindestens einen im Ausland geborenen Elternteil.

Hindernisse für den Schulerfolg

Viele dieser Schülerinnen und Schüler schneiden in der Schule schlechter ab als ihre inländischen Altersgenossen. Dies gilt vor allem für Einwanderer der ersten Generation (im Ausland geborene Schüler von im Ausland geborenen Eltern). Im Durchschnitt der OECD-Länder erlangt etwa jeder zweite Einwanderer der ersten Generation die Grundkompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Bei Schülern ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei etwa drei Vierteln.

Grafische Darstellung des Anteils der 15-jährigen Schüler/-innen in ausgewählten OECD-Ländern

„Gute Bildung ist entscheidend für junge Migranten, um sich in Wirtschaft und Gesellschaft zu integrieren“, sagte Gabriela Ramos, OECD Chief of Staff und G20-Sherpa, die den Bericht in Brüssel vorstellte. „Es ist alarmierend, dass in der EU Schüler mit Migrationshintergrund deutlich häufiger an grundlegenden Aufgaben in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik scheitern. Wir brauchen zielgerichtete Politiken, die allen die Möglichkeit geben, ihr Potenzial voll zu entfalten.“

Sprache und Herkunft entscheidend

Dem Bericht zufolge, fühlen sich Zuwanderer in der Schule weniger dazugehörig, haben häufiger schulbezogene Ängste und sind insgesamt weniger mit ihrem Leben zufrieden. Allerdings sind Schüler mit Migrationshintergrund häufiger hoch motiviert, um in der Schule und darüber hinaus das Bestmögliche zu erreichen, so der Bericht.

In Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Slowenien und Schweden ist unter Migranten und deren Nachkommen der Anteil leistungsschwacher Schüler besonders hoch. In diesen Ländern erreichen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so häufig wie Schüler ohne Migrationshintergrund nicht die schulischen Grundkenntnisse.

Unterschiede bei der sozialen und wirtschaftlichen Herkunft können mehr als ein Fünftel der Kluft zwischen Schülern mit Migrationshintergrund und einheimischen Schülern beim Erreichen der Basiskompetenzen erklären. Sprachkenntnisse sind ebenfalls entscheidend: Schüler mit Migrationshintergrund, die zu Hause nicht die Sprache des Aufnahmelandes sprechen, schneiden im PISA-Test um etwa acht Prozentpunkte schlechter ab, als Schüler mit Migrationshintergrund, die auch zu Hause in der Unterrichtssprache kommunizieren.

Lehrkräfte spielen eine Schlüsselrolle

Zuwanderer besuchen mit höherer Wahrscheinlichkeit Schulen, an denen häufiger geschwänzt wird und die ein schlechteres Unterrichtsklima haben als Schüler ohne Migrationshintergrund. Zudem sind Zuwanderer häufiger als einheimische Schüler Opfer von Mobbing und fühlen sich häufiger von Lehrern unfair behandelt, was ebenfalls zu Leistungsunterschieden und Unterschieden beim Wohlbefinden beiträgt. Allerdings berichten viele Schüler mit Migrationshintergrund auch, dass ihre Lehrer ihnen zusätzliche Unterstützung anbieten.

Lehrkräfte spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, dass sich Schüler in der Schule aber auch in die Gesellschaft insgesamt integrieren. Sie sollten deshalb mehr Unterstützung und Training erhalten, um besser auf zunehmend multikulturelle Klassen zu reagieren, Mobbing zu unterbinden und Kontakt mit Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund aufzubauen.

Um nicht-einheimischen Schülern zu helfen, ist es wichtig, frühzeitig Sprache und andere Fähigkeiten zu erfassen. Schülern mit Migrationshintergrund sollte ein gezieltes Sprachtraining angeboten werden. Erhebungen zu Sprachkenntnissen geben nicht nur Lehrkräften Aufschluss über die Bedürfnisse einzelner Schüler, sie liefern auch den lokalen Schulbehörden gezielte Informationen, welche Schulen zusätzlichen Bedarf an finanziellen Mitteln haben und wo weitere Unterstützung notwendig ist.

Die PISA-Sonderauswertung „The Resilience of Students with an Immigrant Background: Factors that Shape Well-being“ steht auf den Webseiten der OECD im englischen Original zur Verfügung.

Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 19.03.2018

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