Bildungsforschung / Ganztagsbildung

Neue Diagnose- und Förderinstrumente: Kinder frühzeitig und individuell unterstützen

An einer Schultafel sind verschiedene Sachen zu sehen.
Bild: © Berwis / PIXELIO

Fast ein Drittel der Kinder in Deutschland hat Probleme mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen. In einem neuen Forschungsprojekt werden jetzt wissenschaftlich fundierte Diagnose- und Förderinstrumente entwickelt, um Kindern mit schulischen Entwicklungsstörungen zu helfen.

Fast jedes dritte Grundschulkind in Deutschland hat Probleme, das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen zu erlernen - mit besorgniserregenden Folgen für die individuelle Entwicklung und für die Gesellschaft. Bei etwa der Hälfte der Kinder sind die Lernschwierigkeiten so erheblich, dass bei ihnen eine schulische Entwicklungsstörung (Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung) diagnostiziert wird. Das sind Ergebnisse einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie, die vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, der Universität Hildesheim, der Universität Frankfurt am Main und der Universität Oldenburg durchgeführt wurde.

Kindern von Beginn an helfen 

"Es ist unbedingt notwendig, dass Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen möglichst frühzeitig erkannt werden und den Kindern schon zu Beginn ihrer Schulzeit mit individueller Förderung geholfen wird. Nur wenn sie diese wichtigen Kulturtechniken beherrschen, können sie an allen Aspekten des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens teilhaben und alle Bildungschancen wahrnehmen. Hier liegt eine große Verantwortung der Länder und ihrer Schulen. Mit unserem neuen Forschungsvorhaben wollen wir sie dabei wirksam unterstützen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zum Auftakt des Forschungsvorhabens, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in den kommenden vier Jahren mit rund fünf Millionen Euro gefördert wird.

Diagnostik für Kinder und Jugendliche mit schulischen Entwicklungsstörungen 

In dem Projekt werden wissenschaftlich fundierte Diagnose- und Förderinstrumente entwickelt und im Anschluss erstmals auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. So können sich künftig Schulen, Schulpsychologen, Lerntherapeuten, kommunale Jugendämter und Eltern über die Instrumente informieren und diese nutzen. Ziel ist es, dass evidenzbasierte Informationen sowie Instrumente und Konzepte der Diagnostik möglichst vielen Kindern und Jugendlichen mit schulischen Entwicklungsstörungen helfen.

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, und Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main, leiten das Projekt "Entwicklung und Implementation einer Online-Plattform zur Diagnostik und Förderung von Kindern mit einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (OnDiFoe)".

Zusammenarbeit mit Fachpraxis

Auch für die besonderen Bedürfnisse von Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen und Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben entwickeln, werden Möglichkeiten der schulischen Förderung erarbeitet. Besonders wichtig sind dem Forscherteam die schulischen Hilfen und die bisher vernachlässigten psychischen Belastungen, insbesondere von Ängsten der Schulkinder mit Lernstörungen. Denn wer Angst vor Mathe und dem Vorlesen hat, traut sich weniger zu und verliert immer mehr die Motivation am Lernen.

In allen Bereichen arbeitet das Wissenschaftlerteam eng mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis zusammen, sodass alle Diagnose- und Förderinstrumente gut anzuwenden sein werden. So stellen die Forscherinnen und Forscher etwa Tests zur Verfügung, mit denen bereits in der Grundschule Risiken für Lernstörungen und psychische Belastungen festgestellt werden können. Hierzu entwickeln sie Fragebögen für Lehrkräfte, mit denen sie schnell und zuverlässig die Risiken für Lernschwierigkeiten eines Kindes feststellen können.

Immer größere Bedeutung in der Lernförderung bekommen Computerspiele (sogenannte "Serious Games"), die basierend auf evaluierten Fördermethoden den Kindern spielerisch helfen, sich im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu verbessern. Dabei passen sich die Spiele dem individuellen Lernstand an und motivieren die Kinder durch eine schnelle Rückmeldung über Lernerfolge.

Mehr Informationen zum Förderprojekt stehen auf den BMBF-Seiten zur Empirischen Bildungsforschung zur Verfügung.  

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 06.06.2017 

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